Wie ein Burgstädter Investor Denkmalhäuser wiederbelebt

Mehrere Gebäude hat die Immobilienfirma saniert. Jetzt soll ein geschichtsträchtiges Haus im Erzgebirge gekauft werden. Dabei bleiben andere Vorhaben auf der Strecke.

Burgstädt.

Man nennt sie Problemkinder in Burgstädt, Chemnitz und Umgebung: geschichtsträchtige Gebäude, die unter Denkmalschutz und über Jahre leerstehen. "Alle sagen, das geht nicht, aber wir haben's gemacht", sagt der Chef der Immobilienfirma Chreans aus Burgstädt, Andreas Scholz. Denn er hat mit seinem Unternehmen in 14 Projekten mehrere Häuser saniert, darunter das einstige Amtsgericht, das ehemalige Möbelhaus Uhlig am Markt und mehrere Mehrfamilienhäuser in Burgstädt.

Der 44-Jährige scheint ein glückliches Händchen zu haben. Leerstehende Immobilien entdeckt der Unternehmer für sich und seine Firma mit 13 Mitarbeitern. Die Burgstädter Chreans-Gruppe verweist auf ihre Erfahrungen bei der Umnutzung von Industriebauten in Dresden, Pirna und Chemnitz. Mehrere Großvorhaben seien seit der Firmengründung 1996 umgesetzt worden. Zurzeit baut er Eigentumswohnungen sowie Pflege- und Betreuungseinrichtungen auf dem ehemaligen Gelände der Staatssicherheit an der Walter-Janka-Straße in Chemnitz-Adelsberg. Außerdem schließt er eine große Baulücke am Marktplatz in Hainichen. Unter dem Namen Marktterrassen entsteht ein Wohn- und Geschäftshaus. An der Friedrich-Wagner-Straße in Burgstädt erfolge der zweite Bauabschnitt bei der Sanierung der Mehrfamilienhäuser, erläutert Scholz.

Die Projektentwicklungsfirma hat sich darauf spezialisiert, Industriebrachen und verwahrloste Areale einer neuen Nutzung zuzuführen. "Ein besonderes Meisterstück ist ihm mit dem Amtsgericht in Burgstädt gelungen", sagt Bürgermeister Lars Naumann. Nach 20-jährigem Leerstand hatte 2015 die Sanierung der unter Denkmalschutz stehenden Immobilie begonnen. Einwohner hatten den Baufortschritt kritisiert, denn die Arbeiten verzögerten sich. Während der Umbau- und Sanierungsarbeiten hatten sich unvorhergesehene Baustopps ergeben, sagt Scholz. So hätten etwa zwei Meter dicke Natursteinbrocken beim Ausbau des Kellers entfernt werden müssen. Deshalb seien im Verlauf der Bauarbeiten im Inneren neue statische Berechnungen notwendig gewesen. "Jetzt ist das Wohn- und Geschäftshaus komplett fertig und vermietet", sagt Scholz. Und es spreche keiner mehr über Bauverzögerungen und Probleme, ergänzt er. Noch seien einige kosmetische Arbeiten im Außenbereich notwendig, wie weitere Begrünung.

Investitionssummen nennt der Projektentwickler für seine Immobilien nicht. Aber Experten schätzen die Ausgaben auf insgesamt mehrere Millionen Euro. Und Scholz hat bereits neue Ziele im Visier: Der einstige Kulturtempel Tivoli in Olbernhau/Erzgebirge soll als Veranstaltungsort wiederbelebt werden. Der Kaufvertrag stehe kurz vor der Unterzeichnung, sagt der Burgstädter. Das Jugendstilhaus selbst soll nach historischem Vorbild saniert werden. Insbesondere sei geplant, die zurückgebauten Turmspitzen des Hauses wiederherzustellen. Eine Rekonstruktion der alten Dachkuppel sei aus Gründen des Brandschutzes nicht möglich. Im Fall der Türme sei es aber denkbar, dort Übernachtungsmöglichkeiten einzurichten, sagt Scholz. "Den Keller können wir Vereinen als Veranstaltungsort, den Saal im Idealfall für mehrere Feierlichkeiten pro Monat anbieten", so der Investor. Der ursprüngliche Plan, im gesamten Gebäude Wohnungen einzurichten, sei hingegen vom Tisch.

Übernimmt sich der Investor mit seinen vielen Projekten nicht?, haben Teilnehmer einer Einwohnerversammlung gefragt. "Keine Sorge", sagt Scholz. Doch aufgrund des derzeitigen Baubooms gebe es zu wenige Baufirmen am Markt und somit würden sich die Chreans-Projekte in die Länge ziehen. "Es wäre natürlich wirtschaftlicher, schneller zu bauen", sagt Scholz. Aber die Kapazitäten am Markt seien erschöpft. Deshalb dauere es auch mit der Sanierung einer ehemaligen Textilfabrik in Taura länger als geplant. Teile der ehemaligen Mechanischen Trikotagenfabrik Guido Unger waren 2015 abgerissen und die Fläche renaturiert worden. Erhalten bleibt ein denkmalgeschützter, markanter Fünfgeschosser. Die Planungen für dessen Umbau sind abgeschlossen, ergänzt Scholz. Verzögerungen habe es gegeben, weil Architekten aufgrund der Auftragsflut an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen seien, erläutert er. 30 Wohnungen sollen in diesem Gebäude entstehen. Die Akten liegen kurz vor der Einreichung ins Landratsamt, so Scholz. Wenn die Baugenehmigung vorliege, könne es losgehen. Voraussetzung seien aber Baufirmen, die Zeit und Know how für so ein "Mammutprojekt" haben, fügt Scholz hinzu. (mit jwen)

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