Sohn eines Malers hütet Nachlass mit 2000 Gemälden

Eine neue Ausstellung ist in der Dorfgalerie Auerswalde zu sehen. Dort erzählt Stephan Gabler von einem bewegten Leben.

Auerswalde.

"Landschaften mit Herz und Seele", heißt die neue Ausstellung in der Dorfgalerie Auerswalde, die dem Chemnitzer Künstler Hermann Gabler (1913-1997) gewidmet ist. Zwei Dutzend Arbeiten aus dem insgesamt 2000 Werke zählenden Fundus seines Vaters hat Sohn Stephan Gabler mit den Vereinsfreunden um Arndt Unger und Johannes Hoyer für die bis 3. April zu sehende Exposition ausgewählt.

"Mein Vater galt als Förderer des bildnerischen Volksschaffens, es war immer sein Anliegen, dem einfachen Werktätigen Kunst zu erschließen und zugleich Talentierten den Weg zu ebnen und Begabte für ein Studium zu ertüchtigen", sagt Stephan Gabler. Im bildnerischen Schaffen habe die Landschaftsmalerei einen besonderen Stellenwert eingenommen. Der Vater habe nach dem Leitsatz gearbeitet: "Beim Malen muss das Herz mit auf der Palette liegen", sagt der 64-Jährige, der selbst nicht künstlerisch tätig ist.

Schicksalsreich war der Lebensweg des späteren Berufsschullehrers Hermann Gabler, dessen künstlerische Laufbahn von den Wirren des Zweiten Weltkriegs geprägt wurde. 1933 bestand er das Abitur. Danach absolvierte er die Fachschule für Textilindustrie Chemnitz und verdiente sich als Musterzeichner das Geld, um ab 1939 an der Kunstakademie in Dresden studieren zu können. "Doch statt im Hochschulatelier landete er im Schützengraben von Frankreich", erzählt der Sohn. 1949 wird er als Kriegsgefangener in Jugoslawien entlassen, arbeitet kurz als Kulissenbildner am Theater in Sarajevo. Zurückgekehrt, holt Gabler das Staatsexamen nach und wird Berufsschullehrer. Als Ausbilder von Dekorationsmalern an der Gewerblichen Berufsschule vermittelt er denen aber weit mehr als das handwerkliche Grundgerüst. Gabler wird später Leiter der Kulturakademie Karl-Marx-Stadt und Mitarbeiter des Bezirkskabinetts für Kulturarbeit. Von 1951 an ist er Mitglied im Verband bildender Künstler. Sein Name verbindet sich mit dem bekannten Mal- und Zeichenzirkel Roter Turm Karl-Marx-Stadt. Von 1967 bis 1975 ist er Leiter der Abendakademie der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Nachfolgende gesundheitliche Handicaps meisterte er mit eisernem Willen und unbändiger schöpferischer Arbeit, sagt der Sohn. Eine Tätigkeit als Leiter der Volkskunstschule Oederan, wo er Zirkelleiter für die Volkskunst qualifizierte, war eine abschließende berufliche Wirkungsstätte. Sein Sohn ist seit 2013, dem Jahr des 100. Geburtstages von Hermann Gabler, darum bemüht, das künstlerische Erbe des Vaters lebendig zu halten. Die Dorfgalerie bestreitet somit die 196. Ausstellung der Vereinsgeschichte.

Die Ausstellung in der Dorfgalerie Auerswalde, Am Erlbach 4, ist mit Absprache (Telefon: 037208 83944) zu besichtigen. Die Vernissage am Dienstag beginnt 19.30 Uhr.


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