Warum Ehrenfried vermessen wird

Der Räuchermann im Chemnitz-Center soll als größter seiner Art ins Guinnessbuch der Rekorde. Damit das was wird, muss ein Profi ran.

Er passt in kein Wohnzimmer. So viel steht fest. Dass der Räuchermann namens Ehrenfried, der seit September 2017 im Chemnitz Center steht, ein Riese ist, wird auf den ersten Blick klar. Thomas Stoyke, Center-Manager, reicht das aber nicht. Er möchte, dass die Figur als weltgrößte ins berühmte Guinnessbuch der Rekorde kommt.

Den Antrag habe er gestellt, sagte Stoyke, und dafür den Räuchermann - von "Räuchermännchen" kann wirklich keine Rede sein - vermessen. "Mit einem Lasergerät aus dem Baumarkt", so Stoyke. Dabei sei eine Höhe von 5,12 Metern ermittelt worden. Doch das sei den Entscheidern über einen möglichen Rekord zu ungenau gewesen. Darum bat Stoyke nun Detlef Wuttke als öffentlich bestellten Vermessungsingenieur, sich der Sache anzunehmen.

Der machte sich am Freitagvormittag mit seinen Mitarbeitern ans Werk. Das Vermessen von Weihnachtsdeko gehört üblicherweise nicht zu seinen Aufgaben. "Eigentlich vermessen wir Grenzen", sagte er. Aber über andere Aufgaben freue er sich auch. So vermisst er jedes Jahr den Chemnitzer Weihnachtsbaum. Um ein ganz sicheres Ergebnis zu erzielen, hatte er gleich zwei Messmethoden mitgebracht. Zum einen die konventionelle Technik mit dem sogenannten elektronischen Tachymeter, das Winkel und Strecken misst. Zum anderen einen Laser-Scanner, der laut Wuttke "das modernste Messgerät der Welt ist".

Für die konventionelle Methode werden zwei Personen gebraucht. Alexander Neumeister stand hinter dem Tachymeter, Wuttke hielt ein Gerät in der Hand, das den Lichtstrahl, den das Tachymeter aussendet, reflektiert. Damit musste er sich an verschiedene Punkte des Räuchermanns stellen. Aber auch bis hinauf zum höchsten Punkt des Ofenrohres musste er klettern. Erstes Ergebnis: 5,16 Meter.

Parallel zu den beiden war Ingo Eppert mit dem Laserscanner beschäftigt. Das Gerät tastet den Räuchermann ab und erstellt rund fünf Millionen Punkte von ihm. Auf Epperts Tablet entsteht ein Bild von Ehrenfried, 3D und digital. Das wird später im Büro nachmodelliert. Mit den Daten könnte ein 3D-Drucker wiederum einen Ehrenfried herstellen, erklärt Eppert.

Am Nachmittag stand dann das offizielle Messergebnis fest, für das beide Methoden berücksichtigt wurden. Ehrenfried ist 5,17 Meter groß. Falls es nun mit dem Eintrag ins Rekordbuch klappt, soll der Räuchermann weiterhin präsentiert werden, gemeinsam mit der Urkunde, so Stoyke. Und wenn es nicht klappt? - Dann bleibt Ehrenfried wahrscheinlich trotzdem stehen.

Die Vermessungsprozedur genau beobachtet hat auch Drechsler Ehrenfried Kluge aus Neuhausen im Erzgebirge. Er habe den Räuchermann nämlich im Auftrag von Michael Piesnack aus Seiffen gebaut. Piesnack stellte den Räuchermann zunächst in seinem Geschäft in Seiffen aus, bis er ihn ans Chemnitz Center verkaufte. Woher die Figur ihren Namen hat, dürfte jetzt auch klar sein.

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