Opfer von Diskriminierung haben jetzt eine Anlaufstelle

Ein neues Büro hat in der Innenstadt eröffnet. Es steht allen offen, die Benachteiligung erfahren. Die Unterstützung reicht bis vor Gericht.

Beim Thema Diskriminierung hören die Leute erst dann zu, wenn sie selbst betroffen sind. Das hat Petra Köpping, sächsische Ministerin für Gleichstellung und Integration, am Freitag bei der Eröffnung des Antidiskriminierungsbüros (ADB) am Jakobikirchplatz festgestellt. Seit 13 Jahren gibt es ein solches Büro in Leipzig. Im vergangenen Jahr gab es dort 270 Beratungsfälle, sagte Sotiria Midelia, Geschäftsführerin des Trägervereins. Es sei immer das Ziel gewesen, die Beratung an weiteren Stellen in Sachsen anzubieten.

Seitdem sich die Landesregierung dazu bekannt hat, gegen Diskriminierung vorzugehen, und eine "Geschäftsstelle Antidiskriminierung" einrichtete, die zu Köppings Ressort gehört, sei dies möglich geworden, so Midelia. So gehört die Chemnitzer Beratungsstelle zu einem Modellprojekt, das vorerst bis Ende 2020 läuft und durch Köppings Geschäftsbereich mit 1,2 Millionen Euro gefördert wird. Das Chemnitzer Büro ist auch für den Landkreis Zwickau, Mittelsachsen und das Erzgebirge zuständig. Auch ein Büro in Dresden ist in Arbeit.

In Chemnitz vor Ort sein werden Stefanie Gockel und Jan Diebold. Zweimal pro Woche können sich Betroffene zu einem Erstgespräch an die beiden wenden. Viele würden dafür aber auch lieber eine E-Mail schreiben oder anrufen, so Gockel, da sei die Hemmschwelle geringer. Sie seien für alle da, die aufgrund ihres Alters, einer Behinderung, des Geschlechts, der sexuellen Identität, der ethnischen Herkunft oder aufgrund ihrer Religion oder Weltanschauung benachteiligt werden. Diese sechs Punkte sind im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz festgehalten, es besteht ein Rechtsanspruch auf den Schutz vor Diskriminierung.

Manche Personen seien schon damit zufrieden, endlich einmal über ihre Erlebnisse zu berichten, erklärt Diebold. Bei anderen werde man helfen, Stellungnahmen einzufordern, Beschwerdebriefe zu schreiben oder Vermittlungsgespräche organisieren. Wenn das nicht hilft, können Gockel und Diebold auch vor Gericht als Klagebeistand auftreten. "Wir haben dann das Recht, als Experten gehört zu werden", erklärt Gockel. Zudem arbeite man mit Anwälten zusammen, die den Betroffenen vermittelt werden können.

Das Antidiskriminierungsbüro befindet sich am Jakobikirchplatz 2, in den Rathauspassagen. Beratungszeiten: mittwochs 14bis 16Uhr, freitags 10 bis 13 Uhr. Kontakt: chemnitz@adb-sachsen.de, 0371 43308461.

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1Kommentare
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  • 3
    7
    thomboy
    vor 15 Stunden

    Das ist natürlich auch das "allerwichtigste" was wir jetzt brauchen.



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