Warum die Tauraer Feuerwehr jetzt schneller ausrücken kann

43 Mitglieder zählt die aktive Truppe. Bisher waren sie mit einem W 50 unterwegs. Jetzt satteln sie um. Eine Gruppe profitiert besonders davon.

Taura.

Er hat mehr PS-Stärke als sein Vorgänger, einen Sechs-Zylinder-Motor, Allradantrieb und kann 1600 Liter Löschwasser fassen - etwa fünf Mal so viel wie sein Vorgänger. Die Vorteile des neuen Feuerwehrfahrzeugs vom Typ LF 10 liegen klar auf der Hand.

Mehr Löschwasser: Feuerwehr-Chef Marcel Kroll gerät ins Schwärmen, wenn er von seinem neuen Einsatzfahrzeug spricht: "Er ist nicht nur leistungsstärker und schneller, sondern auch effektiver", sagt Kroll. Das habe sich beim jüngsten Einsatz am Freitagnachmittag gezeigt. Wegen Rauchentwicklung war die Feuerwehr zu einem Brand in einer Gartenanlage gerufen worden. Vor Ort stellte sich heraus, dass in einem Nachbargrundstück Haus- und Sperrmüll verbrannt wurde, was verboten ist. "Wir konnten das Feuer schnell ohne fremde Hilfe löschen", sagt Kroll. Das Vorgänger-Fahrzeug, Typ LF 16/W 50, habe ein Fassungsvermögen von 350 Litern Wasser und Schaum. "Wir konnten quasi bei großen Bränden nie allein löschen, sondern mussten Verstärkung anfordern", sagt Kroll. Denn ehe die Schläuche mit Wasser gefüllt waren, sei der Wasservorrat bereits erschöpft. Als Beispiel nennt er den Autowerkstattbrand am 10. Juni 2016. Etwa 50 Einsatzkräfte der Feuerwehren Burgstädt, Taura und Köthensdorf waren etwa acht Stunden im Einsatz. Dieses Jahr soll die Werkstatt wieder aufgebaut werden. Am gleichen Abend mussten die Tauraer Kameraden zudem zu einem Unfall auf der B 107 ausrücken.


Mehr Leistung: Rund 35 Jahre leistete der W 50 treue Dienste, davon 20 Jahre bei den Tauraer Kameraden. Anfang 1997 war das Fahrzeug gekauft worden. "Zum Zeitpunkt seiner Indienststellung 1982 war es modern", sagt Kroll. Das Auto aus dem VEB Ifa-Automobilwerk Ludwigsfelde löste den leistungsschwächeren Robur ab. 1875 war die Tauraer Feuerwehr gegründet worden. Doch bis 1932 fuhren die Männer nur auf gebrauchten Fahrzeugen zum Einsatz. Insgesamt sechs Löschfahrzeuge waren im Bestand. Der W 50 sei vor allem für den Einsatz in Städten konzipiert worden, so Kroll. Für das bergige Taura sei er an seine Grenzen gestoßen. Er erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometer pro Stunde mit einem Vierzylinder-Viertakt-Dieselmotor mit 125 PS. Im Vergleich: Der Neue hat einen Sechszylinder-Motor mit 290 PS. Als Beispiel führt Kroll den Einsatz am 4. April an, als der Brandmelder im Altenpflegeheim anschlug. Es fanden Lötarbeiten unter einem Rauchmelder statt, sagt Kroll. Das Auto sei schnell am Einsatzort gewesen. "Am Berg blieb das neue Fahrzeug jetzt nicht mehr stehen." Ganz anders als im Vorjahr, als dort auch der Rauchmelder angeschlagen hatte.

Allradantrieb: Schwierig sei bisher auch die Anfahrt zum Chemiebetrieb Zschimmer & Schwarz im Burgstädter Ortsteil Mohsdorf gewesen. Zweimal mussten die Tauraer gemeinsam mit Wehren aus dem Umkreis zu einer Übung. "Mit dem alten Auto war es jedes Mal ein Kraftakt", sagt Kroll. Das schlimmste Szenario sei im November 2016 eingetreten, als das Chemie-Gelände nach einer 20-minütigen Anfahrt vom Gerätehaus aus erreicht wurde. Normalerweise dauere das knapp zehn Minuten. Doch aufgrund von vielen Baustellen und des altersschwachen Fahrzeuges sei seine Truppe als letzte Mannschaft angekommen. Nun hofft Kroll, dass das neue Auto per Allradantrieb schneller im Gelände vorankommt.

Höhenrettung: Auf dem Fahrzeugdach befindet sich auf dem neuen LF 10 eine vierteilige Steckleiter. "Die ist nichts Ungewöhnliches", sagt Kroll. Auch auf dem W 50 habe es eine Steck- und Schiebleiter gegeben. Doch die jetzige Schiebleiter sei dreiteilig und könne eine Rettung bis zum dritten Obergeschoss erlauben, erläutert Kroll. Damit könnte die Leiter knapp neun Meter ausgefahren werden. Beim Einsatz am 2. März sei dies bereits von Vorteil gewesen, als durch Sturm ein Baum auf eine Telefonleitung gefallen war.

Verjüngung: Nicht nur die Technik hat sich verjüngt, auch das Durchschnittsalter der Tauraer Wehr, das jetzt bei 34 liegt. 43 Mitglieder zählt die Freiwillige Feuerwehr Taura, mit den Kameraden beider Ortswehren. Dazu kommen noch 18 Mädchen und Jungen die zur Jugendfeuerwehr gehören. "Ein großer Teil davon ist schon bei der aktiven Truppe", sagt Kroll. Die jungen Leute würden jetzt viel lieber zu einem Einsatz herausfahren, weil die Technik so modern ist. Die Jugendfeuerwehr war voriges Jahr Kreispokalsieger geworden. Da sie den Pokal zum dritten Mal gewannen, konnten sie die Trophäe behalten. Beim Löschangriff müssen Leitungen und Schläuche schnellstmöglich verlegt und ein Eimer mit zehn Litern Wasser gefüllt werden.

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