Staub und Schimmel - Orgel der Stadtkirche muss saniert werden

Das mehr als 100 Jahre alte Instrument in Burgstädt hat unter Trockenheit und Bauarbeiten gelitten. Jetzt ist eine Reparatur geplant - aber eine wichtige Voraussetzung fehlt noch.

Burgstädt.

Die Orgel gilt als Königin der Instrumente und ist aus einer Kirche nicht wegzudenken. In der Stadtkirche in Burgstädt wurde die erste Orgel 1696 eingebaut. 1847 erneuert man einen Teil. Seit 1904 besitzen die Burgstädter eine Orgel der Firma Sauer aus Frankfurt/Oder. Im kommenden Jahr will die Kirchgemeinde das Instrument sanieren lassen. Kantor Benjamin Müller geht von einer Investition von rund 120.000 Euro aus. "Wenn wir im Sommer mit den Arbeiten beginnen, kann die Orgel bis zum Weihnachtsfest 2020 wieder in Dienst genommen werden", sagt er.

Dann solle das Instrument wieder zeigen, was in ihm stecke. Aktuell weise es gravierende Mängel auf, berichtet der Kantor. Beim Einsatz im Gottesdienst scheine alles noch in Ordnung zu sein. Doch bei Konzerten werde es zunehmend schwieriger. Einige Pfeifen klingen verstimmt, sagt Müller. "Fachleute sehen Staub und Schimmelpilze als Ursache an", erläutert er. "Manchmal geht der Orgel einfach die Luft aus." Wenn der Organist beispielsweise zum Finale eines Stücks alle Register ziehe, könne es passieren, dass nach wenigen Sekunden kein Ton mehr entstehe, schildert der Kirchenmusiker. Es gehe Luft verloren, welche vom Balg zu den Windladen, auf denen die Orgelpfeifen stehen, geleitet werden müsste. Um ein jähes und unschönes Ende des Spiels zu verhindern, ist Müller während der Darbietung von Gastmusikern schon einige Male zu dem Instrument gerannt, um hilfsweise per Hand die Luftversorgung aufrechtzuerhalten.

Konzertbesucher erlebten jedoch trotzdem schon Schlussakkorde, bei denen die Töne absackten und tiefer klangen als erwartet, berichtet er. Es werde auch für Laien immer deutlicher, dass wichtige Details des mehr als 100 Jahre alten Instruments, die Einfluss auf die Klangentfaltung haben, nicht mehr stimmen. Nach Einschätzung von Sachverständigen sei es an der Zeit für eine gründliche Reinigung, überdies müssten mehrere Teile restauriert und repariert werden, so Müller.

Die Orgel der Stadtkirche ist nach seinen Angaben zuletzt 1994 generalüberholt worden. Inzwischen habe sich Staub abgelagert, ein Teil davon vermutlich während der Bauarbeiten im Jahr 2016, obwohl die Orgel da abgedeckt worden sei. Die Ursache für Schimmel, der an einzelnen Stellen festgestellt wurde, soll noch vor der Sanierung herausgefunden und beseitigt werden. Dazu sollen Luftfeuchtigkeitsmessgeräte aufgestellt werden. Neben den Reinigungs- und Reparaturarbeiten, unter anderem am Balg, sind laut Müller die Sanierung des Spieltisches, der Elektrik und einzelner Register, die nicht mehr im Original erhalten sind, vorgesehen. Nach den technischen Arbeiten müsse das Instrument neu gestimmt werden.

Ziel der Sanierung sei es, dass die Orgel so klingen soll wie zu Zeiten ihres Erbauers. "Uns ist es wichtig, dass der Intonateur nach Sauerschem Vorbild arbeitet", sagt Müller. Der Instrumentenbauer müsse Klangfarbe und Lautstärke genau miteinander abstimmen. Typisch für ein solches Instrument sei eine romantische Intonation, die die Töne warm und vielschichtig klingen lasse. Außerdem sollen der Raum, in dem die Orgelpfeifen stehen, und der des Spieltisches einen neuen Farbanstrich erhalten.

Ob das Vorhaben wie geplant realisiert werden kann, hängt vor allem am Geld. 50 Prozent der Summe erwartet Müller aus Mitteln des Freistaates für Denkmalschutz. Die andere Hälfte muss die Burgstädter Kirchgemeinde zusammenbringen. Es gebe Rücklagen für den Erhalt etwa von Gebäuden, Glocken und Orgel, ergänzt Müller. Hinzu komme Geld aus einer Spendensammlung, die schon vor rund einem Jahr begonnen hat. "Etlichen Burgstädtern ist das Instrument wichtig", so der Kantor. Etwa 35.000 Euro erwartet er aus diesen Quellen. Außerdem sollen die Landeskirche und die Stadt Burgstädt um Zuschüsse gebeten werden.

Bürgermeister Lars Naumann (Freie Wähler) ist bereits informiert. "Der Zeitpunkt ist günstig", sagt er. Wenn die Kirchgemeinde kurzfristig ein schlüssiges Gesamtkonzept zur Finanzierung des Projektes vorlegen könne, halte er eine Beteiligung der Stadt für wahrscheinlich. Der Stadtrat werde über das Budget zur Förderung von Vereinen und anderen gemeinnützigen und wohltätigen Zwecken in der Haushaltsdebatte entscheiden. Er erwarte, dass die Räte dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüberstehen und Geld dafür im Haushalt für das kommende Jahr einplanen.

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