Pendler besorgt wegen geplanter Streckensperrung

Chemnitz diskutiert: Von Mai bis September sollen zwischen Küchwald und Hauptbahnhof Busse statt Züge fahren. Viele schaffen es dann nicht mehr pünktlich zur Arbeit.

Zahlreiche Pendler, die täglich berufsbedingt mit der Bahn zwischen Chemnitz und Leipzig unterwegs sind, warten ungeduldig auf konkrete Informationen zu einer angekündigten Streckensperrung. Wegen Bauarbeiten an der Eisenbahnbrücke über den Chemnitz-Fluss und die Blankenauer Straße soll vom 23. Mai bis 19. September für alle Züge bereits am neuen Haltepunkt Chemnitz-Küchwald Endstation sein. Betroffen sind die Chemnitz-Bahn-Linie C13 von und nach Burgstädt der City-Bahn und der Regionalexpress Chemnitz-Leipzig, der von der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB) betrieben wird. Weiter zum Hauptbahnhof und zurück geht es dann nur noch mit Bussen im Schienenersatzverkehr, doch das lässt viele Berufstätige Probleme befürchten.

Zu ihnen gehört Anke Bochmann aus Taura, deren Arbeitstage morgens um 6 Uhr im Chemnitz-Plaza an der Zentralhaltestelle beginnen. Um pünktlich zu sein, steigt sie in Taura 5.15 Uhr in den Bus zum Bahnhof Burgstädt und dort in die erste City-Bahn am Tag, die 5.32 Uhr abfährt und 5.58 Uhr an der Zentralhaltestelle ankommt. "Das passt perfekt", erklärt die Gebäudereinigerin. Doch ab 23. Mai wird sie voraussichtlich nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen. "Dann muss mich mein Mann wohl jeden Morgen reinfahren - obwohl ich eine Monatskarte habe", so Anke Bochmann.

Sorgen macht sich auch eine Frau aus Wittgensdorf, die in einer Pflegeeinrichtung im Stadtteil Hutholz tätig ist. "Ich werde wohl vier Monate nur in Spätschicht arbeiten können", so die 52-Jährige. Sie hofft, dass das ihren Kolleginnen nicht zu viele Probleme bereitet. Denn diese hätten ja auch einmal etwas vormittags zu erledigen. Auch sie fährt sonst mit der ersten Chemnitz-Bahn der Linie C13 morgens 5.36 Uhr vom Oberen Bahnhof in Wittgensdorf ab und steigt an der Zentralhaltestelle in die Straßenbahnlinie 5 um, um pünktlich zur Frühschicht in Hutholz zu sein. "Wenn ich vom Haltepunkt Küchwald erst zum Bus laufen muss und dieser dann auf irgendwelchen Umwegen in die Innenstadt fährt, ist das nicht mehr zu schaffen", sagt die Frau.

Deutsche Bahn, City-Bahn und Verkehrsverbund Mittelsachsen halten sich mit Informationen zu Bauvorhaben und Schienenersatzverkehr noch zurück. Trotz mehrfacher Anfragen verweisen sie auf ein Pressegespräch, das für die kommende Woche geplant sei. Die Mitteldeutsche Regiobahn gibt vorab wenigstens teilweise Auskunft: Die Busse des Schienenersatzverkehrs für den Regionalexpress RE 6 Leipzig-Chemnitz sollen am Haltepunkt Küchwald auf der Draisdorfer Straße im Stadtteil Furth und am Hauptbahnhof am Bussteig auf der Bahnhofstraße halten. Ihre Fahrtzeit - Zwischenstopps unterwegs sind nicht vorgesehen - werde etwa zehn Minuten betragen. Das wären sechs Minuten mehr, als derzeit die Chemnitz-Bahnen der Linie C13 vom Haltepunkt Küchwald bis zum Hauptbahnhof unterwegs sind. Die Abfahrts- und Ankunftszeiten der Busse seien "auf einen reibungslosen Übergang der Fahrgäste vom Bus zum Zug und umgekehrt ausgelegt", erklärt die MRB. Daher würden die Schienenersatzverkehrs-Busse am Hauptbahnhof früher und an der Draisdorfer Straße nahe dem Haltepunkt Küchwald später abfahren als sonst die Züge, sodass der Anschluss an die nach Fahrplan verkehrenden Züge gewährleistet sei.

Gute Nachrichten gibt es immerhin für Autofahrer: Laut Stadtverwaltung soll die B 107/Blankenauer Straße während der Brückenbauarbeiten nicht gesperrt werden - zumindest nach derzeitigem Stand.


Kommentar: Spät dran

Bis zum geplanten Baubeginn im Mai ist zwar noch genau ein Vierteljahr Zeit, trotzdem sind die beteiligten Verkehrsunternehmen mit ihrer Informationspolitik spät dran. Bereits zum jüngsten Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2018 wurde die bevorstehende Streckensperrung angekündigt. Dennoch warten regelmäßige Fahrgäste noch immer auf konkrete Auskünfte zum Schienenersatzverkehr. Dabei mussten die Dienst- und Urlaubspläne für den Sommer in den meisten Unternehmen und Familien längst aufgestellt werden. Dass Pendler allmählich ungeduldig werden, ist daher nachvollziehbar.

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3Kommentare
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  • 0
    2
    Interessierte
    26.02.2019

    Was wird denn mal mit dem Haus , was da hinter der Brücke steht und seit der Wende leer steht - mit der schönen Abrundung ???

  • 1
    2
    Zeitungss
    24.02.2019

    @521672: Eine Frage bleibt, wie würden denn Sie die erforderliche Baumaßnahme organisieren ? Herr Pofalla als Chef der Infrastruktur ist für jeden Hinweis dankbar.

  • 2
    0
    521672
    22.02.2019

    Solange solche Zustände herrschen und damit der Privat-Pkw das zuverlässigste Verkehrsmittel bleibt, wird es nicht gelingen, mehr Fahrgäste zum dauerhaften Umsteigen auf den ÖPNV zu bewegen.



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