Chefsessel im Theater ausgeschrieben

Vor zehn Jahren hat Ingolf Huhn die Nachfolge von Hans-Hermann Krug im Eduard-von-Winterstein-Theater angetreten. Jetzt ist der Chefsessel des Hauses neu ausgeschrieben. Anlass für Debatten.

Annaberg-Buchholz.

Das Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz weiter ausbauen "zu einem kleinen Juwel, der bis in den letzten Ort des Erzgebirgskreises strahlt". Das hatte sich Intendant Ingolf Huhn vorgenommen, als er vor zehn Jahren die Nachfolge von Hans-Hermann Krug angetreten hat. Gelungen ist ihm das unter anderem auch durch seine Arbeit als Opern-Archäologe. Sein Führungsstil war dabei allerdings nicht immer unumstritten. Nun ist die Stelle neu ausgeschrieben. Und diese Entscheidung sorgt für Diskussionen.

"Der bis 31. Juli 2021 laufende Vertrag ist nicht verlängert worden, da Herr Dr. Huhn bis dahin die Regelaltersgrenze erreicht", heißt es dazu offiziell aus dem Landratsamt des Erzgebirgskreises, in dessen Trägerschaft sich das Theater befindet. Ein Argument, dass aber nicht alle gelten lassen, denn offiziell gibt es in künstlerischen Berufen wie diesen keine Altersbeschränkung. Und auch der Amtsinhaber hat durchaus noch Enthusiasmus zum Weitermachen, wie er im Gespräch bestätigt. Auch deshalb hat er seinen Hut noch einmal mit in den Ring geworfen. Insgesamt sind nach Angaben von Katja Peter, Pressesprecherin des Landratsamtes, 19 Bewerbungen für die Intendantenstelle eingegangen.

Mit Blick auf die wirtschaftliche Situation des Hauses heißt es: "Die wirtschaftliche Situation stellt sich angespannt, aber stabil dar." Sie habe sich in den zehn Jahren der Intendanz von Ingolf Huhn nicht grundsätzlich verändert. Es habe sowohl positive als auch negative Betriebsergebnisse gegeben. Wobei zu berücksichtigen sei, dass die Betriebsergebnisse durch die Sommersaison auf der Greifensteinbühne auch witterungsabhängig sind. Erhöht habe sich der Gesellschafterzuschuss im Laufe der Amtszeit des gebürtigen Magdeburgers, der nicht nur Opernregie in Berlin studiert hat, sondern auch Musikwissenschaft in Leipzig und dazu Theologie. Hat der Landkreis nach eigenen Angaben im Jahr 2010 rund 988.000 Euro bezahlt, so hat sich dieser Betrag bis zum vorangegangenen Jahr auf 2,1 Millionen Euro erhöht. Das sei aber auch auf die sich in den zurückliegenden Jahren stetig verbessernde tarifliche Situation der Belegschaft zurückzuführen. Auch die Zuschüsse des hiesigen Kulturraumes seien von annähernd 5,1 Millionen Euro 2010 auf mehr als 5,8 Millionen Euro im vorigen Jahr angestiegen.

Eine Entscheidung zur Intendanz hat das Landratsamt noch für das dritte Quartal angekündigt. Entscheiden werde über die Vergabe "eine im Abstimmung mit dem Betriebsausschuss gebildete Auswahlkommission". Derzeit liefen die Gespräche zur Vorauswahl. Zeit, die Befürworter einer weiteren Amtszeit ebenso für Meinungsäußerungen nutzen wie Gegner. So soll es Unterschriftenlisten von beiden Seiten geben. Unterdessen positioniert sich der Förderverein des Theater offen für einen Verbleib von Ingolf Huhn im Chefsessel des Theaters. Die Besucheranzahlen im Haus und auf der Naturbühne haben sich in den zurückliegenden Jahren stetig erhöht, führt Vereinsvorsitzender Rolf-Jürgen Schubert unter anderem als Argument an. Zudem hätten Funk und Fernsehen dank verschiedener "hervorragender Inszenierungen" dem kleinen Theater wesentlich mehr Bedeutung geschenkt. Eine Entwicklung, von der die gesamte Region profitiere.

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