Busse ersetzen an der Schanze Lift

Einmal mehr hat der WSC Erzgebirge mit dem Sommer Grand Prix in der Nordischen Kombination eine sportliche Großveranstaltung gestemmt - trotz eines Hindernisses.

Oberwiesenthal.

14 Busse sind von Freitag bis Sonntag zwischen dem Auslauf und dem Turm der Fichtelbergschanze gependelt. "Eine Strecke beträgt um die 7 Kilometer, die Fahrt dauert 12 Minuten", erklärt Mike Unger, einer der Piloten. Der Stützengrüner hat den Ausrichtern gleich zwei solcher Fahrzeuge spendiert, inklusive Sprit und Arbeitszeit. Denn dort, wo Skispringer einen Lift erwarten, hat er bei der dritten wichtigen Veranstaltung nicht funktioniert.

"Für uns sind nun für zweimal Sommer Grand Prix und einmal Deutsche Meisterschaft um die 20.000 Euro Mehrkosten aufgelaufen", sagt WSC-Geschäftsführer Christian Freitag mit einem Stirnrunzeln. Bislang seien zugesagte Ausgleichszahlungen ausgeblieben. "Die wird es aber geben", versicherte Bürgermeister Mirko Ernst schon vor dem Wettkampf. Solche wie Mike Unger halten trotz aller Widrigkeiten den Laden am Laufen. Der 53-Jährige, Vater von zwei Mädchen und zwei Jungen, hilft gern. Und der umtriebige Unternehmer unterstützt mit der Firma Volllast, die er mit Bruder Mirko leitet, viele Veranstaltungen und Vereine in der Region. "Wir helfen Ringern und Handballern in Aue, Wintersportlern in Stützengrün, Klingenthal und Oberwiesenthal, haben jetzt erst paar Scheine, einen Bus plus Tankkarte an die Rodler Julia Taubitz und Ralf Palik übergeben, damit die nach Lillehammer ins Trainingslager kommen. Das können wir nur, weil es unserer Firma gut geht", so der Chef von 27 Angestellten. Unter anderem verdient er mit einem Energy-Getränk Geld. Den Konzern Red Bull, dem er "absolute Weltklasse bei Marketing und Sponsoring" attestiert, wird er auf absehbare Zeit jedoch nicht als Branchenführer ablösen können. "Aber wir haben unseren Drink europaweit schützen und auf verbotene Substanzen prüfen lassen. Er ist für Sportler unbedenklich", versichert Mike Unger, der zudem das Obst für Sportler und Helfer des Grand Prix spendiert hatte. "Der Mike ist auf mehreren Ebenen eine große Hilfe", lobt WSC-Geschäftsführer Christian Freitag.

Ohnehin war er vom Einsatz der Helfer begeistert. Sie kamen längst nicht alle aus Erzgebirgsvereinen. Klaus Purucker aus Bischofsgrün, Michael Groß aus Klingenthal und Joachim Keck aus Friedrichshafen waren als Volunteers aktiv. "Ohne solche Leute würde es nicht funktionieren, zumal durch die Busfahrerei eine Menge Mehraufwand notwendig ist", betont Freitag. Der aber hätte eventuell vermieden werden können, wenn ein anderes Liftmodell gewählt worden wäre. "Wir haben jedenfalls Bedenken in Bezug auf den Mountainstepper angemeldet", sagte Sportdirektorin Karin Orgeldinger. "Doch wenn der dann mal läuft, ergänzt er dieses Schmuckkästchen Oberwiesenthal. Denn für uns im Deutschen Ski-Verband spielt der hiesige Standort eine ganz zentrale Rolle", so die 50-Jährige.

So sieht es auch der Bürgermeister. Er attestiert den Technikern, die den Prototypen zum Laufen bringen sollen, hohes fachliches Wissen und Engagement. "Bis September", so Ernst, "wird der Aufzug laufen. Jetzt fehlt nur noch eine Art Kraftmessmodul, das Unfälle mit dem doppelten Türsystem verhindert." Der Aufzug gilt als eine der Voraussetzungen für die Junioren-Weltmeisterschaft, die 2020 am Fichtelberg ausgetragen werden soll. Die Hoffnung, dass alles gut wird, wächst, die Verantwortlichen sehen Licht am Ende des Tunnels. Und Mike Unger kann 2020 vielleicht mal zuschauen, anstatt Bus zu fahren.

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