Sorge um historischen Brunnen auf dem Klinik-Gelände

Ein Chemnitzer hat das abgebaute Wasserspiel auf der Großbaustelle an der Flemmingstraße entdeckt und fürchtet, dass es ganz verschwindet. Doch der Besitzer macht Hoffnung.

Seitdem es in Chemnitz eine Diskussion um den Klapperbrunnen am Busbahnhof gegeben hat, der nun saniert und wieder aufgestellt werden soll, hat Jens-Uwe Köhler Wasserspiele und Brunnen für sich entdeckt. Er sei schon immer heimatverbunden gewesen und habe sich mit der Geschichte von Chemnitz befasst, sagt der 1964 in Karl-Marx-Stadt geborene Mann. Die Stadt gehe mit ihren Brunnen zu lax um. Auf der einen Seite werde über einen neuen Brunnen auf dem Marktplatz gesprochen, andererseits "haben wir so viele Brunnen, die nicht funktionieren", sagt Köhler. Die Einwohner frustriere dieser Umgang. "Und Frustration kann sich Chemnitz im Moment nicht leisten", sagt er.

Ein Brunnen, der es ihm aktuell besonders angetan hat, ist der auf dem Gelände des Klinikums an der Flemmingstraße vor der Augenklinik. Er wurde 1973 von Horst Esther-Hartmann und dem Karl-Marx-Städter "Atelier für Gestaltung" erschaffen. Er sei prägend für das Klinikum, sagt Köhler, Generationen von Patienten würden ihn kennen. "Mit solchen Dingen sollte man sensibel umgehen." Nun befindet sich dort, wo der Brunnen stand, eine Baustelle. Das Klinikum errichtet ein neues Gebäude. Der Brunnen liegt in Einzelteilen auf dem Gelände. "Wenn er dort so zwei Jahre liegt, ist er im Eimer", fürchtet Köhler.


Das Besondere an diesem Brunnen sei, dass er so konzipiert wurde, dass Kinder nicht darin ertrinken können. So könnten sich die Kinder unter das Wasser stellen, das über die Schalen plätschert. Auch in die Schalen könne man zwar klettern. Diese seien aber niedrig und würden sich immer wieder leeren. Köhler hat auf Facebook eine Reihe von Fotos des Brunnens veröffentlicht und Stadträte angesprochen, die sich ebenfalls für den Erhalt des Brunnens einsetzen wollen.

"Freie Presse" hat beim Klinikum, das Besitzer des Brunnens ist, nachgefragt, wie es mit dem Kunstwerk weitergehen soll. Ein Sprecher sagte, man habe über Wochen versucht, den Brunnen an andere Interessenten, zum Beispiel das Grünflächenamt, abzugeben, doch das sei ohne Erfolg geblieben. Auch dem Künstler habe man sein Werk angeboten - vergeblich. Nun sei geplant, einen neuen Standort für den Brunnen auf dem Gelände des Klinikums zu finden, sei es an der Flemmingstraße 2, 4 oder im Küchwald, so der Sprecher. Man wolle eine respektvolle Nachfolge finden. Dafür werde der Brunnen dann auch gereinigt und ertüchtigt. Ihn im Freien zu lagern, sei im übrigen kein Problem. "Er ist völlig witterungsunempfindlich und damit sicher untergebracht", so der Sprecher.

Über die Aussicht, der Brunnen werde wieder aufgestellt, freut sich Köhler. Er werde das Klinikum zu gegebener Zeit daran erinnern.

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1Kommentare
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  • 5
    0
    Kastenfrosch
    09.07.2019

    "Ihn im Freien zu lagern, sei im übrigen kein Problem. "Er ist völlig witterungsunempfindlich und damit sicher untergebracht", so der Sprecher."

    Die Witterung mag kein Problem darstellen. Es sind jedoch schon andere, weniger gut zugängliche Brunnen (und generell Metallobjekte) in dieser Stadt abhanden gekommen. Oder hofft man gar darauf, nachdem die Suche nach einem Interessenten erfolglos blieb? Ein unwürdiger Umgang mit einem Stück Chemnitzer Kulturgut!

    Danke Herr Köhler, dass Sie hierauf aufmerksam machen.



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