Portal der Schloßkirche wird nächstes Jahr saniert

Unter den Platten an der Fassade des Gotteshauses haben sich Hohlräume gebildet. Außerdem sind Figuren beschädigt. Dies schon so lange, dass sich keiner mehr erinnert, wie das eigentlich passiert ist.

Schloßchemnitz.

Auf ihren Touren kommt Gästeführerin Veronika Leonhardt in viele Ecken von Chemnitz. Bei einem ihrer jüngsten Rundgänge, der sie an der Schloßkirche vorbeiführte, fiel ihr etwas ins Auge: Die rechte Figur am Portal der Kirche ist beschädigt. Der Skulptur, die als Moses zu erkennen ist, fehlt ein Arm. Verwundert wandte sich die Gästeführerin an "Freie Presse". Ob die Beschädigung bekannt ist und ob die Figur restauriert wird, wollte sie wissen.

Die Fragen beantworten kann Pfarrerin Gabriele Führer. Dass die Moses-Figur beschädigt ist, sei schon lange bekannt. Führer ist seit vier Jahren Pfarrerin der Gemeinde. Als sie nach Chemnitz kam, sei die Figur bereits kaputt gewesen. Keiner könne sich so recht erinnern, seit wann und warum der Arm abgebrochen ist, sagt Führer. Vermutlich handele es sich aber um Altersschäden, nicht um Vandalismus, sagt Führer.

Sie hat aber gute Nachrichten: Der untere Teil der Westfassade soll saniert werden. Das ist die Seite des Eingangsportals. Dabei sollen auch die Figuren restauriert werden. Beschädigt ist nicht nur der Moses an der rechten Seite des Portals, auch der Figur auf der linken Seite fehlt ein Arm.

Dass sich Chemnitzer für die Figuren am Kirchenportal interessieren, freut Führer. Noch mehr würde sie sich über Spenden für die Restaurierung freuen. Denn für das Projekt erhält die Gemeinde 300.000 Euro aus Mitteln aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen aus der ehemaligen DDR (PMO-Vermögen). Die SED, die Einheitspartei der DDR, aber auch andere Parteien hatten Teile ihres Vermögens über Scheinfirmen auf Schweizer Banken transferiert. In einem jahrelangen Rechtsstreit wurde auf die Herausgabe dieser Mittel geklagt. Das Geld wurde auf Basis der Einwohnerzahlen auf die ostdeutschen Länder verteilt. Der Freistaat Sachsen erhielt 62 Millionen Euro. Aus diesen Mitteln nun soll die Fassade saniert werden. Auch die Landeskirche werde das Vorhaben unterstützen, sagte Führer. Eigenmittel, vor allem für die Restaurierung der Figuren, würden aber trotzdem benötigt - und dafür eben Spenden. An einer Tafel sollen später die Namen bedeutender Geldgeber öffentlich sichtbar gemacht werden. Wie hoch genau das benötigte Budget sein wird, steht laut Führer noch nicht fest. Denn das Vorhaben werde demnächst erst ausgeschrieben. Daher lägen noch keine Angebote von Baufirmen vor.

Konkret soll der untere Teil der Turmfassade saniert werden. Der obere Teil sei bereits hergerichtet, wie auch die Nordfassade. Diese war 2017 an der Reihe. Schon vor längerer Zeit und zuletzt vor der Sanierung der Nordfassade 2017 sei die Westfassade von einem Fachmann befahren worden. Dieser fuhr auf einer Hebebühne die Mauer nach oben und überprüfte die Details im Gestein. Dabei sei festgestellt worden, dass sich hinter den großen Steinplatten Hohlräume befinden. "Die Platten sind nicht mehr fest und sicher", so Führer. Auch wenn es von außen noch gut aussehe, sei die Sanierung daher dringend.

Zum Zeitplan kann Pfarrerin Führer sagen, dass es "nach dem Frost" im kommenden Jahr losgehen soll. Außerdem hoffe sie, das Projekt 2020 auch abschließen zu können. Das Gotteshaus soll trotz der Bauarbeiten immer zugänglich bleiben, verspricht sie.


Das älteste Gebäude der Stadt

Kaiser Lothar III. stiftete 1136 das Benediktinerkloster in Chemnitz. Zu den Bauten gehörte auch ein Gotteshaus, geweiht der Jungfrau Maria. Im Jahr 1143 wird das Kloster erstmals schriftlich erwähnt. Den Mönchen wird das Marktrecht verliehen. Zwischen 1514 und 1526 erhält die Kirche einen spätgotischen Umbau.

Im Zuge der Reformation wurde 1540 das Kloster aufgelöst und später zum kurfürstlichen Schloss umgebaut. Herzog Moritz erkor es sich zur Sommerresidenz. 1668 erhielt die Marienkirche den Namen Schloßkirche.

Da Chemnitz wuchs, wurde Schloßchemnitz 1864 zur eigenständigen Kirchengemeinde. In den Jahren 1866 bis 1897 wurde die Kirche weiter umgebaut und erhielt einen neugotischen Turm.

Beim Bombenangriff 1945 wurde der neugotische Turm stark beschädigt. Er wurde 1949 durch das heutige niedrigere Walmdach ersetzt. Zwischen 1973 und 1989 erfolgte eine umfangreiche Innenrenovierung mit Umsetzung des Nordportals ins Innere der Kirche. Zwischen 2006 und 2011 wurde zudem die neue Vleugels-Orgel eingebaut. (jpe)

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...