OB Ludwig sieht Behörden in der Pflicht

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig fordert im Kampf gegen rechte Strukturen in Chemnitz mehr Unterstützung vom Landesamt für Verfassungsschutz.

Chemnitz.

"Der Verfassungsschutz hat Nachholbedarf. Er muss aktiver, offensiver werden", sagte sie am Dienstag vor Journalisten. Trotz der Aufarbeitung der Taten und des Umfeldes des NSU-Terrortrios seien viele rechte Strukturen aus dieser Zeit immer noch vorhanden, so das Stadtoberhaupt.

Ludwig reagierte damit auch auf Äußerungen des Fanprojekte-Koordinators Michael Gabriel in der MDR-Fernsehsendung "Fakt ist!" am Montagabend. Gabriel hatte der Stadt Versagen vorgeworfen und die Entwicklung eines militanten Rechtsextremismus in den vergangenen Jahren als Beispiel genannt. Ludwig entgegnete, die rechten Strukturen existierten seit Anfang der 1990er-Jahre. "Sie sind mal mehr und mal weniger sichtbar." Zuletzt hätten Vertreter dieser Szene verstärkt öffentliche Bühnen genutzt - so, als bei einem Heimspiel des CFC im Stadion des verstorbenen Neonazis Thomas H. gedacht wurde.


Der frühere Chef einer Hooligan-Gruppierung war am Montag im Beisein hunderter Personen, darunter gewaltbereite Fußball-Anhänger sowie Aktivisten fremden- und asylfeindlicher Gruppen, beigesetzt worden. Weil auf einem Trauerkranz das Emblem des CFC offenbar ohne Genehmigung genutzt wurde, erstattete der Verein Anzeige. Der Kranz stammte von Kaotic Chemnitz - einer Fan-Gruppierung, die laut CFC-Sprecher Steffen Wunderlich seit 2012 Erscheinungsverbot im Stadion hat, deren Anhänger gleichwohl regelmäßig dort anzutreffen sind. Die Gruppe war auch für die Mobilisierung hunderter Personen nach dem gewaltsamen Tod von Daniel H. am Rande des Stadtfestes 2018 verantwortlich.

Bewertung des Artikels: Ø 3.3 Sterne bei 6 Bewertungen
6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 7
    7
    Interessierte
    20.03.2019

    Und warum war sie nicht zu ´Fakt ist` gekommen ???

  • 1
    17
    pillorello
    20.03.2019

    ….seit 1990....hmm. Vielleicht hätte man die StaSi doch nicht auflösen sollen...*grübel*

  • 19
    4
    Werterreu53
    20.03.2019

    Vielleicht hilft den Verantwortlichen in dieser überaus unrühmlichen Geschichte bzw. den Geschichten, etwas mehr Fehlerkultur zu entwickeln. Das schafft meiner Erfahrung nach Sympathien, auch mit Blick auf die Wahlen, die in diesem Jahr anstehen!
    Unabhängig davon sehe ich die Notwendigkeit, aus den positiven Erfahrungen der Neunzehnhundertneunziger zu schöpfen. Kriminalpräventive Räte und engere Zusammenarbeit, trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeiten und Auffassungen über demokratische Elemente im Zusammenleben!
    Übrigens, wer mehr auf Selbstdarstellung aus sein sollte, ist gut beraten, wenn er die Intelligenz der Menschen nicht unterschätzt!!! (Fridays vor Future ist ein beredtes Beispiel für die Intelligenz der verantwortungsbewussten Jugend.)
    An den CFC-Fan: ...es scheint mir egal zu sein, wie berechtigt ein Gedenken an Herrn H. aus deiner Sicht ist! Wenn durch das Ausbleiben von Sponsorengeld Lizenzen weder für die dritte Liga noch Regionalliga zu erhalten sind, ist das Vereinsgefühl in Frage gestellt und die Bedeutung regional wie national auf die Erinnerungen aus alter Zeit beschränkt. Ich wünsche, es wäre nicht so tragisch!
    An die Redakteure und anderen Journalisten:
    Die Stadt ist gespalten! Die Stadt hat versagt usw.!
    Es geht kaum noch dramatischer.
    Wer oder was ist eine Stadt? Welche Menschen führen dort bzw. hier die Amtsgeschäfte? Welche Anteile auswärtiger Demonstranten nutzten die gebotenen Plattformen und den Medien-Auflauf für ihre Zwecke und Ziele? Welche politischen Strömungen stecken dahinter oder Parteien?
    Ich erwarte von Ihnen, immerhin finanziere ich Sie mit, mehr Investigation in Recherche und Bericht. Es gibt so viel anderes zu berichten. Es ist womöglich nicht reißerisch und dramatisch. Aber vielleicht spiegelt es mehr das Leben bei uns wieder, als 10 oder mehr Beiträge über ein ?zigstel der Stadtbevölkerung innerhalb weniger Tage?

  • 10
    13
    Distelblüte
    20.03.2019

    Müsste dafür der Verfassungsschutz nicht über seinen eigenen Schatten springen?

  • 19
    5
    acals
    20.03.2019

    Also im Zeitalter des Trumpismus interessiert das Geschwaetz von gestern noch weniger. Als Buerger dieser Stadt lesen wir im obigen Artikel nichts Neues. Wir duerfen aber daran erinnern, dass vor kurzem dem Stadtrat gesagt wurde: Anbetracht der steuerzahlenden Fans, die einen essentiellen Beitrag fuer die positive Entwicklung der Stadt geleistet haben stimmen sie mir doch zu, verehrte Stadtraete, dass uns kein Geld dieser Kommune zu schade sein darf diese Aufbauarbeit weiter zu unterstuetzen. (Und aus dem Stadtrat schallte ein bejahendes Maehen zurueck (sry den positiven Ausnahmen) - jaaahhhh, maaachhh maaahh Muddi.)

    Nun aber ploetzlich muss sogar schon der Verfassungschutz aktiviert werden ... und es geht doch immer noch um ein und diesselbe Szene ...

    Wie es moeglich ist, dass bei eigenem Totalversagen mit dem Finger immer nur auf andere gezeigt wird, dass erklaerte uns schon Sigmund Freud. Bedenklich stimmt mich, ob es denn in irgendeiner Weise eine Opposition in Chemnitz gibt die zuerst den Scherbenhaufen vor der eigenen Tuer wegkehrt, dann die Vorzeigeaemter dieser Stadt besetzen will - um diese Stadt nach vorne zu bringen. So, wirds nichts.

  • 8
    6
    Hinterfragt
    20.03.2019

    Und täglich grüßt das Murmeltier ...



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