Was Schüler über Mauern und Grenzen denken

Im Spielemuseum werden Arbeiten von Jugendlichen gezeigt, die Preisträger eines Wettbewerbs zur politischen Bildung sind. Experten sind beeindruckt von der Vielfalt.

Wo auf dieser Welt gibt es Mauern? Damit, warum es sie gibt und welche Konsequenzen das für die Menschen hat, die mit ihnen leben, haben sich Schüler der 8. bis 12. Klasse an deutschsprachigen Schulen befasst. Insgesamt 400 Einsendungen zum Thema "Zäune, Wälle, Mauern" gingen bei der Bundeszentrale für politische Bildung ein. Zum 49. Mal hatte diese den Schülerwettbewerb zur politischen Bildung ausgeschrieben, erklärt Leiter Hans-Georg Lambertz.

Im Deutschen Spielemuseum sind ab jetzt die 35 Preisträgerarbeiten zu sehen. Zur Eröffnung der Ausstellung am Freitag sollten eigentlich auch die Schüler kommen. "Alles war vorbereitet, Unterkünfte in der Jugendherberge gebucht", sagte Museumsleiter Eberhard Neumann. Doch aufgrund der Coronakrise sagten die Schulklassen kurzfristig ab. "An unseren Öffnungszeiten wollen wir aber festhalten", sagte Neumann. Da das Spielemuseum zum Solaris-Förderzentrum gehört und somit privat geführt sei, könne man das selbst entscheiden.

Die Besonderheit an den ausgestellten Arbeiten ist, dass die Schüler ihre Ideen in einem Schuhkarton umsetzen mussten. Den ersten Preis, nämlich eine Klassenreise nach Paris, erhielt eine 9. Klasse aus Wiehl in Nordrhein-Westfalen. Wann und ob die Schüler die Reise nach Paris antreten können, stehe derzeit allerdings in den Sternen, so Lambertz. Die Gewinnerklasse beschäftigte sich mit einer historischen Mauer - der früheren deutsch-deutschen Grenze - und einer aktuellen Grenze, nämlich der der EU.. Dabei wurde herausgearbeitet, dass Mauern sowohl dazu dienen können, Menschen abzuhalten, als auch sie aufzuhalten. "Wenn Europa die Grenzen dichtmacht, was passiert dann mit Menschen aus anderen Ländern, die in Not sind?", steht groß auf der Innenseite des Karton-Deckels. So aktuell das erscheinen mag: Alle Arbeiten stammen von 2019.

Die Schüler einer 11. Klasse aus Sangerhausen befassten sich mit der Grenze zwischen Nord- und Südkorea. Sie verglichen die beiden Staaten miteinander und stellten auch Vergleiche zwischen DDR und BRD an. Aber nicht nur bekannte Mauern wie in Korea, Deutschland oder die, die US-Präsident Trump an der mexikanischen Grenze baut, fielen den Schülern ein. Es gibt auch Arbeiten zur sogenannten Friedenslinie in Belfast und zu den Mauern, die die Türkei an der Grenze zum Iran und zu Syrien errichtet hat. "Die Vielfalt hat uns wirklich überrascht", sagte Museumsleiter Neumann.

Die Sonderausstellung "Wer anderen eine Mauer baut..." ist mittwochs bis freitags von 13 bis 18 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen von 13 bis 19 Uhr im Deutschen Spielemuseum, Neefestraße 78a, zu sehen.


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3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    10
    sunhiller
    14.03.2020

    gute Noten gab, und gibt es immer nur im Mainstream, das war schon in der DDR so...also wofür eine Bundeszentrale für politische Bildung ???

  • 9
    6
    MuellerF
    14.03.2020

    @1371270: Schon klar: Kinder denken/sagen nur dann, was sie wirklich denken, wenn es dem entspricht, was SIE denken, gell?

  • 9
    10
    1371270
    14.03.2020

    Ich denke mal so: das ist weniger das, was sie denken, sondern das, was sie denken sollen.