Projekt Subbotnik steht auf der Kippe

Junge Leute möchten seit drei Jahren eine leer stehende Immobilie der Stadt in ein Kulturzentrum verwandeln. Doch jetzt droht ihnen das Geld auszugehen.

Bernsdorf.

Aus der geplanten Eröffnung im Herbst ist nichts geworden. Ob das Subbotnik - wie das neue Kulturzentrum im Speisesaal der ehemaligen Theodor-Neubauer-Schule heißen soll - überhaupt je öffnet, steht in den Sternen. Eigentlich hatte der Verein, der hinter dem Projekt steht, geplant, ab Oktober täglich zu öffnen. Doch weil die Brandschutztüren fehlen, geht das nicht.

Für Miete, Strom und Wasser müssen die Vereinsmitglieder trotzdem zahlen. "Wir sind uns nicht ganz sicher, ob wir den Winter finanziell überleben werden", sagt Mario Thomas, der die Idee zum Subbotnik hatte. Der Student der Politikwissenschaften ist Mitglied im Kulturbeirat. Aus dieser Arbeit heraus wisse er, dass soziale und kulturelle Projekte oft Probleme hätten, Räume zu finden. Genau an dieser Stelle soll das Subbotnik wirken: "Wir wollen Räume unbürokratisch zur Verfügung stellen", so Thomas. Lesungen, Workshops, Diskussionen, ein Yoga-Kurs im Garten oder Freizeitangebote für Asylbewerber - für alles soll Platz sein. Damit sich das finanzieren lässt, "soll uns eine Cafeteria über Wasser halten, die im Herbst täglich öffnen sollte", sagt der Student, der den Speisesaal mit dem sozialistischen Relief entdeckt hatte. Er fand Mitstreiter für die Idee und trat vor drei Jahren zum ersten Mal damit an die Stadtverwaltung heran. Mittlerweile hat der eigens gegründete Verein ein günstiges Mietverhältnis mit der Stadt. Doch mehr finanzielle Unterstützung gibt es nicht. Elektrik, Strom und Wasser anlegen lassen, Toiletten sanieren, streichen und verputzen: Bisher haben die Studenten alles selbst finanziert. Sogar eine Gastroküche haben sie angeschafft. Allein einen Bauantrag zu stellen, habe viel Geld gekostet. Alle Versuche, Fördergeld zu erhalten, seien gescheitert.

Geld für eine Heizung habe die Gruppe derzeit nicht, sagt Thomas. Wenn es kalt wird, hätte man schließen müssen, soviel war klar. Doch jemand hatte der Gruppe zwei Brandschutztüren geschenkt. Erst später habe sich herausgestellt, dass es die falschen waren, berichtet Thomas. Darum könne man nicht öffnen. Eine Tür allein würde rund 1000 Euro kosten, die die Studenten nicht aufbringen könnten. Anfangs seien sie einmal 14 Leute gewesen, sagt Thomas. Jetzt seien es nur noch fünf. "So einen langen Atem kann man nicht fordern", sagt er. Von der Stadtverwaltung zeigt er sich enttäuscht. Schließlich würden sie ein Gebäude, das die Stadt verwaisen lässt, reaktivieren. Anstelle wirklich unterstützt zu werden, "haben wir drei Jahre um einen Mietvertrag gekämpft", sagt er enttäuscht. Die Jugend wolle einfach vorstoßen und "was Neues machen". Doch das lasse man in Chemnitz nicht zu.

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