Warum das Verbrennen von Gartenabfällen verboten ist

Landkreis sieht ausreichend Entsorgungsmöglichkeiten - Brauchtumsfeuer bilden Ausnahme

Burgstädt.

36 Kilogramm Grünschnitt pro Einwohner fallen im Jahr in Mittelsachsen an, wie zuletzt 2017 vom kreiseigenen Abfallentsorger EKM erfasst wurde. Dass der nicht verbrannt werden darf, gilt in Sachsen seit März. Was das für Mittelsachsen bedeutet, fasst die "Freie Presse" zusammen.

Was zählt zu Grünschnitt?


Das sind biologisch abbaubare pflanzliche Abfälle, die im heimischen Garten anfallen, zum Beispiel Laub, Gras-, Baum- und Strauchschnitt. "Alles, was grün ist oder es mal war", so fasst es Holger Sedlmeier vom Wertstoffhof Oederan zusammen. Holz, Wurzeln, Erde und Obst sollten nicht in der Grünschnittsammlung, sondern separat entsorgt oder kompostiert werden.

Wie war die Regelung bisher?

Seit 1994 hat die sächsische Pflanzenabfallverordnung den Umgang mit Pflanzenabfällen geregelt. Demnach durften sie an Werktagen im April und Oktober ausnahmsweise verbrannt werden, wenn eine Kompostierung oder Entsorgung unzumutbar oder nicht möglich war.

Was wurde geändert?

Mit Inkrafttreten des Sächsischen Kreislaufwirtschafts- und Bodenschutzgesetzes am 22. März 2019 ist die Pflanzenabfallverordnung außer Kraft gesetzt worden. "Damit ist das Verbrennen pflanzlicher Abfälle grundsätzlich verboten", teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit.

Warum wurde es verboten?

"Durch das Verbrennen kommt es zu erheblichen Umweltbeeinträchtigungen infolge der Freisetzung von Rauch, klimaschädlichen Gasen und Feinstaub", erklärt Pressereferentin Cornelia Kluge vom Landratsamt. Seit 2015 seien Bioabfälle getrennt zu sammeln. Bereits mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz von 2012 sei die Nutzung als Rohstoffquelle in den Fokus gerückt, fügt die Sprecherin hinzu.

Was ändert sich für die Einwohner in Mittelsachsen?

Im Grunde nichts. Denn im Landkreis ist es bereits seit 2018 verboten, Gartenabfälle zu verbrennen, weil die anderweitige Entsorgung in Mittelsachsen möglich und zumutbar sei. Verwertungsanlagen seien ausreichend vorhanden.

Halten sich alle daran?

2018 hatten sich viele Bürger beim Landratsamt über Feuer beschwert. Ergebnis: 14 Ordnungswidrigkeitsverfahren. 2019 sind acht Beschwerden eingegangen, sieben Verfahren wurden eingeleitet, erläutert Sprecherin Kluge.

Was passiert bei Verstößen?

Diese können laut Landratsamt als Ordnungswidrigkeiten geahndet werden. In der Vergangenheit seien Bußgelder zwischen 50 und 400 Euro festgesetzt worden.

Wo kann der Grünschnitt abgegeben werden?

Alle zehn Wertstoffhöfe der Entsorgungsdienste Kreis Mittelsachsen (EKM), eines Tochterunternehmens des Landkreises, nehmen Pflanzenabfälle an, darunter der Wertstoffhof im Gewerbegebiet in Falkenau. Alternativ bieten viele private Entsorgungsdienste die Abnahme an, darunter die FKG Entsorgung in Oberschöna, die laut Mitarbeiterin Angela Butter täglich Anfragen erreichen. Die Firma liefert auf Anfrage Container für pflanzliche Abfälle. In Säcken oder mit dem Hänger kann Grünschnitt das ganze Jahr auf dem Wertstoffhof Oederan zwischen Freiberger und Lessingstraße abgegeben werden.

Warum kostet das etwas?

Weil der Landkreis vom Freistaat dazu verpflichtet wurde, Gebühren für die Leistung zu nehmen, erklärt Thomas Granz, Abteilungsleiter Abfallwirtschaft der EKM. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz schreibt die Erhebung vor. Viele Abfallarten seien mit der Festgebühr für Container abgedeckt. Beim Grünschnitt ist das nicht so - etwa um nur die zu belasten, bei denen diese Abfälle anfallen. Granz sagt: "Es ist besser, die pflanzlichen Abfälle abzugeben, damit sie - weiterverarbeitet zu Kompost oder Dünger - wieder in den Nährstoffkreislauf einfließen können."

Wie viel kostet das?

Auf den Wertstoffhöfen der EKM werden 9,50 Euro pro Kubikmeter fällig. Weihnachtsbäume, die bis Ende der zweiten Februarwoche abgegeben werden, sind kostenfrei. Der Preis für einen Grünschnitt-Container der FGK bemisst sich nach der Entfernung von Oberschöna und nach Gewicht, so Mitarbeiterin Butter. Auf dem Wertstoffhof Oederan sind 1,50 Euro für einen 120-Liter-Sack fällig, 2,50 Euro für die großen Gartensäcke aus dem Baumarkt.

Kann Grünschnitt auch in der Biotonne entsorgt werden?

Ja - wenn er in die Tonne passt oder zerkleinert wurde, sagt Granz.

Was ist mit Lagerfeuern?

Brauchtumsfeuer der Kommunen sind von der Regelung ausgenommen. Ob private Lagerfeuer einer Genehmigung bedürfen, regelt die Polizeiverordnung der Stadt oder Gemeinde. So darf etwa in Flöha trockenes, unbehandeltes Holz in befestigten Feuerstätten mit Abstand zum Boden verbrannt werden. kala


Naturschutzbund: Verbrennen zerstört wichtige Nährstoffe

Aus gärtnerischer Sicht ist es erstrebenswert, den Nährstoffkreislauf aufrechtzuerhalten, erklärt Werner Hentschel, Leiter der Geschäftsstelle des Naturschutzbundes (Nabu) im Kreisverband Freiberg. Verbrennen entnimmt Nährstoffe, die durch Kompostieren dem Boden zurückgegeben werden könnten. "Große Feuer sind auch für Insekten schlecht, die vom Licht angezogen werden", sagt er.

Hecken- und Strauchschnitt verrottet in einem gut laufenden Kompost, so Hentschel. Alternativ können gehäckselte Zweige zum Mulchen rings um Pflanzen und Stauden benutzt werden und helfen gegen Unkrautwuchs. Aus Pfählen oder Ästen und längeren Zweigen lässt sich zudem als Sichtschutz und Rückzugsort für Insekten eine Benjeshecke anlegen.

Blätter und Laub lassen sich in der Regel gut kompostieren oder im Winter auf den Beeten verteilen, so Hentschel. Ein Netz darüber schütze davor, dass der Wind es überall verstreut. So habe der Boden zugleich Frostschutz und hole sich Nährstoffe zurück, auch durch Regenwürmer, die das Laub fressen. Der Nabu-Garten komme seit zwei Jahren ohne Laubcontainer aus.

nabu.de/landingpages/garten.html

Bewertung des Artikels: Ø 2 Sterne bei 2 Bewertungen
2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    BlackSheep
    11.05.2019

    @FP, wäre schön wenn ihr hier ne Antwort der Verantwortlichen einholen könntet.

  • 9
    1
    opa2017
    09.05.2019

    Aber was ist mit Schädlings befallen Pflanzenteilen.



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