US-Amerikaner auf der Jagd nach Brücken-Geschichten

In seiner Freizeit dokumentiert ein Englischlehrer die Arbeiten an besonderen Bauwerken in Westsachsen.

Zwickau/Hohenstein-E..

Obwohl sich Jason Smith selbst als Brückenjäger bezeichnet, hat seine Leidenschaft nichts mit dem Erlegen von "Beute" zu tun. Der US-Amerikaner will mit seinen Bildern und Berichten dazu beitragen, historische Brücken für die Nachwelt zu erhalten.

Seit 2010 betreibt der Familienvater die englischsprachige Webseite "The Bridge Hunter's Chronicles" (zu Deutsch: Die Chroniken des Brückenjägers). In seiner Freizeit ist der Englischlehrer, der in Jena lebt und an der Polizeifachschule in Schneeberg unterrichtet, regelmäßig in Deutschland unterwegs, um Brücken zu fotografieren und zu erforschen. "Zum einen interessiert mich, wann und wie eine Brücke gebaut wurde, besonders der Zusammenhang zur lokalen Geschichte", erklärt der 42-Jährige. Zum anderen beschäftigt er sich mit den verschiedenen Bauarten und dem Erhalt historischer Brücken.


Zum "Jagdrevier" von Smith gehören auch Brücken in Zwickau und Glauchau. "Als ich 2016 in Hohenstein-Ernstthal gearbeitet habe, habe ich die historischen Brücken in Glauchau entdeckt und für meine Webseite fotografiert. Danach war ich in Zwickau unterwegs." Aus dem Bildmaterial und seinen Recherchen erstellte er vor knapp drei Jahren zwei Brückenführer für seine Seite.

Seither hat sich in der Region viel getan. Die Sanierungsarbeiten am Zwickauer Röhrensteg nähern sich dem Ende, die marode Glauchauer Hirschgrundbrücke wurde zu großen Teilen abgerissen und wird derzeit originalgetreu wieder aufgebaut. Solche Vorhaben verfolgt der Brückenjäger mit großer Spannung. Nachdem der Röhrensteg Ende 2018 wieder freigegeben war, hielt Smith den Stand der Arbeiten an der Brücke im Januar auf Video fest. Auf seiner Webseite dokumentiert er in bewegten Bildern, in welchem Zustand sich der Röhrensteg bei seinem ersten Besuch 2016 befand und was sich getan hat.

Auch die Hirschgrundbrücke in Glauchau behält der 42-Jährige weiter im Blick. Die Fotos von 2016 zeigen auf seiner Webseite eine marode Brücke, die kaum noch als verbindendes Bauwerk taugt. Auf dem Foto-Netzwerk "Instagram" zeigt Smith Foto- und Videomaterial der Baustelle, zuletzt dokumentierte er den Wiederaufbau im November.

Für Smith liegt in solch aufwendigen Projekten zum Erhalt historischer Brücken der Unterschied zu seiner US-amerikanischen Heimat. "In Deutschland ist der Denkmalschutz viel strenger geregelt. In den USA besteht die Gefahr, dass eine Brücke abgerissen wird, obwohl sie als Denkmal eingestuft ist", so der 42-Jährige. Doch auch in Deutschland kann es passieren, dass eine historische Brücke für immer verschwindet. Das musste der Brückenjäger vor Kurzem erfahren. So gehörte der US-Amerikaner zu jenen Bürgern im Erzgebirge, die sich für den Erhalt der alten Rechenhausbrücke bei Bockau einsetzten - vergeblich. Den Abriss hielt Smith dann auch in Bildern fest.

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