Als Geyersdorf Motorsport-Mekka war

Vor 40 Jahren stieg das letzte Annaberger Bergrennen. Zehntausende Zuschauer säumten damals die Rennstrecke.

Geyersdorf.

Am 2. September 1979, also vor 40 Jahren, fand zum sechsten und damit vorerst letzten Mal das legendäre Annaberger Bergrennen statt. Zehntausende Fans und Zuschauer säumten damals die Rennstrecke in Geyersdorf. Von den Fahrern auf ihren Renn- und Serienmotorrädern sowie von den Automobilpiloten mit Rennsportwagen, Tourenwagen und Formel-Fahrzeugen wurde Motorsport vom Feinsten geboten. Bekannte Marken, wie MZ, Jawa, Trabant, Wartburg, Lada, Skoda und Melkus waren am Start. Auch Simson-Rennmaschinen düsten die kurvenreiche Strecke, die 1,7 Kilometer lang war, im Renntempo nach oben.

Aus dem Annaberger Raum waren viele Fahrer erfolgreich am Start - oder einfach nur zum Spaß: auf ihren Motorrädern zum Beispiel Matthias Sturm, Andreas Schuffenhauer, Harry Teucher, Eckhard Thumser und Gerald Buschmann, um nur einige wenige zu nennen. Bei den Automobilfahrern muss man die einheimischen Dietmar Graupner, Manfred Günther, Sieghard Sonntag, Peter Schwarz und Horst Gebhard erwähnen. Nachdem das 1. Annaberger Bergrennen im Oktober 1962 in Annaberg gestartet worden war, dabei gingen 85 Fahrer mit Serienmotorrädern in fünf verschiedenen Klassen auf die Strecke, vergingen fast 13 Jahre, bis am 25. Mai 1975 das 2. Annaberger Bergrennen anstand, nun auf der Rennstrecke in Geyersdorf. Die Strecke war 1,5 Kilometer lang und wurde ab dem 3. Annaberger Bergrennen um 200 Meter auf 1,7 Kilometer verlängert. Bei ersten Rennen in Geyersdorf waren so bekannte Fahrer wie Johannes Kehrer, Bernd Meyer, Peter Kehrer, Ulrich Hartmann, Roland Prüfer und Wolfgang Kaden am Start. Etwa 80 Motorräder und 30 Autos waren auf der Strecke, 25.000 Zuschauer gekommen. Bei den späteren Rennen standen bis zu 150 Motorräder und 40 Wagen in der Startliste. In den Jahren 1976 bis 1979 gab es Rennen zur DDR-Meisterschaft in den beiden Rennsportwagenklassen bis 1150 ccm und bis 1300 ccm. Spyder waren ebenso am Start sowie Melkus RS 1000 und schnelle Trabant. 1978 und 1979 fuhren dann auch Rennwagen der Klasse "Formel Junior" bis 600 ccm um Meisterschaftspunkte. 1978 gab es in der Rennmaschinen-Lizenzklasse bis 125 ccm einen Meisterschaftslauf. Es siegte Frank Wendler vor Bernd Dörffeldt und Wolfram Trabitzsch. Alle drei waren internationale Spitzenfahrer.


Unter dutzenden Begebenheiten ist bemerkenswert, dass im Jahr 1976 alle drei Melkus-Wagen - Vater Heinz und seine Söhne Ulli und Peter - am Start waren. Heinz und Peter fuhren ihre legendären RS 1000 und Ulli in der "Formel Easter". Im selben Jahr waren auch Reiner Brand und Hans-Dieter Kessler mit ihren schnellen Renntrabis am Start. Samstagabend waren sie auf eine Hochzeit geraten und etwas "versumpft", wie Reiner Brand erzählt. "Dadurch hatten wir am Sonntag zum Bergrennen einen ziemlich schweren Kopf. Aber die 40.000 Zuschauer entschädigten für alles."

Nicht zu vergessen darf man natürlich die zwei Frauen, die in der Männerdomäne Rennsport mitmischten. So war Helga Heinrich von 1976 bis 1978 drei Mal mit verschiedenen Spyder-Rennsportwagen am Start. Die zweite Frau war Dolores Herbst aus Schmölln, sie ging mit einer Jawa 350 in den Jahren 1976 und 1977 auf die Strecke. Was sicher nicht viele wissen: der weithin bekannte Streckensprecher Lutz Weidlich war beim 6. Bergrennen 1979 mit seinem Renntrabi am Start und gewann das letzte Tourenwagenrennen in Geyersdorf.

Der einzige Geyersdorfer, der an den Rennen teilnahm, ist Andreas Schuffenhauer. Er startete in den Jahren 1976 und 1977 mit einer MZ RT 125 und von 1978 bis 1979 mit einer MZ TS 250. 1978 gelang ihm der Sprung aufs Siegerpodest mit Platz 3. Ein zweiter Geyersdorfer fuhr auch beim Bergrennen mit, nämlich Christoph Sudra mit seinem Oldtimermotorrad, bei Präsentationsfahrten vor dem eigentlichen Rennen. Auch die Zuschauer sollen nicht unerwähnt bleiben. Sie zimmerten sich Hochsitze, saßen auf dem Dach der Turnhalle und auf anderen Häusern und Scheunen sowie auf Bäumen. Alles war wunderbar geschmückt, und die Versorgung klappte gut. Nach Beendigung der Veranstaltung verschwanden immer wieder, auf unerklärliche Weise, Strohballen. Kinder liefen die Strecke ab und sammelten Flaschen und zurückgelassene Programmhefte und was sie sonst noch interessantes finden konnten. Dieser Tatsache ist es wohl auch zu verdanken, dass bei vielen Geyersdorfern noch einige Raritäten vom Bergrennen zu finden sind.

Kurzzeitig wiederbelebt wurde die Bergrennstrecke in den Jahren 2013, 2014 und 2015, als die Teilnehmer der Rallye Erzgebirge die ehemalige Rennstrecke als Höhepunkt einer Wertungsprüfung unter die Reifen nahm. Und es kamen wieder viele Zuschauer. Die älteren wurden sofort an die Bergrennzeit erinnert und schwelgten in schönen Erinnerungen, die langsam in Vergessenheit geraten.

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