Trotz neuer Kindergärten: Kita-Plätze bleiben Sorgenkind

Dieses Jahr werden drei Tagesstätten mit 300 Plätzen errichtet. Weil die Stadt selbst kein Geld hat, bauen und betreiben freie Träger die Häuser. Auch ein Neuling gehört dazu.

Die 139 Kindergärten in der Stadt sind nahezu ausgebucht. Es gibt Wartelisten. Wunschtermin und Wunschkita können häufig nicht mehr gewährleistet werden. Deshalb hatte die Stadt voriges Jahr entschieden, dort, wo der höchste Bedarf besteht, neue Kindergärten errichten zu lassen. Bis 30.September konnten sich freie Träger darum bewerben. Am 9.März soll der Stadtrat entscheiden, wer die Zuschläge erhält. Die Gesamtkosten der drei Neubauten mit insgesamt 300 Krippen- und Kindergartenplätzen werden mit sieben Millionen Euro angegeben, wovon zwei Drittel als Fördermittel fließen sollen.

Nach Vorschlag der Verwaltung wird die gemeinnützige Heim-Gesellschaft in Altendorf einen Kindergarten an der Straße Am Heim errichten. Das Unternehmen, eine Tochter der Stadt, ist vor allem in Seniorenpflege und Behindertenhilfe etabliert, betreibt aber auch ein Förderzentrum für Kinder sowie eine Einrichtung für minderjährige Flüchtlinge. Außerdem beschäftigt die Gesellschaft Tagesmütter für die Betreuung von Kleinkindern. Für den Kindergarten-Neubau investiert das Unternehmen drei Millionen Euro, geht aus den Informationen an die Stadträte hervor.

In Kooperation entsteht der zweite Neubau: Die Stadtmission, die bereits zwei Kitas betreibt, und die Johannes-Kirchgemeinde wollen auf dem Grundstück in Reichenbrand an der Hohensteiner Straße/Ecke Heinrich-Bretschneider-Straße eine Tagesstätte errichten. Der jetzige Kindergarten der Gemeinde mit 28Plätzen platzt aus allen Nähten, sagt Karla McCabe, Geschäftsführerin der Stadtmission. Die von der Rathaus-Verwaltung vorgegebene Zeitschiene nennt sie "sehr, sehr sportlich". Sozialbürgermeister Philipp Rochold geht davon aus, dass alle drei Kindergärten im Januar 2017 in Betrieb gehen, wie er gestern betonte. McCabe: "Ich würde sagen, wir bauen so schnell wie möglich."

Als unrealistisch bezeichnet Anja Schönherr den Termin. Die Geschäftsführerin des Studentenwerkes Chemnitz-Zwickau geht davon aus, dass dessen Kindergarten-Neubau im Sommer 2017 fertig wird, weil erst nach der Stadtrats-Vergabe mit der Planung begonnen werden könne. Für das Studentenwerk ist es die erste Kindereinrichtung, die es betreiben wird. Sie soll an der Reichenhainer Straße 35/37, hinter dem Wohnheim, entstehen. Die Campus-Kita sei insbesondere für Kinder von Studentinnen und TU-Mitarbeiterinnen gedacht. Deshalb sollen die Öffnungszeiten an den Hochschul-Alltag angepasst werden, so Schönherr. Das heißt, auch am Abend können die Kinder noch betreut werden. Der Bedarf an einer Kita auf dem Campus in Bernsdorf sei groß, sagt Schönherr. Das Studentenwerk habe schon längere Zeit Interesse daran. Erst mit der Ausschreibung bestand die Möglichkeit.

2015 hatte die Verwaltung festgestellt, dass nach den gestiegenen Geburtenzahlen die 10.200 Kita-Plätze in der Stadt nicht mehr ausreichen. Auf die Frage, weshalb die Kommune nicht selbst baut und betreibt, erklärt Rochold: "Die Stadt hat dafür derzeit kein Geld. Außerdem haben die freien Träger großes Interesse und sind auch in der Umsetzung schneller." In der jüngsten Prognose nicht berücksichtigt, ist die steigende Anzahl an Flüchtlingskindern, räumte Rochold gestern ein. Deshalb wird der sogenannte Bedarfsplan, der normalerweise alle drei Jahre neu geschrieben wird, früher überarbeitet. Bereits jetzt suche die Stadt nach Gebäuden, die als Kindertagesstätte genutzt werden könnten. Auch weitere Tagesmütter sollen beschäftigt werden.

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