Weitere Pendlerparkplätze für das Chemnitzer Modell geplant

Vor allem aus und in Richtung Erzgebirge, aber auch nördlich und westlich von Chemnitz soll das Angebot ausgebaut werden. Hinweise auf bestehende Anlagen sucht man derweil oft vergeblich.

Bei "Chemnitz diskutiert", einem Dialog-Workshop der "Freien Presse" zum Thema "Wie soll Chemnitz mobil bleiben?", wurde ihr Fehlen kürzlich wiederholt beklagt. Das Ziel, daran etwas zu ändern, haben gleich mehrere Parteien in ihr Wahlprogramm zur Stadtratswahl am Sonntag aufgenommen: Entlang wichtiger Nah- und Regionalverkehrsverbindungen von und nach Chemnitz sollen ihrem Willen nach weitere Park-and-Ride-Parkplätze entstehen. Sie ermöglichen es insbesondere Pendlern, ihr Auto außerhalb der Innenstadt stehen zu lassen und die letzten Kilometer ins Zentrum mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen. Das spart neben Parkgebühren im besten Fall auch Zeit.

Bislang gibt es in Chemnitz nur einige wenige solcher Anlagen mit insgesamt rund 450 Stellplätzen - und höchst unterschiedlicher Auslastung. Verkehrsexperten und eine Reihe von Kommunalpolitikern gehen allerdings davon aus, dass das Interesse und der Bedarf an derlei Abstell- und Umsteigemöglichkeiten zunehmen wird. Denn schon jetzt ist auf den großen, allesamt kostenpflichtigen Parkplätzen der Innenstadt tagsüber oft nur noch schwer eine Lücke zu finden. "Ich habe eine Viertelstunde gesucht", schimpfte ein Autofahrer diese Woche. "Das ist doch nicht normal."


Doch im Zuge der geplanten Neubauprojekte am Tietz und an der Johanniskirche werden in absehbarer Zeit hunderte weitere Stellplätze verschwinden. Zudem dürften auch die Gebühren weiter steigen. In einigen Parkhäusern wird von Dauerparkern pro Monat bereits ein dreistelliger Betrag verlangt. Eine Monatskarte für den Nahverkehr ist zumeist deutlich preiswerter.

Der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) reagiert auf die Entwicklung und kündigt im Zuge des Ausbaus des Chemnitzer Modells den Bau weiterer Park-and-Ride-Plätze an - vorzugsweise an sogenannten Verknüpfungsstellen, an denen sich mehrere Bus- und Bahnlinien treffen. Allein an der künftigen Strecke der Chemnitz-Bahn von und nach Thalheim bzw. Aue, die derzeit ausgebaut wird, sind vier weitere solcher Verknüpfungsstellen geplant, sagt Sprecherin Jeanette Kiesinger. Neben einer bereits vor kurzem in Aussicht gestellten Anlage am Bahnhof Einsiedel mit 35 Stellplätzen sind ähnliche Angebote in Dittersdorf (19Stellplätze, davon zwei behindertengerecht) und Burkhardtsdorf (zwölf Stellplätze, davon zwei behindertengerecht) vorgesehen. Die größte Anlage mit 51 Stellplätzen (davon vier behindertengerecht) wird im Burkhardtsdorfer Ortsteil Meinersdorf entstehen.

Weiter südlich, in Thalheim Zwönitz und Aue, sind solche Verknüpfungsstellen bereits vorhanden. Ebenso nördlich der Chemnitzer Stadtgrenzen, in Hainichen und Burgstädt, von wo aus ebenfalls Chemnitz-Bahnen direkt ins Chemnitzer Stadtzentrum verkehren. Letzte wurde sogar bereits erweitert. "In Mittweida, Oberlichtenau und Limbach-Oberfrohna sind weitere Park-and-Ride-Anlagen geplant", so VMS-Sprecherin Kiesinger.

Vom Ausbau der Infrastruktur für Pendler erhofft sich der Verkehrsverbund Rückenwind auch für den Absatz sogenannter Jobtickets. Das sind spezielle, rabattierte Abo-Monatskarten, die Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter ordern können. Einige gewähren Arbeitnehmern zusätzlich einen steuerfreien Fahrtkostenzuschuss.

Dass das Nutzen von Bus und Bahn für den täglichen Weg zur Arbeit bei Berufspendlern hierzulande bislang noch eine eher untergeordnete Rolle spielt, führen Nutzer nicht zuletzt auf die bisweilen fehlende Zuverlässigkeit der Verbindungen zurück. So hatte der städtische Nahverkehrsbetrieb CVAG im Winter mit erheblichen Personalproblemen zu kämpfen. Zahlreiche Fahrtausfälle waren die Folge. Zudem bereiteten allzu große Lücken im Fahrplan außerhalb der Kernzeiten insbesondere Schichtdienstlern Probleme, heißt es. Hinzu kommt, dass es bislang kaum Hinweise auf die bereits bestehenden Park-and-Ride-Angebote gibt - sowohl auf den Liniennetzplänen, die an Haltestellen sowie in Bussen und Bahnen aushängen, als auch im Internet.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...