Abendkonzert zum Geburtstag auf dem Friedhof

Seit 60 Jahren spielt der Posaunenchor Neundorf zu den verschiedensten Anlässen. Zu seiner Jubiläums-Serenade hat er sich Verstärkung geholt.

Neundorf.

Samstagnachmittag trägt Jörg Nestler Stühle aus der Neundorfer Kirche zum Friedhof. Sein Blick geht prüfend gen Himmel. "Laut Handy-App soll es erst 21 Uhr regnen und ein bisschen Gottvertrauen sollte man schon haben", sagt das Mitglied des Kirchenvorstands lachend. Aus der Kirche erschallen Blechbläsertöne, die Musiker werden von Landesposaunenwart Siegfried Mehlhorn auf die Abendmusik vorbereitet.

Anlass der Serenade war der 60. Geburtstag des Posaunenchors Neundorf. Da die Neundorfer nur 17 Bläser zählen und einige von ihnen im Urlaub waren, hatten sie Gäste aus anderen Posaunenchören eingeladen: aus Cunersdorf und Geyer, aus Ehrenfriedersdorf, Hermannsdorf und Arnsfeld. Auch Musiker aus Mildenau und Königswalde verstärkten den Jubiläumschor.

Viele Besucher kommen auf den Friedhof, um dem dort stattfindenden Konzert zu lauschen. Es ist eine Mischung aus geistlichen Liedern und Volksliedern, die den etwa 70 Zuhörern auf dem Neundorfer Friedhof geboten werden. "Lobe den Herren, den mächtigen König" ist darunter, ebenso wie "Kommt ein Vogel geflogen", "Vergaß dei Haamit net", oder, es ist ja schließlich Pilzzeit und wir sind im Erzgebirge, der "Schwamme-Marsch".

Unter den Zuhörern ist Dieter Wagler. Er gehörte einst zu den ersten Mitgliedern des Posaunenchors, bis vor acht Jahren spielte er auch selbst mit. "Ich hatte damals Gitarre in einer Erzgebirgsgruppe gespielt, ich war der einzige Kerl unter lauter Mädchen. Als ich von der anstehenden Gründung des Posaunenchors erfuhr, habe ich sofort gewechselt", erzählt der 75-Jährige, der zunächst Flügelhorn und Waldhorn geblasen und dann ab 2001 Baritonhorn gespielt hat. Das Instrument stellte er aber nicht einfach in die Ecke, es wird jetzt von Markus Lämmel geblasen. "Dass die Instrumente an den Nachwuchs weitergegeben werden, hat bei uns Tradition", sagt Dieter Wagler.

Pfarrer Matthias Brand geht zwischen den Liedern auf die Traditionen der Posaunenmission in Sachsen ein, spricht davon, "den Menschen dort abzuholen, wo seine Seele ist", und wundert sich, dass sich nach den Musikstücken keine Hand regt. "Das ist doch bei uns in der Kirche ganz anders!"

Karla Nestler hatte im Posaunenchor Arnsfeld 1964 angefangen, Flügelhorn zu blasen, dem Posaunenchor Neundorf gehört sie seit 1974 an, und es macht ihr "einfach Spaß, zusammen zu muszieren". Fabian Oelschlegel ist erst seit einem Jahr dabei und müsste heute eigentlich für drei blasen, denn Bruder und Opa sind im Urlaub. "Mir gefällt es hier sehr gut, ich bin gut aufgenommen worden und für drei blasen, müsste schon gehen, denn ich habe genügend Luft", sagt der Elfjährige.

Die Neundorfer waren in diesem Jahr beim Deutschen Evangelischen Posaunentag in Dresden dabei, als am Elbufer und um die Kreuzkirche geblasen wurde. "Besonders beeindruckend war das gemeinsame Musizieren von mehr als 22.000 Bläsern im Fußballstadion, das hat einen Motivationsschub gegeben", sagte Matthias Lämmel, der Leiter des Posaunenchors.

Als die Besucher und Bläser am Samstag nach der Serenade nach Hause gingen oder fuhren, tröpfelte es leicht vom Himmel. Das Zusammenspiel aus Wetter-App und Gottvertrauen hatte gepasst.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...