Streiter für Demokratie jenseits von Demos und Krawall

Von Lichterwegen bis zu farbenfrohen Botschaften im Stadtbild: Die Initiative "Die Buntmacher" hat seit ihrer Gründung vor einem Jahr so manches Achtungszeichen gesetzt. Nun gab es dafür den Chemnitzer Bürgerpreis.

Es war im Herbst 2018, die Ereignisse rund um die von Ausschreitungen begleiteten Demonstrationen hatten viele Chemnitzer aufgerüttelt. Alte und neue Initiativen formierten sich, es wurde debattiert und vernetzt, getrieben vom Wunsch, irgendetwas zu tun für das Miteinander in dieser Stadt. Bei einer dieser Runden fand sich eine stattliche Anzahl von Chemnitzern, die weg wollte von den ewigen Demonstrationen und Konfrontationen, hin zu einem Dialog, der Gräben und Spaltung überwinden hilft, und dabei vielleicht auch jenen wieder Gehör verschafft, die sich ungehört fühlen. "Der Name BuntmacherInnen kam erst viel später", erinnert sich Anett Linke, eine der Mitbegründer.

Von den einst recht zahlreichen Mitstreitern ist heute ein harter Kern von kaum einem Dutzend Aktiven übrig geblieben. Der allerdings ist umso umtriebiger unterwegs, als "Menschen der Vielfalt und des Dialogs". Für ihr Engagement wurden die Buntmacher am Dienstagabend mit dem ersten Preis des Bürgerpreises ausgezeichnet, der alljährlich von der Bürgerstiftung für Chemnitz verliehen wird. Als zivilgesellschaftliche Initiative setze sich die Gruppe für die Belebung des Dialogs, ein friedliches Miteinander und den Schutz der demokratischen Grundwerte in der Stadt ein, hieß es zur Begründung. Mit vielfältigen Aktionen und Projekten beförderten ihre Mitglieder - Chemnitzer zwischen Mitte 20 und Anfang 50, vom Metallfacharbeiter über Studenten bis zum Juristen - den offenen und zugewandten Austausch zwischen den Generationen.

Wie das konkret aussieht? Zum 80. Jahrestag der judenfeindlichen Pogrome von 1938 organisierten die Buntmacher im vergangenen November einen "Lichterwege" genannten Zug von der Synagoge zum Park der Opfer des Faschismus, unterbrochen gelegentlich von etwas Kunst in leisen Tönen, vorbei an diversen mit dem NS-Terror verbundenen Orten. Hunderte Menschen machten mit, ganz ohne Transparente und Parolen, nur mit Kerzen und Lichtern in der Hand.

Anlässlich des ersten Jahrestags der tödlichen Messerattacke auf einen Chemnitzer am Rande des Stadtfestes 2018 bildeten sie am Johannisplatz ein riesiges Friedenssymbol aus Laternen. Zuvor hatten die Buntmacher wiederholt zu verschiedenen Anlässen auf den Wegen der Stadt mit farbiger Kreide für die Werte geworben, die ihnen wichtig sind: Menschlichkeit, Respekt und Toleranz vor allem.

Einer der Schwerpunkte der Initiative in diesem Jahr war ein "Wahlkampf für Demokratie" vor der Kommunal- und Europawahl im Frühjahr und der Landtagswahl im Herbst - jeweils mit Plakaten und Haustürbesuchen, Diskussionsrunden und Filmabenden. Das blieb anscheinend nicht ohne Wirkung. "Dort, wo wir unterwegs waren, lag die Wahlbeteiligung jeweils ein, zwei Prozentpunkte über dem Schnitt", bilanziert Anett Linke.

Im kommenden Jahr wollen die Buntmacher ihren Fokus stärker auf die Themen Kunst und Stadtgestaltung richten. Auch das Minifestival "Beverly Bernsdorf" soll es wieder geben, in jenem Stadtteil, der zum Schwerpunkt ihrer Aktionen wurde. In fünf Wochen, zum 9. November, ist zudem eine Neuauflage der Lichterwege geplant. Diesmal, so Anett Linke, mit einem zusätzlichen Aspekt: 30 Jahre friedliche Revolution. Neue Mitstreiter, so Linke, seien willkommen.

Die Buntmacher im Netz - unter anderem bei Facebook, Twitter und Instagram.


Der Bürgerpreis 2019 und seine Preisträger

Der Bürgerpreis der Bürgerstiftung für Chemnitz stand dieses Jahr unter dem Motto "Zusammenhalt - Miteinander - demokratisches Engagement". Er wurde anlässlich des Tags der Stiftungen verliehen. 19 Projekte und Initiativen hatten sich beworben oder waren vorgeschlagen worden. Das Spektrum reichte vom Sportverein über einen Seniorenfilmklub bis zum Heimatverein.

Mit dem 2. Preis ausgezeichnet wurden die Organisatoren der diesjährigen Parade zum Christopher Street Day in Chemnitz. Mit seinen Partnern habe der CSD-Verein erneut eine vielfältige Aktionswoche mit Veranstaltungen von Filmvorführung über Vernetzungstreffen und Partys bis Vorträgen angeboten, so die Jury.

Der Freundeskreis Chemnitz 2025 erhielt den 3. Preis. Vor zwei Jahren gegründet, um den Prozess der Bewerbung als Kulturhauptstadt zu begleiten, stellten die Mitglieder in diesem Jahr unter anderem Fahrradtouren mit Live-Musik und die Reihe "picnic: 2025" auf die Beine. ( fp)

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