Bündnisgrüne haben nun auch "Rote Pfütze" mit im Blick

Noch ist zum Naturschutzgroßprojekt im Landkreis nichts konkret entschieden. Selbst nach dem Bürgervotum ist die Debatte weiter am Laufen. Auch zu einem Zusatzvorschlag.

Annaberg-Buchholz.

Der "Naturentwicklungsraum Rote Pfütze" stößt offenbar nun auch bei den Bündnisgrünen im Kreis auf Interesse. Das Landschaftsgebiet zwischen Scheibenberg, Elterlein und Geyer hatte Ende des vergangenen Jahres Wolfgang Riether, Vorstandschef von Pro Naturschutz Sachsen, zu den offiziell vorgeschlagenen drei Arealen für ein Naturschutzgroßprojekt im Erzgebirgskreis ins Spiel gebracht. Das vorgeschlagene Projektgebiet besitzt überregionale Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz. Zahlreiche Tiere und Pflanzen von in Deutschland vom Aussterben bedrohten beziehungsweise stark gefährdeten Arten haben dort laut Riether ihre Heimat, etwa Hochmoor-Laufkäfer, Bachneunauge, Kammmolch, Schwarzstorch und Hochmoor-Gelbling.

Die "Rote Pfütze" basiert auf jahrzehntelanger Erfahrung und Wissen in diesem Naturraum, sieht Riether einen Vorteil. Vor allem sei es vor Ort entwickelt und nicht einfach "von oben übergestülpt" worden. So hege sein Verein zu jedem der drei anderen von einem Planungsbüro vorgeschlagenen Projektgebieten Bedenken. "Das Gebiet von Elterlein bis Oberwiesenthal ist viel zu weitläufig. Im Gebiet zwischen Satzung und Rübenau finden derzeit schon viele Moor-Revitalisierungsmaßnahmen statt. Und auch im Gebiet Annaberg-Königswalde-Mildenau laufen bereits umfangreiche Maßnahmen zur Heckenförderung", brachte Riether jüngst seine Bedenken auch bei einem Gedankenaustausch mit Mitgliedern der Kreistagsfraktion der Grünen vor.

Schon im vergangenen Jahr hatte er in Dresden für die "Rote Pfütze" geworben und das Projekt auch an Landrat Frank Vogel sowie an alle Kreistagsfraktionen gesandt - mit der Hoffnung, auch Alternativen öffentlich diskutieren zu können. "Bis auf die AfD haben sich eigentlich alle gezuckt", so Riether. Noch vor dem entscheidenden Kreistag am 25. März wollen sich auch die Freien Wähler mit Riether zusammensetzen. Zudem habe es viele Gespräche außerhalb der offiziellen Schiene gegeben. "Der ,Naturentwicklungsraum Rote Pfütze' ist ein interessanter Vorschlag. Für einen normalen Kreisrat allerdings ist das komplexe Thema nicht so einfach zu überschauen. Da muss die Fachbehörde ran", empfahl etwa Linke-Fraktionschef Frank Dahms. Prinzipiell sei seine Fraktion für alles, was der Natur zugute komme.

Vorerst enttäuscht hingegen ist Riether von den Behörden. Statt Gesprächsangebote habe es nur lapidare Antworten gegeben, dass die Idee seines Vereins in den weiteren Projektphasen berücksichtigt werde. Für Riether zu wenig. Denn die Idee vom "Naturentwicklungsraum Rote Pfütze" sei schon bis 2003 zu einem bewilligungsreifen Antrag für ein Naturschutzgroßprojekt entwickelt worden. "Fachlich wurde es damals seitens des Bundesamtes für Naturschutz befürwortet sowie seitens des Sächsischen Landesamtes für Umwelt und Geologie und des Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft mitgetragen", so Riether. Auch die damaligen Landräte hatten dieses Projekt unterstützt. Nur Elterlein habe sich quer gestellt.

Beim Gedankenaustausch mit den Grünen ist man sich laut Kreisrat Kay Meister einig gewesen, dass für eine ausgewogene und fachlich realistische Entscheidung des Kreistages Ende März das Wissen und Engagement aller Betroffenen wichtig sind. Als positiver Moment wurde gesehen, dass sich der "Naturentwicklungsraum Rote Pfütze" mit Teilen eines der drei Gebietsvorschläge des Planungsbüros decke. Und die Grünen sagten Riether zu, auch die Projektskizze von Pro Naturschutz zu unterstützen. "Zumal für die Entscheidung des Kreistages am 25. März der genaue Gebietsumriss noch nicht Gegenstand sein wird", so Meister. "Vielmehr geht es erst einmal darum, ob das Projekt überhaupt angegangen werden soll", stellte Dahms klar.

Die Online-Befragung Ende des Jahres hat zwar eine klare Antwort gegeben: Knapp 65 Prozent der Teilnehmer hatten sich uneingeschränkt für ein Naturschutzgroßprojekt eingesetzt. Andererseits zeigen die Diskussionen in den betroffenen Orten, dass es noch erhebliche Bedenken und Unklarheiten gibt. Der Stadtrat von Elterlein beispielsweise hat sich jetzt gegen ein Naturschutzgroßprojekt ausgesprochen. In der Bürgerfragestunde hatten Land- und Forstwirte starke Bedenken geäußert, etwa die Umwandlung von Acker- in Grünland betreffend. Dies könne existenzbedrohend werden.


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