Schau erinnert an besondere Momente in Burgstädts Historie

Eine neue Ausstellung gibt einen Überlick über die Entwicklung eines Parks und vermittelt zugleich die Bedeutung eines Turms für die Stadt und deren Einwohner.

Burgstädt.

Anlässlich des 130- jährigen Bestehens des Taurasteinturms im Wettinhain, der im Volksmund auch Wettscher genannt wird, gibt es in Burgstädt eine Jubiläumsausstellung. Im Inneren des 39 Meter hohen Bauwerks wird bis Juli 2019 zu einer Zeitreise durch die Vergangenheit eingeladen. Postkarten, Fotos, Zeitungsausschnitte sowie Plakate, Bauunterlagen und Modelle wurden unter dem Motto "Ansichten, Einsichten, Aussichten" versammelt. Sie sollen den Bau und Werdegang des Taurasteinturms illustrieren sowie an die Entwicklung des Wettinhains erinnern.

Thematisch gespeist wird die Exkursion von den Sammelobjekten René Irmschers. "Als Einheimischer gilt allen Zeitdokumenten, die meiner Stadt gewidmet sind, die Aufmerksamkeit. Und da ich in Nachbarschaft zum Wettscher aufgewachsen bin, lag es nahe, eine öffentliche Präsentation zu organisieren", so der 44-Jährige. Im Sommer wie im Winter sei er in seiner Kindheit und Jugend mit Freunden im Gelände unterwegs gewesen, das zu DDR-Zeiten in Liebknecht-Hain umbenannt worden war. "Als Knirpse erlebten wir hier unsere Abenteuer und sahen, wie die Erwachsenen Entspannung suchten oder sich zu den Parkfesten vergnügten" , berichtet Irmscher. Damals habe man Verstecken gespielt, sei geklettert und mit dem Rad gefahren, blaue Flecken und Schürfwunden inklusive. "Halsbrecherisch war die Teufelsbahn genannte Schneepiste, auf der wir schlitterten", erinnert sich der 44-Jährige. Nicht nur der Einzelhandelskaufmann freut sich, dass der einst als grüne Lunge der Stadt konzipierte Park nach zwischenzeitlich vielen Jahren des Dornröschenschlafs wieder Schauplatz bürgerlichen Engagements ist.


"Mit der im Vorjahr gemeinsam mit dem Mitteldeutschen Rundfunk gestarteten Aktion eines Barfußpfades haben wir den Nerv der Einheimischen getroffen, etwas für ihren Wettscher zu tun", erläutert Bürgermeister Lars Naumann die Intentionen der Stadtverantwortlichen, ihren Turm im Blickfeld zu halten. So sei auch die jüngst gestartete Frühjahrsputzaktion erfolgreich organisiert worden. Zudem soll im Herbst zum Stadtfest der berühmte Sächsische Fürstenzug zu Füßen des Bauwerks aufziehen.

An die Idee, dem sächsischen Fürstenhaus die Referenz zu erweisen, erinnerte Wolfgang Scheffel. "Als der erste Turm errichtet wurde, lag dem der Vorschlag eines Juristen der Stadt zugrunde, den Wettinern in Burgstädt zum 800-jährigen Familienjubiläum ein Wahrzeichen zu setzen", sagt der Medizinier, der sich für Geschichtsforschung interessiert.

Für ihn war der Taurastein im vergangenen Winterhalbjahr Recherchegegenstand. Denn im Zuge der Wiederkehr des Tages der Einweihung, die am 17. Juni 1889 stattfand, wird der Chronist ein dem Wettscher gewidmetes Buch herausbringen. "Das erste von einem Fabrikanten finanzierte hölzerne Exemplar, 32 Meter hoch, stand bis 1912", erläutert Scheffel. Dann hatte der Zahn der Zeit daran genagt, berichtet der Mediziner weiter. Rund 70 Vorschläge seien daraufhin nach Dresden eingereicht worden, um einen Neubau zu realisieren. "Der wurde unter dem Aspekt eines technischen Objektes bewilligt", so Scheffel. Laut seiner Recherche bedurfte die sich ausweitende Stadt der Wasserversorgung. Und so wurde das 1913 in Betrieb genommene Exemplar auch als Feuerlöschturm mit 300 Kubikmeter Wasser fassender Zisterne konzipiert. Zugleich blieb es touristische Attraktion. Das berichteten zumindest zur Eröffnung einige Burgstädter. So mancher von ihnen hatte sich auch an einer zur Wiederbelebung gedachten Versteigerungsaktion im Jahr 2000 beteiligt. Bei dieser wurde Geld für die 163 bis zur Plattform führenden Treppenstufen eingesammelt, die heute von Schildern mit den Namen jener Sponsoren geziert werden.

Käthe Metzner hatte zum Schauauftakt das familieneigene Fotoalbum mitgebracht und erinnerte daran, dass einst das Turmkaffee in der ersten Etage eine gefragte Einkehrstätte war. Kein Heimatfest, in dem es die Einheimischen nicht an die Teiche zum Gondeln oder im Winter zum Schlittschuhlaufen zog. Zudem wurde an das Strandcafe und die 1500 Plätze bietende Freilichtbühne erinnert. Diese und andere Aspekte will auch die neue Schau beleuchten.

Der Taurasteinturm im Burgstädter Wettinhain hat täglich von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für die Erwachsenen 1 Euro und für Kinder 50 Cent.

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