Polizei stellt etwa 100 Verstöße bei Kontrolle an der Autobahn 72 fest

An zwei Tagen sind etwa 200 Fahrzeuge überprüft worden. Vor allem Transporter waren überladen - das hat Konsequenzen.

Mühlau.

Über den Rundfunk ertönt am Donnerstagmittag: Unfall, Stau auf der A 72 in Richtung Hof, Autofahrer werden auf dem Parkplatz Am Mühlbachtal umgeleitet. Autofahrer aus Richtung Leipzig stellen sich auf Behinderungen ein.

Und tatsächlich: Kurz nach der Autobahnauffahrt in Niederfrohna leuchtet ein Hinweisschild auf: Verkehrskontrolle. Das Tempo soll auf 100, dann auf 80, 60 und 40 Kilometer pro Stunde gedrosselt werden. Einige Fahrer schalten die Warnblinkanlage ein, andere versuchen noch in der linken Spur am Stau vorbeizukommen. Doch kurz vor dem Parkplatz versperren Fahrzeuge der Straßenmeisterei die Weiterfahrt. Polizisten leiten den Verkehr über den Parkplatz. Dort wird der Großteil in der linken Spur vorbeigewunken, einige Lkw, Transporter und Pkw sollen in die anderen Parkstreifen fahren. Dort stehen 47 Beamte von Bundes- und Landespolizei sowie Zoll für eine Kontrolle bereit. "Im Fokus liegt nicht nur die allgemeine Sicherheit im Straßenverkehr, wie Fahrtüchtigkeit, Ladungssicherheit, technischer Zustand, sondern auch Feststellen von unerlaubten Einreisen, Schleusern und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Ein Beamter winkt einen blauen Pkw mit tschechischem Kennzeichen heran. Im Auto sitzen zwei Männer, eine Frau und ein Kleinkind. Beamte kontrollieren Fahrzeugpapiere - alles in Ordnung. Dann müssen der Fahrer und sein Begleiter ihr Gepäck durchleuchten lassen. In einem Zelt des Technischen Hilfswerkes stellen sie zwei Plastetaschen und zwei Mülltüten auf ein Band. Es soll Bekleidung darin sein, sagen sie. "Doch das Gepäck ist unübersichtlich, deshalb wollen wir es näher betrachten", sagt Guido Wollenhaupt vom Hauptzollamt Erfurt. Ähnlich wie bei der Kontrolle auf einem Flughafen sind auf einem Bildschirm im Röntgenmobil verschiedene Gegenstände in unterschiedlichen Farben zu sehen. Ein Beamter erkennt Bekleidung, Laptop und zeigt auf einen rötlichen Fleck. "Das kann ich nicht definieren." Deshalb müssen die beiden Männer, die Tschechisch sprechen und etwas Deutsch verstehen, den Inhalt auspacken. Der rote Fleck entpuppt sich als Schuh. Trotzdem müssen sie sich noch einer Leibesvisitation unterziehen. "Zur Sicherheit", sagt Wollenhaupt. Es könnten gefährliche Gegenstände und Betäubungsmittel geschmuggelt werden.

Vorbei kommt ein Polizist, schwer bewaffnet mit Maschinenpistole MP5 und Dienstpistole. "Auch das dient zu unserer Sicherheit", fügt Wollenhaupt hinzu. Drogenspürhunde stünden für weitere Kontrollen zur Verfügung. Die sind aber bei der Pkw-Besatzung aus Tschechien nicht notwendig. Die Familie kann weiterfahren. "Ich wohne in Thüringen", sagt der junge Mann. Seine Schwester mit Mann und Kind seien zu Besuch gewesen. Jetzt bringe er sie wieder nach Chomutov, sagt er.

Auf dem Neben-Parkplatz stoppt ein polnischer Kleintransporter mit Anhänger. Darauf befindet sich ein kaputter Kia. "Etwa vor einer Stunde haben wir die Papiere des Fahrers einbehalten", sagt Stefan Auge, Chef der Verkehrspolizeiinspektion. Weil eine Kontrolle noch nicht möglich gewesen war, sei der Transporter weitergefahren. Jetzt wolle der Mann seine Papiere wieder abholen. Dabei wird das Gefährt gewogen. Zulässig sind 3,5 Tonnen. Ein zweiter Beamter kommt hinzu und erkennt den Transporter. "Vorhin war da neben dem Pkw noch eine Hebebühne drauf", sagt er. Demzufolge sei das Gewicht bestimmt überschritten worden. Bei der Befragung erfahren die Beamten, dass das zweite Gerät inzwischen in Wittgensdorf abgeladen wurde. "Das sieht mir nach Vorsatz aus", sagt Auge. Für den Fahrer hat das Folgen: Er muss 600 Euro Bußgeld bezahlen und darf mit der Überlast nicht weiterfahren. Ein Streifenwagen kontrolliert das.

Mit Bußgeld muss auch der 29-jährige Chef einer Baufirma aus Leipzig rechnen. Er fährt einen Kleintransporter mit Hänger, worauf sich ein Kleinbagger befindet. Zulässig ist ein Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen, sagt Polizeisprecher Andrzej Rydzik. Hier seien es 37 Prozent mehr. Den Fahrer erwartet auch ein Bußgeld. "Ich finde das in Ordnung", sagt der Bauunternehmer. Er verstehe das, denn er wolle auch nicht von einem überladenen Fahrzeug gerammt werden. Er habe schnell zu einer Baustelle nach Flöha gewollt, jetzt sei der Schaden noch größer, gesteht er ein.

Am Abend konstatiert Polizeisprecher Rydzik: "Die Kontrolle war erfolgreich und notwendig." An beiden Tagen seien rund 200 Fahrzeuge kontrolliert und etwa 50 Verstöße aufgenommen worden. Am 18. Oktober soll es die nächste Kontrolle geben - dann auf der A 4.


Acht unerlaubt Eingereiste und Verdacht des Einschleusens

Bereits am Mittwoch ist die A 72 in Richtung Leipzig von 12 bis 18 Uhr kontrolliert worden. Die Polizei stellte 46 Verstöße fest. Dabei wurde die Besatzung eines Kleintransporters mit moldauischer Zulassung überprüft. Sechs Männer und zwei Frauen im Alter von 22 bis 49 Jahren aus Moldawien gaben an, zum Arbeiten nach Deutschland zu fahren. Dafür benötigte Visa hatten sie nicht. Jetzt laufen Ermittlungen wegen unerlaubter Einreise und Arbeitsaufnahme. Gegen den rumänischen Fahrer (24) wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Einschleusens von Ausländern eröffnet.

97 Fahrzeuge wurden kontrolliert. Dabei wurde ein Pkw gestoppt, der wahrscheinlich Diebesware an Bord hatte: Hygieneartikel und Kleidung mit Diebstahlsicherung. Siebenmal wurde gegen Lenk- und Ruhezeiten verstoßen und einmal gegen das Abfallgesetz. Ein Lkw aus Bulgarien hatte 30 Altreifen geladen. Es fehlten Dokumente zur Recyclingerlaubnis. (bj)

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