Pleißenbach in Pleißa wird nach jahrelangem Streit verlegt

Stadtverwaltung und Anwohner einigen sich - Vorhaben kostet 1,8 Millionen Euro - Baustart im nächsten Jahr

Pleißa.

Der Limbacher Stadtrat hat beschlossen, dass der Pleißenbach in Pleißa auf einer Länge von etwa 300 Metern ein neues Bett erhalten soll. Ein komplizierter Konflikt ist damit gelöst. Die "Freie Presse" beantwortet wichtige Fragen zum Thema.

Was hat der Stadtrat genau beschlossen?


Die Lokalpolitiker haben grünes Licht für ein jahrelang umstrittenes Projekt gegeben: Der Pleißenbach soll zwischen Löbelgässchen und Zum Lindenhof um etwa 60 Meter in Richtung Osten verlegt werden. In zwei Bauabschnitten werden insgesamt etwa 1,8 Millionen Euro investiert. Da das Projekt als Reparatur eines Schadens nach dem Hochwasser 2013 gilt, hofft die Stadt, keinen einzigen Euro selbst bezahlen zu müssen. Denn solche Vorhaben werden von Bund und Freistaat zu 100 Prozent gefördert.

Welcher Schaden wird behoben?

Der Pleißenbach in Pleißa führte beim Hochwasser 2013 mehr Wasser als 2002. Mehrere angrenzende Grundstücke wurden überschwemmt, die Feuerwehr pumpte Keller aus. Als eine Schwachstelle wurde damals ausgemacht, dass der Bach mehrere scharfe Kurven beschreibt - eine davon an der Ecke Pleißenbachstraße/Zum Lindenhof, da das Bachbett dem Straßenverlauf folgt. Eine weitere Kurve befindet sich kurz vor dem Durchlass unter der Straße Zum Lindenhof. 2013 wurde dort die Fahrbahn überschwemmt, weil sich an der Engstelle Holz und anderes Treibgut verfangen hatten.

Welche Folgen hat die Verlegung des Baches?

Der Pleißenbach soll künftig nicht mehr dem Straßenverlauf folgen, sondern in leichten Kurven über eine benachbarte Wiese fließen. Dort steht im Falle eines Hochwassers genug Platz zum Ausbreiten zur Verfügung. Und die Gefahr, dass Straße und Grundstücke überschwemmt werden, wird so deutlich geringer.

Warum wurde über das Projekt lange gestritten?

Erste Überlegungen waren bereits 2014 vorgestellt worden. Doch die Umsetzung verzögerte sich erheblich, weil Anwohner mit den ursprünglichen Planungen nicht einverstanden waren. Der Bach sollte mitten durch ein Grundstück der Anwohner Marlene und Reinhard Winkler laufen. Die Fläche werde dadurch nutzlos, befürchtete das Ehepaar. Ein Kaufangebot des Rathauses schätzten die Winklers als zu niedrig ein. Auch Benjamin Nessmann und seine Familie wehrten sich gegen die Planungen. Sie haben das Grundstück der Winklers als Garten gepachtet und hätten diesen nach der ursprünglichen Planung aufgeben müssen.

Wie sieht nun der Kompromiss aus?

Da die Fronten verhärtet waren, ließ die Stadtverwaltung eine neue Variante erarbeiten. Gegenüber der ursprünglichen Planung soll der Pleißenbach nun einige Meter weiter westlich verlaufen. Der Garten der Nessmanns bleibt so unberührt. "Alles, was uns ein Dorn im Auge war, wird so aus der Welt geschafft", sagt Benjamin Nessmann. Für ihn sei besonders wichtig, dass der Durchlass unter der Straße Zum Lindenhof verbreitert und der Pleißenbach künftig gerade auf diesen zufließen wird. "Wir hoffen, dass der Durchlass künftig groß genug ist", sagt Nessmann. Das Haus der Familie befindet sich direkt daneben.

Warum hat das Rathaus nicht von Anfang an diese Variante gewählt?

Weil die Umsetzung des Kompromisses aufwendiger ist. Dort, wo das neue Bett des Pleißenbaches verlaufen soll, befindet sich derzeit ein Teich. Das Grundstück gehörte einer Erbengemeinschaft mit 37 Mitgliedern. Sie alle mussten erst ihr Einverständnis zum Verkauf an die Stadt geben. Der Teich soll nun entfernt und einige Meter weiter westlich wieder angelegt werden. "Es war wirklich zäh. Aber alles andere wäre mit einem ungewissen Ausgang verbunden gewesen", bringt Oberbürgermeister Jesko Vogel seine Erleichterung über den Kompromiss zum Ausdruck.

Wann rücken die Bagger an?

Die Umsetzung soll im Januar 2020 beginnen. Im April 2021 soll alles fertig sein. jop

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