"Der Liebestrank" stiftet Verwirrung

Italienisch temperamentvoll wird es am Sonntagabend wieder im Eduard-von-Winterstein-Theater. Eine der beliebtesten komischen Opern erlebt Premiere in Annaberg-Buchholz.

Annaberg-Buchholz.

Innerhalb von nur 14 Tagen soll Gaetano Donizetti sein Werk "L'elisir d'amore" komponiert haben - zu deutsch: "Der Liebestrank". Nach der Uraufführung im Mai 1832 in Mailand wurde das Werk bald in ganz Europa gespielt und gehört bis heute zu den beliebtesten komischen Opern überhaupt. Der Komponist hat darin die heiter-melancholische Liebesgeschichte von der selbstbewussten Gasthofswirtin Adina und dem jungen, mittellosen Bauern Nemorino in anmutig leichte, hinreißende Musik umgewandelt. Das wohl bekannteste Stück daraus ist Nemorinos poetische Tränen-Romanze. Am Sonntagabend erklingt sie auf der großen Bühne im Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz - dargeboten von Tenor Jason Lee. Der gebürtige Amerikaner gehört seit etwa anderthalb Jahren zum Ensemble des hiesigen Musiktheaters.

Ganz anders die weibliche Hauptrolle des Abends. Sie wird einmal mehr von Sopranistin Madelaine Vogt gesungen. Für sie ist es mittlerweile die 15. Spielzeit am Annaberg-Buchholzer Theater. Fast 60 Partien hat sie bereits gesungen - und dabei immer wieder aufs Neue ihre Vielseitigkeit unter Beweis gestellt. So hat sie sich unter anderem mit der Partie der gelangweilten Landadeligen "Martha" in der gleichnamigen Oper von Friedrich von Flotow einen ganz persönlichen Wunsch erfüllt, hat als schießwütige Annie im gleichnamigen Musical "Annie get your gun" - was auf deutsch so viel bedeutet wie "Annie schieß los" - von Irvin Berlin nicht nur bei ihrem Kontrahenten, dem Meisterschützen Frank Butler, voll ins Schwarze getroffen und hatte als temperamentvolle Mehlspeisköchin Vroni Staudinger in Fred Reymondas "Saison in Salzburg" ganz in der Tradition der unvergessenen Liselotte Pulver vielfach die Lacher auf ihrer Seite.

Ganz ohne Situationskomik kommt auch die neue Inszenierung nicht aus, für die Regisseurin Birgit Eckenweber verantwortlich zeichnet. Auch, weil sie sich dem Stoff und auch den Figuren durchaus mit einem Augenzwinkern nähert, erzählt Madelaine Vogt von der kurzen, aber intensiven Probenarbeit. Und doch ist es einmal mehr der vermeintlich leichte Stoff, der schwer zu spielen ist. Alles sei sehr pointiert - auch die Musik. Und es gehe alles sehr, sehr schnell: "Die Handlung treibt einen durch das Stück - und auch die Musik drängt." Reichlich zwei Stunden auf der Bühne, die also höchste Konzentration erfordern - sowohl bei den Akteuren auf der Bühne, als auch beim Publikum vor der Bühne.

Komplettiert wird das Quartett der vier Hauptakteure von Bass László Varga. Er spielt den Quacksalber Dulcamara, der in dem kleinen italienischen Dorf mit seinem vermeintlichen Liebestrank für reichlich Verwirrung sorgt. Und von Bariton Jason-Nandor Tomorry, der als Sergeant Belcore einmal mehr die Rolle des Fieslings übertragen bekommen hat. In kleineren Rollen agieren zudem Bridgette Brothers als Wäschermädchen Gianetta und Matthias Stephan Hildebrandt als ein Notar. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Generalmusikdirektor Naoshi Takahashi. Für die Ausstattung zeichnet Kristina Böcher verantwortlich.

Mit der Premiere für die sechste Eigeninszenierung in dieser Spielzeit soll außerdem eine alte Tradition wieder neu belebt werden: die Premierenfeiern. "Wir wollen sie gern wieder etablieren", kündigt Theatersprecher Chris Brinkel an. Das heißt, nach der Premiere besteht für das Publikum die Möglichkeit, nach einer kurzen Pause mit den Darstellerinnen und Darstellern des jeweiligen Stückes in lockerer und ungezwungener Atmosphäre ins Gespräch zu kommen. Dazu wird jedem Gast von Seiten des Theaters ein Glas Sekt spendiert. Nach der Opernvorstellung am Sonntagabend wird also nun zum ersten Mal wieder zu einer Premierenfeier ins Foyer auf dem Rang eingeladen. "Noch ist es ein Experiment, das vorerst bis zum Ende der Hauspielzeit Ende Mai läuft", erläutert Chris Brinkel. Werde das Angebot vom Publikum gut angenommen, könne es aber in der nächsten Spielzeit durchaus eine Fortsetzung geben.

Die Premierenvorstellung "Der Liebestrank" findet am Sonntag im Eduard-von-Winterstein-Theater statt. Sie beginnt 19 Uhr. Als nächste Vorstellungstermine stehen der 22. Januar und der 8. Februar auf dem Spielplan - jeweils ab 19.30 Uhr. Die Aufführung am 23. Februar beginnt bereits 15 Uhr. Karten sind im Servicebüro des Theaters erhältlich (Telefon 03733 1407131).


Das Stück

Der junge, mittellose Bauer Nemorino liebt Adina, die im Dorf einen florierenden Gasthof betreibt und stolz ist auf ihre Unabhängigkeit. Sie aber weist jede von Nemorinos Liebesbekundungen ab. Er ist verzweifelt. Zu allem Unglück bezieht auch noch der draufgängerische Sergeant Belcore mit einer Abteilung Soldaten Quartier in Adinas Hof und wirbt sofort um die Wirtin. Da schlägt der reisende Quacksalber Doktor Dulcamara seinen Verkaufsstand auf dem Dorfplatz auf und verspricht, gegen jedes körperliche Leiden und jeden seelischen Kummer ein Mittel im Gepäck zu haben. Auch für den unglücklichen Nemorino hat er natürlich etwas parat: einen Liebestrank! Der allerdings erst in vierundzwanzig Stunden wirken wird. Nemorino kauft mit seinem letzten Geld den blutroten Zaubertrank. Und der entfaltet tatsächlich Wirkung: Nemorino interessiert sich nicht mehr sonderlich für Adina, sondern ist plötzlich selbst Gegenstand der Aufmerksamkeit aller jungen Dorfschönen. Von da ab überschlagen sich die Ereignisse: Nemorino befördert seinen Nebenbuhler Belcore aus dem Rennen und erobert das stolze Herz Adinas im Sturm. Und das verschlägt selbst Dulcamara die Sprache.

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