Wird der CFC heute eine GmbH?

Die Gläubigerversammlung entscheidet über die Zukunft des Chemnitzer FC. "Freie Presse" erklärt, worüber beim CFC gestritten wird und warum einige Vereine ihre Profiabteilungen ausgliedern und andere nicht.

Chemnitz.

Heute entscheidet die Gläubigerversammlung über die Zukunft des Chemnitzer FC. Der Plan von Insolvenzverwalter Klaus Siemon sieht vor, die Profiabteilung aus dem Verein auszugliedern und in eine Kapitalgesellschaft zu überführen. Die Mehrheit der deutschen Profifußballvereine hat diesen Schritt schon gemacht. "Freie Presse" fragt nach dem Für und Wider.

Welche Clubs haben ihre Profiabteilungen ausgegliedert?


In der Bundesliga bis auf Schalke 04, den SC Freiburg und den FSV Mainz alle. In der 2. Bundesliga sind zehn von 18 Profiteams aus ihren Stammvereinen ausgegliedert, in der 3. Liga die Hälfte. Als bislang letzte Vereine gingen 2017 Magdeburg und Bochum sowie in diesem Jahr Preußen Münster und nach dem Abstieg aus der 2. Liga der 1. FC Kaiserslautern diesen Weg. Selbst in der Regionalliga Nordost sind mit Lok Leipzig und Germania Halberstadt bereits zwei Kapitalgesellschaften unterwegs.

Was ist der Vorteil der Ausgliederung?

Die Clubs nehmen durch den Verkauf von Anteilen an der Kapitalgesellschaft Gelder ein, die sie nicht zurückzahlen müssen. Wegen der 50+1-Regel müssen die Vereine dabei in den Kapitalgesellschaften die Anteils- bzw. Stimmmehrheit behalten. Damit soll eine komplette Übernahme durch Investoren, die den Fußballclub eventuell ausschließlich als Anlageobjekt betrachten könnten, verhindert werden.

Welche möglichen Formen der Kapitalgesellschaft gibt es?

Im Profifußball werden drei Formen gewählt: die Aktiengesellschaft (AG), die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) und die Kommanditgesellschaft auf Aktien (GmbH & Co. KGaA). Anders als bei AG und GmbH können Clubs bei der GmbH & Co. KGaA mehr als 49 Prozent der Anteile verkaufen. Weil bei der Rechtsform die Investoren nicht so viel Einfluss haben, sieht die DFL die 50+1-Regel gewahrt. Beispiel Borussia Dortmund, einziger börsendotierter Fußballclub in Deutschland: Der e.V. besitzt nur 5,53 Prozent der Aktien der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA.

Welchen Weg nimmt der CFC?

Bekommt der Insolvenzverwalter Zustimmung zu seinen Plänen, werden Profiteam und die älteren Nachwuchsjahrgänge in eine GmbH überführt. Die Gesellschaft soll eine Million Euro Stammkapital haben - das ist die vom DFB vorgeschriebene Mindestsumme für Vereine der Dritten Liga. 510.000 Euro davon will Siemon aus der Insolvenzmasse des CFC entnehmen, damit behält der Verein die Anteilsmehrheit. Die restlichen Anteile sollen mit dem Faktor zehn an Investoren veräußert werden. Damit könnten demnach 4,9 Millionen Euro eingenommen werden, die den Himmelblauen das wirtschaftliche Überleben in der näheren Zukunft sichern könnten.

Wie sehen das die Mitglieder des Chemnitzer FC?

Mit gemischten Gefühlen. Sie werden in Chemnitz anders als bei allen bisherigen Ausgliederungen nicht dazu befragt, ob der besonderen Umstände der Insolvenz haben ausschließlich die Gläubiger das Sagen. Bei den Anhängern gibt es neben Zustimmung auch große Ablehnung. Die Fanszene des CFC hat sich gegen Siemon gestellt, fordert die Gläubiger in einem offenen Brief zur Abwahl des Insolvenzverwalters auf.

Wie steht man beim FC Erzgebirge zu einer möglichen Ausgliederung des Zweitligateams?

"Aktuell ist das kein Thema", sagt Vereinspräsident Helge Leonhardt, "aber durchaus eines für die fernere Zukunft. So eine Ausgliederung muss gut vorbereitet, mit einem juristisch, wirtschaftlich und sportlich tragfähigen Konzept versehen sein. Und es muss überzeugend dargelegt, die Mitglieder einbezogen und mitgenommen werden. Das sind die Rahmenbedingungen. Wir sind in Aue nicht in Zugzwang oder handlungsnot, anders als es womöglich in Chemnitz der Fall ist."

Wie denkt man beim FSV Zwickau über eine Ausgliederung?

Dort stand das Thema bei der letzten Mitgliederversammlung auf der Tagesordnung. Nach Aussage von Sportdirektor David Wagner hat der Drittligist von den Mitgliedern den Auftrag erhalten, ein tragfähiges Konzept zur Ausgliederung der Profimannschaft zu erarbeiten. "Ein unabhängiger Wirtschaftsberater hatte Vor- und Nachteile aufgezeigt und war zu dem Schluss gekommen, dass eine Ausgliederung auf Dauer im Profifußball überlebensnotwendig ist", erklärte Wagner. Deshalb verfolge der FSV das Ziel, die Profiabteilung auszugliedern, um wirtschaftlich konkurrenzfähig zu bleiben und die Nachwuchsabteilungen vor finanziellen Risiken zu schützen. "Ganz wichtig ist uns in dem Konzept, dass die Seele im Verein bleibt", so Wagner.

Der 1. FC Magdeburg hat seine Profiabteilung 2017 ausgegliedert. Wie sind die Erfahrungen?

Mario Kallnik, Geschäftsführer der Spielbetriebs GmbH, erklärt: "Entweder, man hätte die bereits zu diesem Zeitpunkt bestehende 1. FC Magdeburg Stadion- und Sportmarketing GmbH liquidiert und alles dem e.V. übertragen oder, die gesamte Lizenzabteilung in die GmbH ausgegliedert. Die Mitglieder des Vereins entschieden sich für die zukunftsträchtige Lösung, die Ausgliederung der Lizenzabteilung in die GmbH."

Welche Vorteile sieht Kallnik?

"Im Profigeschäft gibt es enorme finanziellen Risiken. Mit der Ausgliederung wurde das existenzielle Risiko für den e.V. beseitigt. Durch die unterschiedlichen Strukturen sind Verantwortungs- und Aufgabenfelder klar aufgeteilt. Die gemeinsame Arbeit an der Weiterentwicklung des Vereins ist noch effektiver und zielorientierter geworden", sagt der Geschäftsführer. "Alle Mitarbeiter, ob im e.V. oder in der GmbH, arbeiten für den Erfolg des 1. FC Magdeburg. Das war vorher genau so wie nach der Ausgliederung. Unsere bisherigen Erfahrungen sind überwiegend positiv."

Dynamo Dresden ist neben dem FC St. Pauli oder Union Berlin einer der großen Vereine, die ihr Profiteam nicht ausgliedern. Warum?

"Es gibt bei uns im Verein absolute Einigkeit darüber, wie unser Weg in dieser Frage aussieht. Wir können überhaupt keine Vorteile darin erkennen, unsere Profimannschaft in eine Kapitalgesellschaft auszugliedern", sagt Dynamo-Geschäftsführer Michael Born. "Wir wollen keine Anteile verkaufen. Wir sind ein demokratischer Traditionsverein und wollen das auch bleiben. Der Verein gehört den über 22.000 Mitgliedern und sonst niemandem. Das wird auch so bleiben. Wir wollen niemals wieder zum Spielball eines Investors werden, das hat uns unsere Geschichte Anfang der 1990er-Jahre auf negative Art und Weise gelehrt. Wer sich mit seinem Unternehmen bei einem Verein engagieren will, kann dies immer und zu jederzeit als Sponsor tun. Dass das von vielen Unternehmen gelebt wird, beweist unsere großartige Sponsorenfamilie." (ts/tt/tp/sesi)

Bewertung des Artikels: Ø 3.8 Sterne bei 4 Bewertungen
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    0
    Letsop
    26.09.2018

    Für einen Außenstehenden ist es trotz der bisherigen Veröffentlichungen schwer, für oder gegen die Ausgliederung zu plädieren.

    Rein marktwirtschaftlich betrachtet bedeutet das für die Geldgeber (außer natürlich die Mitglieder) Folgendes:
    Als Sponsor für den Fußball ist mein Geld weg. Als Investor bin ich am Fussballgeschäft beteiligt und kann mich sogar wieder ausklinken.

    Fazit:
    In unserem oberklassigen Fussball hängt das ganze Geschehen mehr oder weniger vom Geld ab. Wenn ein Verein dank Mitgliedern und Sponsoren genug davon hat, sollte alles unter dem Dach des Vereins bleiben.
    Wenn es jedoch am Geld fehlt, ist sicherlich die Ausgliederung von Vorteil, wenn ausreichend potentielle Investoren vorhanden sind oder sich vielleicht sogar schon angeboten haben.



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