Wie Imbiss-Betreiber das geplante Plastik-Verbot finden

Die Tage des Einwegverpackungen sind gezählt. Mit ihrem Beschluss zwingt die EU bald auch die Betreiber von Schnellrestaurants zum Umdenken.

Wenn es nach Amar Kasem ginge, dürften Pommes schon heute nicht mehr mit Pieksern aus Plastik gegessen werden. "Ohne ein Verbot ändern die Menschen nämlich nie was", sagt der 35-jährige Mitarbeiter eines Chemnitzer Kebabladens an der Theaterstraße. Ihn würden besonders verdreckte Straßen im Zentrum der Stadt ärgern, begründet er.

Dieses Verbot könnte bald kommen: Ab 2021 will die EU den Verkauf von Einweg-Plastikartikeln verbieten, zu denen es bereits umweltfreundlichere Alternativen gibt. Betroffen sind unter anderem auch Strohhalme, Teller und Besteck aus Kunststoff.

Letztere werden besonders häufig in Schnellrestaurants verwendet: ob chinesisch oder indisch, der Imbiss für zwischendurch landet häufig in einer Menü-Box aus Styropor, die wiederum in einer Plastiktüte samt dem passenden Kunststoffbesteck eingetütet und dem Kunden mitgegeben wird. Das ist praktisch, umweltschädlich - und aller Wahrscheinlichkeit nach bald Vergangenheit. Doch was denken die Gastronomen im Chemnitzer Zentrum über die nahende Umstellung?

In einem asiatischen Imbiss an der Theaterstraße scheint man skeptisch zu sein. "Plastik ist nun mal billig", heißt es dort. Wenn in Brüssel eine Umstellung beschlossen werde, dann sollten auch die zusätzlichen Kosten durch die Politik getragen werden, sagt der Mann hinterm Tresen. Für kleinere Betriebe falle mit einem Verbot auch ein wirtschaftlicher Schaden an, begründet er. "Warum fängt man da nicht bei den großen Konzernen an und gibt den kleinen noch etwas Zeit?" fragt sich ein Mitarbeiter. Wolle man wirklich etwas für die Umwelt tun, müsse man vor allem die übermäßige Nutzung von Plastik durch größere Firmen begrenzen. Zwei Jahre seien vielleicht genug für eine Umstellung, würden aber nicht für ein nachhaltiges Umdenken reichen, wird angemerkt.

Auch an der Straße der Nationen herrscht offenbar Unmut: "Mir war gar nicht bewusst, dass wir so viel Plastik benutzen", sagt der Mitarbeiter eines Kebabladens. Richtig nachgedacht habe er darüber nie - wenn die Plastikgabeln und -messer langsam knapp werden, schreibe er einfach seinem Chef, der bringe dann Nachschub, beschreibt er sein Tagesgeschäft. Holzbesteck als Alternative möchte er nicht ausschließen. "Das kommt aber erst dann, wenn es kommen muss. Hoffentlich auch subventioniert", sagt er.

Ähnlich geht es Naveed Tabasum, der in einem Schnellrestaurant an der Rathausstraße arbeitet. "Hinterfragt habe ich das alles nicht", sagt auch der 30-Jährige. Er finde es allerdings richtig, fügt er hinzu, dass gesetzliche Maßnahmen gegen den übermäßigen Plastikkonsum ergriffen werden. "Es stört mich vor allem, wenn so viel auf der Straße rumliegt. Das hebe ich dann oft auch auf und schmeiße es in die Mülltonne", so Tabasum.

Anderswo in Chemnitz ist umweltbewusstes Handeln schon jetzt Alltag. Eine Currywurstbude in Bernsdorf serviert ihren Gästen die Wurst auch ohne Gesetz ausschließlich in Pappschalen. Passend dazu gibt es einen Piekser aus Holz und eine Serviette aus Recyclingpapier. Auch ein Pizza-Lieferdienst auf dem Kaßberg setzt schon jetzt auf Pappe statt Plastik. Die Tradition macht es einfach: Pizza wird ohnehin im klassischen Pizzakarton geliefert.

Auch wenn er keine Pizza verkauft, bleibt Kebabmann Kasem von der Theaterstraße optimistisch: Die Döner-Box sei jetzt schon aus Pappe. Und er sei sich sicher, dass das auch beim Besteck und den Menü-Boxen möglich sein werde. "Das muss nicht gleich den finanziellen Ruin für den Imbiss bedeuten."

Bis 2021 haben die Betriebe noch Zeit, sich mit ihrem Abschied vom Einweg auseinanderzusetzen. Nach jetzigem Stand ist er dann gesetzeskonform - und somit auch Pflicht für Gastronomen. Zumindest wenn es nach der Europäischen Union geht, die mit dem geplanten Verbot nicht nur auf saubere Straßen, sondern auf die Rettung der Ozeane zielt. Diese sind durch den Plastikkonsum besonders belastet: Laut Deutscher Umwelthilfe gelangen jährlich rund zehn Millionen Tonnen Plastik ins Meer. Das betrifft auch den Menschen: über Fische gelangt schädliches Mikroplastik auch in unsere Nahrungskette.

Bewertung des Artikels: Ø 3.7 Sterne bei 6 Bewertungen
1Kommentare
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  • 4
    2
    cn3boj00
    14.02.2019

    Es ist schade, dass manche das Problem bis heute nicht verstanden haben. Viele Geschäfte machen es seit langem schon freiwillig und haben Plastik- durch Papierverpackung ersetzt. Die mangelnde Einsicht ("erst dann wenn es kommen muss") zeigt, dass hier wirklich nur Verbote helfen.
    Auch einige Großunternehmen im Onlinehandel sind schon auf gutem Weg. Etwa das oft gescholtene Amazon, welches seit langem die "Luft" im Karton mit Papie füllt. Neulich kam ein Textil-Artikel statt in den allbekannten Plastiktüten in einer Papiertüte. Anders die "Tierfreunde" von Fressnapf, die immer noch Unmengen von Luftpolsterfolie verwenden. Das Wohl der Meerestiere scheint denen egal zu sein.



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