Bergmännisches Brauchtum wird im Erzgebirge intensiv gepflegt

Ein Landesverband mit 64 Vereinen bewahrt die Tradition. Beim Rück- und Ausblick in Schneeberg ein Thema: der Nachwuchs.

Schneeberg.

48 Pfund Rindfleisch, 16 Forellen, sieben Pfund Schinken und 420 Liter Bier soll es unter anderem einst gegeben haben beim Bergschmaus zur "Generalbefahrung" in aktiven Schneeberger Bergbauzeiten. Mit Suppe, belegten Brötchen, Knacker und Salat fiel das Abendessen des Sächsischen Landesverbands der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine diesmal bescheidener aus. Das gab es jetzt in Schneeberg nach der Generalbefahrung - einst Bestandsaufnahme von Bergwerken, um die künftige Arbeit zu planen, heute Bilanz und Ausblick zur Vereinsarbeit.

Eingeladen war in die Fundgrube Weißer Hirsch, Domizil der Bergsicherung Schneeberg. Ein Ort, der im Sommer als Teil der "Montanregion Erzgebirge" vielleicht zum Weltkulturerbe der Unesco ernannt wird. Außerdem lebt hier der Bergmannsberuf weiter. 110 Mitarbeiter hat die Bergsicherung, wie Geschäftsführer Bernd Schönherr sagte. Sieben Lehrlinge werden zum Berg- und Maschinenmann ausgebildet. "Die könnten jederzeit auch im klassischen Bergbau arbeiten", so Schönherr. Mit Kobalt gebe es in Schneeberg sogar ein Erz, das heute wieder große Bedeutung habe.


Die 64 Mitgliedsvereine in der sächsischen Dachorganisation widmen sich vor allem der Traditionspflege. Mehr als 3500 Mitglieder - Männer, Frauen, Kinder - laufen auf zu Bergparaden, machen Musik, betreuen Besucherbergwerke, sammeln und erforschen Mineralien, leisten vieles mehr. Drei Vereine wurden 2018 neu aufgenommen in den Verband. Dessen Wurzeln sind 90 Jahre alt: 1929 wurde der erste Verein dieser Art in Ehrenfriedersdorf gegründet.

Mit einem Arbeitskreis ging es in der DDR-Zeit weiter, 1990 entstand der Landesverband. "Wir haben zugelegt bei den Mitgliederzahlen", sagte der zweite Vorsitzende, Heino Neuber (41). Auch dieses Jahr komme mindestens ein Verein hinzu. Neuber selbst leitet die Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlereviers mit 142 Mitgliedern: "Gerade haben wir zwei Kinder für die Umzüge im Habit dazugewonnen." Nachwuchs zu begeistern, sei nicht so leicht, wenn der aktive Bergbau fehlt. Aber wichtig, um das Brauchtum im Bewusstsein der Erzgebirger zu erhalten. Denn "als Identität nach innen und außen ist Bergbau da. Wenn das fehlt, wird die Region auswechselbar", betont Neuber.

Das tun die Bergleute zum Beispiel mit Paraden, besonders in der Adventszeit. 4700 Trachtenträger und 2047 Bergmusikanten waren 2018 in Sachsen unterwegs. Verbandsvorsitzender Ray Lätzsch aus Schneeberg sieht für lokale Organisationen auch eine soziale Aufgabe. Man gebe Menschen Gelegenheit, sich einzubringen, etwas für die Heimat zu tun. Der 49-Jährige ist auch Vorsitzender der 120 Mitglieder starken Bergbrüderschaft Schneeberger Bergparade. Die organisiere mit der Bergsicherung jährlich ein Fest für behinderte Menschen - auch das tun Bergleute heute. In Hohenstein-Ernstthal arbeitet der Freundeskreis Geologie und Bergbau sogar wissenschaftlich. Da spielen Mineralien eine große Rolle. Außerdem betreuen die 60 Mitglieder ein Besucherbergwerk. Und sie haben Erfolg in der Nachwuchsarbeit. "Vor etwa 15 Jahren gründeten wir eine Jugendgruppe", berichtet Vorsitzender André Schraps (50). Viele Kinder von damals seien heute reguläre Mitglieder im Verein.

Am Gewinnen von Nachwuchs will der Landesverband 2019 dranbleiben. Außerdem werde der Vorstand neue Wege gehen, um Finanzen für die Arbeit zu erhalten, sagte Lätzsch. Am neuen optischen Auftritt mit Briefkopf, Logo und Internetdarstellung wird gearbeitet. Das Logo mit zwei Bergleuten, die sich aufs sächsische Wappen stützen, gibt es bereits. Das Design stammt aus der Feder der Oelsnitzerin Ute Günther. Die Webseite ist in Arbeit und soll 2019 online gehen.

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