Das große Krabbeln: Ein Kammerjäger zieht Bilanz

Wo Schädlinge oder Stechinsekten Panik verbreiten, beginnt für Wolfgang Husch der Alltag. In diesem Jahr, sagt er, hatte er so viele Wespen-Einsätze wie nie zuvor.

Hohenstein-Ernstthal.

Ameisen im Kindergarten, Mäuse in der Bäckerei, Taubenschwärme in der Fabrik, Wespen beim Zahnarzt. In 30 Jahren als Kammerjäger hat Wolfgang Husch schon vieles erlebt. Aber manchmal wird selbst der erfahrene Schädlingsbekämpfer noch überrascht. In der vergangenen Woche ist Wolfgang Husch zu einem Wespen-Einsatz nach Lichtenstein ausgerückt. In einer Gartenlaube hing gleich hinter der Tür ein riesiges Wespennest: 1 Meter mal 1 Meter. Ein Bau, in dem schätzungsweise 5000 Wespen lebten. "In der Größe habe ich das selten erlebt", sagt Husch. Den Eingang des Nestes hat der Schädlingsbekämpfer mit speziellem Pulver präpariert und ein Insektizid in den Bau gespritzt. Eine Woche später kam er zurück: die Arbeit war erledigt.

2015 war für Wolfgang Husch ein Wespenjahr, 2016 war gleich das nächste: Rund 200-mal war Husch seit Januar im Einsatz - davon allein 75 mal gegen Wespen. Gründe dafür seien wohl das warme Frühjahr und der kurze Winter, sagt er. "Ungewöhnlich viel ist das aber trotzdem, normalerweise ist im Oktober schon Ruhe", sagt der 60-Jährige.

Wenn er seine Schutzkleidung in den Kofferraum packt und zu Kunden fährt, dann geht es aber nicht nur um Wespen. In diesem Jahr bekämpfte Husch schon zehn Hornissenschwärme, 50 Ameisenvölker, 40 mal Mäuse oder Ratten, 25 mal Tauben. Schaben, sagt er, gebe es in der Region kaum noch: "Die hatten wir oft in DDR-Betriebskantinen."

Wenn sein Notruf-Handy klingelt, steht die Chance 50:50, dass es sich um einen privaten Auftrag im Umkreis von 30 Auto-Minuten um Hohenstein-Ernstthal handelt. Die andere Hälfte sind Anrufe von Polizei, Feuerwehr, Firmen, Schulen oder Kindergärten. Was genau ihn erwartet, weiß Husch erst, wenn er vor Ort ist - manchmal kann es gefährlich werden, nicht nur für ihn. Im Sommer vor einigen Jahren haben Hornissen ein Nest unter dem Dach einer Klinik gebaut. Da musste Husch aufs Dach der Kinderstation klettern, um an die Abdeckung zu kommen, hinter der die Tiere sich einquartiert hatten. "Solche akrobatischen Aktionen will ich heute nicht mehr machen", sagt Husch, "aber für die Patienten war das gefährlich." In Schulen und Kindergärten dagegen machen häufig Ameisen Probleme. Weil sie von Essensresten angezogen werden, entsteht das große Krabbeln häufig, wo Kinder Süßes hinterlassen. Gegen Ameisen setzt Wolfgang Husch Puder und Fallen mit Lockstoffen ein. "Chemie versuche ich dabei aber möglichst zu vermeiden", sagt der Kammerjäger.

Vor Kurzem musste Husch nach St. Egidien in eine Fabrikhalle, wo sich unter dem Dach 40 Tauben eingenistet hatten. Husch fing sie in Käfigfallen ein, deren Türen sich nur von außen öffnen. "Nach dem Fangen kommt der unangenehme Teil", sagt er. Die Tauben dürfe er nicht einfach woanders freilassen: "Tauben finden immer wieder zurück. Deshalb muss ich sie liquidieren."

Gerne macht Wolfgang Husch das nicht, denn er habe Hochachtung vor der Tierwelt. "Ich will so viele Tiere wie möglich schützen", sagt er. Auch das gehört in seine Bilanz des letzten Jahres: Fünf Bienenvölker hat Husch gerettet -auf die Aufträge und das Geld verzichtet. Die meisten könne er überzeugen, dass Bienen harmlos sind.

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