Warum der W-Lan-Zugang in den Skoda-Bahnen begrenzt ist

In den neuesten Straßenbahnen der CVAG können Fahrgäste kostenfrei im Internet surfen. Doch das endet mitunter abrupt.

Das Angebot klingt verlockend. Während der Fahrt in den neuen Skoda-Straßenbahnen können Fahrgäste auf ihren Smartphones, Tablets oder Laptops kostenfrei im Internet surfen, Nachrichten lesen oder verschicken, Online-Einkäufe erledigen, das Weltgeschehen verfolgen und vieles andere mehr. Doch nach spätestens einer Viertelstunde endet diese für manche Nutzer unverzichtbare Annehmlichkeit: "Deine Surf-Zeit von 15 Minuten im W-Lan der Skoda-Bahn ist abgelaufen", teilt der Verkehrsbetrieb CVAG seinen Kunden dann mit.

Für jene Fahrgäste, die sich unterwegs Fotos oder Videos ansehen wollen, kann das Surfen sogar noch schneller vorbei sein. Denn das Volumen an Daten, die kostenfrei übertragen werden können, ist auf 50 Megabyte (MB) pro Tag und Gerät begrenzt. Das kann bei besonders hoher, sogenannter Full-HD-Auflösung der Bilder schon für ein zweites kurzes Video zu knapp sein. Von beiden Einschränkungen werden Erstnutzer bei der Anmeldung im Fahrgast-W-Lan überrascht. Bei den Präsentationen der neuen Bahnen war davon noch keine Rede.

CVAG-Sprecher Stefan Tschök bestätigt auf Anfrage, dass die Zeitbegrenzung auf 15 Minuten auf dem W-Lan-Router in den Straßenbahnzügen hinterlegt und die Übertragungsgeschwindigkeit auf 1 Mbit/ Sekunde eingestellt ist. Dafür führt er zwei Begründungen an: Erstens liege die durchschnittliche Verweildauer der Fahrgäste in den Bahnen und Bussen der CVAG unter zehn Minuten. Und zweitens sei die Nutzung von W-Lan in den Fahrzeugen als Zusatzangebot gedacht, um sich in nicht datenintensiven Diensten informieren zu können. Dazu zählten beispielsweise Fahrplanauskünfte vor dem Umstieg auf andere Linien, das Prüfen des eigenen E-Mail-Postfachs, die Nutzung sozialer Netzwerke oder von Nachrichtenkanälen. "Das W-Lan-Angebot ist also nicht als Ersatz für den eigenen Internetzugang zu Hause gedacht, auf dem datenintensive Dienste wie Streaming-Plattformen genutzt werden", sagt der CVAG-Sprecher.

Mit den W-Lan-Hotspots in den Skoda-Bahnen wolle die CVAG auch Erfahrungen für eine mögliche Nachrüstung weiterer Fahrzeuge sammeln, so Tschök. Gegenwärtig sind fünf damit ausgerüstete Bahnen im Linieneinsatz, neun weitere sollen in den nächsten Monaten folgen. Die Kosten für das W-Lan beziffert Tschök mit 30 Euro pro Fahrzeug und Monat.

Toni Rotter, Mitglied der Piratenpartei und Stadtrat der freien Liste "Chemnitz für alle", kritisiert die W-Lan-Begrenzungen. "Für mich klingt das nach völliger Willkür, um einen Service zu verknappen und Fahrgäste zu erziehen", sagt er. Wenn die CVAG Angst habe, dass die Leute wegen W-Lan Kreise in der Bahn drehen, sollte sie die digitalen Infotafeln an den Haltestellen mit W-Lan ausstatten, damit die Infrastruktur wirklich reisefreundlich werde, anstatt die Menschen mit technischen Begrenzungen erziehen zu wollen, so Rotter.

Mit W-Lan in Straßenbahnen ist die CVAG zumindest in Sachsen Vorreiter. Die Verkehrsbetriebe in Dresden und Leipzig konzentrieren sich bisher auf Internet-Zugänge an Haltestellen zunächst in den Innenstädten. In der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt sind bereits alle Straßenbahnen und Busse mit W-Lan-Zugängen ausgestattet - beschränkt auf 50 MB je Fahrzeug.


Kommentar: Halbherzig

Sicher lässt es sich mit Straßenbahnen auch gut von A nach B fahren, ohne im Internet zu surfen. Aber für viele Menschen ist freies W-Lan inzwischen eine erwartete Selbstverständlichkeit und gerade Verkehrsmittel, in denen man sonst zu Untätigkeit gezwungen wäre, bieten Gelegenheit und Muße für solchen Zeitvertreib. Mit ihrer vollmundigen Ankündigung, dass die neuen Skoda-Straßenbahnen über W-Lan-Hotspots verfügen, entsprach die CVAG also ganz dem Zeitgeist. Umso größer dürfte jetzt bei vielen Internet-affinen Fahrgästen die Enttäuschung über die Beschränkungen sein. Damit setzt der Verkehrsbetrieb keinen Trend, sondern handelt halbherzig.

10Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    0
    Zeitungss
    06.11.2019

    Durch diesen Zustand werden viele Fahrgäste mit Stehplatz vor zunehmenden Haltungsschäden geschützt, nachdem die aufrechte Gangart sich im hohen Tempo zurückentwickelt.
    Muss ich es näher erklären?

  • 14
    5
    CPärchen
    05.11.2019

    Die Erfahrungen aus dem Tietz mit kostenlosem W-LAN waren teils sehr negativ.

    Darum bin auch ich der Meinung: für datenarme Dienste sollte der Service genügen, mehr aber nicht. Ansonsten müssten das andere Nutzer mitfinanzieren und die Fahrscheinpreise sollen ja fallen.
    Mir ist niemand bekannt, der eine Fahrt in der Tram vom W-Lan abhängig macht.

  • 22
    5
    Hankman
    05.11.2019

    @Hinterfragt und @Pixelghost, ich glaube, Sie haben @1536974 missverstanden. Er meint vermutlich den internationalen Standard - und die vielen Länder, die Deutschland da weit voraus sind. Dort sieht man öffentliches WLAN als Selbstverständlichkeit an, bietet es als Service für alle an. Natürlich kostet die Infrastruktur Geld, aber die muss man halt anders finanzieren, aus dem Hauptgeschäft.

    Ich kann mich mit der zeitlichen Begrenzung anfreunden - man hätte ja auch 30 Minuten festlegen können. Auch eine Begrenzung der Datenmenge finde ich nicht so schlimm - nur sind 50 MB heutzutage einfach lächerlich, weil allein schon viele Internetseiten und die darauf platzierte Werbung unter Blähsucht leiden. Warum nicht 500 MB? Die Übertragungsrate kann man akzeptieren. Aber wirklich übel finde ich, dass man großspurig verkündet, dass die neuen Bahnen WLAN haben, dabei aber die Beschränkungen verschweigt. Es halt halt so: Wenn man den Kunden ein Angebot macht, muss man manchmal damit rechnen, dass sie es auch annehmen.

  • 12
    2
    Hankman
    05.11.2019

    Ach, @Deluxe, ich hatte gerade nostalgische Gefühle. Ja, die alte 8, die alte 3 ... :-)

  • 30
    9
    Deluxe
    05.11.2019

    Als ich noch mit der Linie 8 die Kaßbergauffahrt zur Weststraße und mit der Linie 3 nach Rottluff gerattert bin, gab es zuhause nichtmal Festnetztelefon...

    Nein, das ist wirklich nicht mit heute vergleichbar.
    Aber daran, dass es so war und dass es auch normal war, muss ich unwillkürlich denken, wenn ich von diesen Luxusproblemen hier lese...

  • 34
    6
    Pixelghost
    05.11.2019

    @1536974, Sie gegen davon aus, dass das Internet heutzutage kein Geld mehr kostet. Aha.
    Hardware (Speicher, Router Server und was noch so für die technische Bereitstellung benötigt wird...), ITler zur Pflege und Wartung der Software,Technik und Sicherheit (gerade bei öffentlich genutzten Schnittstellen)...

    Nein, kostet alles nichts mehr ... heutzutage...

    Genau wegen solche Ansichten stehen wir heute da wo wir stehen: am Ende der IT-Warteschlange.

  • 29
    11
    Hinterfragt
    05.11.2019

    "...Ich gehe davon aus, dass heutzutage Internet kein Geld mehr kostet...."
    Prima, bei welchen Provider sind Sie?
    Da will ich auch hin ...

  • 30
    15
    marienthal
    05.11.2019

    Ich verstehe es, wenn man sich über die zeitliche Beschränkung beschwert. Bei langen Strecken sicherlich hinderlich, aber wieso über das Datenvolumen? Das finde ich schon sinnvoll, denn die Jugendlichen würden sonst pausenlos auf den Handys Videos schauen und das stört sicherlich andere Fahrgäste.

  • 26
    24
    1536974
    05.11.2019

    Also über die Übertragungsgeschwindigkeit kann man sicherlich diskutieren, aber die zeitliche Beschränkung sowie das Volumen finde ich sinnlos.
    Man müsste die CVAG mal darauf ansprechen wie hoch die Mehrkosten sind wenn diese Restriktionen nicht bestünden. Ich gehe davon aus, dass heutzutage Internet kein Geld mehr kostet.
    Man sieht an diesem Beispiel sehr schön das digitale hinterherhinken von Deutschland. Und das wird dem Leser noch als Paradebeispiel verkauft. Bravo!

  • 41
    9
    ArndtBremen
    05.11.2019

    Ich habe die letzten 10 Tage am Stück in Frühschicht gearbeitet. Die Buslinie 31 ist nicht einen einzigen Tag pünktlich gefahren. Daran hat die CVAG zu arbeiten. WLAN hilft mir nicht, pünktlich zur Arbeit zu kommen. Vorallem dann nicht, wenn morgens der erste Bus (oder Busfahrer) schon keine Lust hat.



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