Stadtgeflüster : Ein Astronaut landet in Chemnitz

Wo Ulf Merbold virtuell abhob, wohin Peter Seifert kürzlich reiste und was David Garrett überreicht bekam.

Florian Müller, Absolvent der Technischen Uni Chemnitz, bekam das Lob von einem echten Aufsteiger: Ulf Merbold, nach Sigmund Jähn zweiter Deutscher, der ins All flog, zeigte seine Anerkennung. Beim Tag der Industrie und Wissenschaft überreichte der Astronaut dem Chemnitzer Forscher eine Urkunde für dessen mit Summa cum laude bewertete Dissertation zum Thema: "Assistierende virtuelle Kraftfelder bei handgeführten Robotern". Den mit 5000 Euro dotierten Richard-Hartmann-Preis, benannt nach dem einstigen Chemnitzer Lokomotiven-König, konnte Florian Müller zunächst entgegennehmen und sich dann zurücklehnen und dem Festvortrag des Weltallforschers lauschen.

Ulf Merbold, zweiter Deutscher, der ins Weltall fliegen konnte, plauderte dabei entspannt über die Wissenschaft im All. Als einziger Deutscher war er sogar dreimal "oben" und hatte dort insgesamt 70 Experimente durchgeführt. Nun berichtete er mehr als 130 Unternehmern und Forschern beim Tag der Industrie und Wissenschaft, darunter TU-Professorin Ulrike Thomas, Staatssekretär Uwe Gaul, Industrievereins-Ehrenpräsident Reinhard Erfurth und Wirtschaftsförderer Sören Uhle, von seinen Erlebnissen im Orbit. Die Damen und Herren lauschten gespannt. Genauso wie es vorher die Kinder gemacht hatten. Denn Merbold ließ sich nicht nur in der Chemnitzer Industrieszene blicken. Am Nachmittag war er zum Kurzbesuch im Küchwald gelandet. Dort befindet sich das Kosmonautenzentrum und dort wartete gespannt das junge Stammpersonal, um einen seiner Helden zu treffen. Lange bitten ließ sich Ulf Merbold nicht und stieg schnurstracks ins Cockpit des Raumschiffs ein. Darin ließ sich der All-Erfahrene von den Kindern in den virtuellen Kosmos entführen.


Peter Seifert, langjähriger Oberbürgermeister der Stadt, stand dieser Tage gleich zweimal im Fokus. Bei der Sportpreisverleihung "Chemmy" flimmerten in einem Einspieler Filmsequenzen von vor fast 20 Jahren über die Leinwand. Damals gratulierte er als Stadtoberhaupt dem Eislaufpaar Mandy Wötzel und Ingo Steuer. "Der hat sich ja gar nicht verändert", schmeichelte danach Gala-Moderator René Kindermann, obwohl der Alt-OB längst nicht mehr so dunkelhaarig wie auf den Aufnahmen war. Zuvor hatte Seifert dann noch sein ganz eigenes "20 Jahre her"-Erlebnis. Denn vor ziemlich genau zwei Jahrzehnten unterstützte er das Entstehen einer Partnerschaft zwischen dem Chemnitzer Stadtteil Rabenstein und der gleichnamigen österreichischen Gemeinde im Pielachtal. Das liegt ganz in der Nähe des bekannten Pilgerortes Mariazell. Und dorthin fuhr Peter Seifert jetzt gemeinsam mit Gottfried Reuther, dem Vorsitzenden der Unabhängigen Bürgerinitiative des Chemnitzer Stadtteils Rabenstein. Obwohl der ehemalige Stadtchef Seifert eingeschworener Erfenschlager ist, fühlte er sich zwischen den Rabensteinern richtig wohl. Was vor allem an der Umgebung lag. "Wer mich kennt weiß, dass ich gerne wandere und die Berge genieße", sagte Seifert nach seiner Rückkehr. "Und das ist in Österreich natürlich wunderbar möglich." Nur ein bisschen kalt war es, als die Chemnitzer Delegation nach Ostern im Pielachtal aufschlug, um für die gemeinsame Städtepartnerschaft zu werben. "Auf den weiter oben gelegenen Wanderwegen war noch mal richtig Schnee gefallen", so Seifert.

David Garrett, Geiger und Crossover-Musiker, startete am vergangenen Wochenende nicht nur seine aktuelle Tournee in der Chemnitzer Messehalle. Dort bekam er auch das bestimmt ungewöhnlichste Gastgeschenk seiner Tour überreicht. Ralf Schulze, Chef der Chemnitzer C3-Veranstaltungsbetriebe, schleppte für den Musiker einen riesigen Propeller an. Das einen Meter lange Teil überreichte er dann mit einem Lachen. Und Garrett stemmte den wahrscheinlich unhandlichsten Preis des Landes tapfer in die Höhe. Der Musiker hörte sich gespannt die Geschichte zu der ungewöhnlichen Trophäe an. "Das ist ein Propellerblatt, welches die Technik symbolisieren soll, die historisch hier in der Messehalle angefertigt wurde", erklärte Ralf Schulze dem Geiger und dessen Produktionsteam. Garrett teilte das Foto von der Propeller-übergabe auf seinen Fanseiten im sozialen Netzwerk und erntete dafür staunende und Beifall-Kommentare aus aller Welt.

Bernd Weise (Foto), Galerist, ließ am Donnerstag schon mal vorab einen besonderen Gast in seine erst tags darauf eröffnete Ausstellung mit Arbeiten der Burg-Giebichenstein-Künstler Henri Deparade und Steffi Deparade-Becker gucken: Chemnitz' bekannteste Kunstlady Ingrid Mössinger weilt derzeit mal wieder in der Stadt und schaute unangekündigt bei der Bilderhängung in Weises Kunsthaus hinein. "Das war eine wunderbare Überraschung", schwärmte er. Beim Privatbesuch plauderte die frühere Direktorin der Kunstsammlungen auch mit den zufällig gerade anwesenden Galeriekünstlern Lydia Thomas und Andreas Lochter.

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