Talsperre Einsiedel ist leer: Reicht das Trinkwasser?

Stausee im Chemnitzer Süden wegen Sanierungsarbeiten abgelassen - Verband verkauft 30 Prozent mehr Wasser als sonst

Teile Ostdeutschlands erleben derzeit eine der längsten Trockenperioden seit Beginn der regelmäßigen Messungen vor 55 Jahren. Während die Stadt Chemnitz bislang nur ein Verbot erlassen hat, Wasser aus Flüssen zu pumpen, wurde in mehreren Kommunen im Südharz sogar das Trinkwasser beschränkt. Dort ist es bis auf Weiteres verboten, Gärten und Sportplätze zu bewässern, Autos zu waschen oder Pools zu befüllen.

Droht derartiges auch in Chemnitz? Wer dieser Tage an der Talsperre Einsiedel vorbeikommt, könnte auf diesen Gedanken kommen, denn der Stausee im Chemnitzer Süden ist vollkommen leer. Die Ursache dafür ist jedoch nicht das Wetter. Vielmehr wird die Talsperre derzeit von Ablagerungen befreit, damit im Laufe des Jahres Sanierungsarbeiten beginnen können. Deshalb musste sie vor mehreren Wochen abgelassen werden.

Was die Trinkwasserversorgung angeht, so gibt der zuständige Energieversorger Eins Entwarnung: Diese sei jederzeit gesichert. Das Wasser, das durch die Chemnitzer Rohre fließt, stammt aus dem Verbundsystem Mittleres Erzgebirge, das neben der Talsperre Einsiedel auch die Talsperren Neunzehnhain I und II sowie Saidenbach umfasst. Sie sind über Stollen und Rohre miteinander verbunden. "So kann sichergestellt werden, dass auch bei längeren Trockenperioden ausreichend Rohwasser für die Trinkwasserversorgung vorhanden ist", erklärt Britta Andreas von der Landestalsperrenverwaltung. Zwar seien die Zuflüsse aufgrund der Trockenheit stark zurückgegangen. Doch die Stauseen selbst sind noch gut gefüllt - Saidenbach als Hauptspeicher des Verbundsystems zu 88Prozent, die Talsperren Neunzehnhain zu je rund 96 Prozent. Den Großteil des Trinkwassers erhalte Chemnitz aus einer anderen Talsperre, nämlich der in Eibenstock, die zu 90 Prozent gefüllt ist.

Mit dem Wasser aus den Talsperren beliefert der Zweckverband Fernwasser Südsachsen neben Eins noch sieben weitere Versorger in der Region. Derzeit wird nach Angaben des Verbands 30 Prozent mehr Wasser abgenommen als im Durchschnitt. In den trockenen Sommermonaten der vergangenen Jahre sei dies jedoch ähnlich gewesen. In Chemnitz selbst ist laut Eins-Sprecher Christian Stelzmann alles wie immer: "Der Trinkwasserverbrauch bewegt sich auch in den Sommermonaten auf konstantem Niveau. Hintergrund ist zum Beispiel, dass in der Urlaubszeit einige Einwohner nicht zuhause sind und damit kein Wasser verbrauchen." (lkb)


Deshalb gibt's kein Wasser

Die Talsperre Einsiedel wird von Sedimenten, also Ablagerungen wie Sand und Erde, beräumt. Dafür musste Ende Mai das Wasser vollständig abgelassen werden. Nach Angaben der Landestalsperrenverwaltung soll die Beräumung im Herbst beendet sein, danach werden die technischen Anlagen an der Staumauer instand gesetzt. Voraussichtlich noch in diesem Jahr soll die Talsperre dann wieder angestaut werden. Die Talsperrenverwaltung warnt davor, die Uferbereiche und den leeren Stauraum zu betreten, da Gefahr bestehe, in den Ablagerungen zu versinken. (lkb)

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1Kommentare
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  • 8
    0
    aussaugerges
    25.07.2018

    Durch das weitsichtige Handeln zu DDR Zeiten wurden alle großen Talsperren mit Stollen verbunden.
    Vom VEB Schachtbau Nordhausen eine Weltbestlestung.



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