Andrang bei den Klöppeltagen: Spitzenkunst zeigt sich vielfältig

Das Interesse an der filigranen Handarbeit ist ungebrochen. Das liegt auch an verschiedenen Materialien, wie die Jubiläumsauflage der Veranstaltung in Annaberg zeigte. Es gab aber Zeiten, da waren etwa Klöppel Mangelware.

Annaberg-Buchholz.

Der Besucherandrang im Haus des Gastes "Erzhammer" wollte am Wochenende trotz sonnigem Spätsommerwetter kein Ende nehmen. Was die Gäste in den Bann zog, war ein Kunsthandwerk mit einer etwa 450-jährigen Tradition im Erzgebirge. Im Vergleich dazu sind die Annaberger Klöppeltage, die zum 30. Mal ausgerichtet wurden, noch jung. "Wo anfangen und wo aufhören?", meinte Sieglinde Schwarz angesichts des vielfältigen Angebots. Die Chemnitzerin kommt zwar nicht regelmäßig, "aber doch recht oft" zu den Klöppeltagen. Sie hatte bereits ihre zweite Runde durch den "Erzhammer" absolviert. Damit war sie nicht allein. "Mit einmal kann man hier wirklich nicht alles entdecken. Es ist bewundernswert, was die Mäd hier so auf ihre Klöppelsäcke zaubern", sagte ein Gast aus Schwarzenberg.

Vorführungen, Ausstellungen, Modenschauen: Die Klöppeltage waren vollgepackt. Dabei konnten Besucher Traditionelles ebenso entdecken wie moderne Varianten. "Man kann eigentlich mit allem klöppeln, was ein Faden ist", erklärte Manuela Fischer. Die Leiterin der Klöppelschule im "Erzhammer" hat dies schon zur genüge in die Praxis umgesetzt. Sogar eine geklöppelte Lichterkette gehört zu ihren Kunstwerken. Natürlich hat sie sich auch für das Jubiläum der Klöppeltage etwas Besonderes einfallen lassen - eine Arbeit im XXL-Format, die an der Fassade des "Erzhammers" angebracht worden ist. Zirka 3,50 Meter Polypropylenseil mit einem Durchmesser von einem Zentimeter wurden dafür verwendet, dicke Holzplatten statt einem Klöppelsack und sieben Zentimeter lange Nägel statt Nadeln. Wie sie im sozialen Netzwerk Facebook beschreibt, dauerte die Arbeit an der XXL-Spitze etwa 35Stunden.

So kompliziert das Handwerk für Laien aussehen mag: "Klöppeln ist keine Hexerei. Es gibt zwei Bewegungen, drehen oder kreuzen", erläutert Manuela Fischer. Sie selbst klöppelt seit ihrem fünften Lebensjahr, war schon Vize- und Klöppelkönigin. Die Annaberger Klöppeltage erlebt sie seit 20 Jahren aktiv mit, so lange ist sie die Leiterin der Klöppelschule. Wie die Veranstaltung selbst, hat sich auch das Kunsthandwerk weiterentwickelt und bietet eine große Bandbreite. Inzwischen werden sehr unterschiedliche Materialien verarbeitet. "Zum Beispiel Edelstahldraht für Schmuck."

Was aber macht den besonderen Reiz dieses Hobbys aus? "Ich finde vor allem Ruhe dabei", sagt Anita Werner. Die 81-Jährige weiß seit 1947 mit den Klöppeln umzugehen. Mit einer Ausnahme gehörte die Mitstreiterin im Klöppelverein Ehrenfriedersdorf auch stets zu den Gästen der Großveranstaltung. Während es heute alle möglichen Materialien und Utensilien im Überfluss gibt, erinnert sie sich daran, dass gerade Holzklöppel zu DDR-Zeiten mitunter Mangelware waren. "Du musstest jemanden kennen, der jemand kannte, um an solche Sachen zu gelangen", schildert sie.

Geklöppelt wird indes längst nicht nur im Erzgebirge, das Kunsthandwerk ist international. Und wie der Sächsisch-Erzgebirgische Klöppelverband kümmert sich auch der Deutsche Klöppelverband um die Erhaltung und Verbreitung dieser Tradition.

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