Ein Echo-Preisträger geht in Annaberg auf Brautschau

Carl Millöckers Operette "Der Bettelstudent" erlebt am Sonntag im Eduard-von-Winterstein-Theater ihre Premiere. Für einen der Akteure hat dieses Werk eine besondere Bedeutung.

Annaberg-Buchholz.

Er ist der Jüngste im Kreis der Komponisten der klassischen Wiener Operette: Carl Millöcker. Die Operette "Der Bettelstudent" gilt als sein erfolgreichstes Werk. Nach der Uraufführung 1882 im Theater an der Wien wurde es zwei Monate lang jeden Abend gespielt und stand dann im Verlauf der nächsten zwei Jahre insgesamt 150-mal auf dem Spielplan. Aber auch für Sänger Marcus Sandmann hat dieses Stück eine besondere Bedeutung - begleitet es ihn doch seit dem Beginn seiner musikalischen Laufbahn.

Noch während seines Gesangsstudiums an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" in Berlin gab es für ihn die erste Begegnung damit - damals am Metropol-Theater in Berlin. Fortan sollte ihn die Rolle des Jan Janicki - Freund des Bettelstudenten Symon Rymanowicz, der in der Geschichte zum falschen Fürsten auserkoren wird - durch sein Bühnenleben begleiten. Denn sowohl während seines vierjährigen Engagements am Mittelsächsischen Theater in Freiberg, als auch am Theater Plauen-Zwickau, wo er seit der vorangegangenen Spielzeit festes Ensemblemitglied ist, war das seine erste Rolle. Und natürlich auch als er das erste Mal als Aushilfe auf die Bühne des Eduard-von-Winterstein-Theaters geholt wurde, ging es um genau diese Rolle. Das war noch in seiner Zeit in Freiberg.

Seither ist der Tenor auf der Bühne des heimischen Theaters regelmäßig als Gast zu erleben. Als Sänger und Darsteller taucht er in den verschiedensten Rollen auf: in "Lollipop" beispielsweise und in "Madame Pompadour", in "Die Blume von Hawai" oder auch in Lortzings "Der Waffenschmied". Aber auch Rollen wie Pedrillo und Tamino in Mozarts "Die Entführung aus dem Serail" und der Monostatos in "Die Zauberflöte", der Wenzel in Smetanas "Die verkaufte Braut", der David in Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg", der Lenski in Tschaikowskis "Eugen Onegin", der Pang in Puccinis "Turandot", der Iwanov in Lortzings "Zar und Zimmermann" und die Knusperhexe in Humperdincks "Hänsel und Gretel" gehören zu seinem Repertoire. Und natürlich als beliebter "Dauerbrenner" - die Rolle des Seppl in "Der Räuber Hotzenplotz" auf der Freilichtbühne an den Greifensteinen.

Dort wird der gebürtige Berliner allerdings in diesem Jahr nicht zu hören und zu sehen sein. Auch, weil er zur Freude seiner Familie und vor allem seiner Kinder in diesem Sommer endlich einmal einige freie Tage genießen könne. Nachdem er vier Jahre in Freiberg, 14 Jahre freischaffend an unterschiedlichen Häusern in Sachsen und jetzt in Plauen-Zwickau nahezu durchgearbeitet hat. Dazu kommen regelmäßige Gastauftritte in anderen Theatern - wie eben beispielsweise in Annaberg-Buchholz. Da kommen im Jahr an die 50.000 Kilometer zusammen, die Marcus Sandmann zwischen seinem Wohnort in Dresden und seinen Einsatzorten pendelt. Der Vorteil an der Vielfahrerei: "Ich lerne im Auto meine Texte", erzählt er. Gesungen werde allerdings im Auto nicht.

Die Operette liegt ihm. Er mag die Komplexität aus Singen, Tanzen, Sprechen und Spielen. Auch wenn es ein "schwieriges Metier für alle" ist. Denn in der Operette würden alle Nuancen ausgeschöpft - von der Heiterkeit bis zur Ernsthaftigkeit. Und "Der Bettelstudent" ist für den Gewinner des Echo-Klassik-Preises 2005 sowieso eine "großartige" und "spannende" Operette, zumal Regisseurin Sabine Sterken in ihrer Inszenierung in Annaberg-Buchholz eine gelungene Verbindung zwischen der damaligen und der heutigen Zeit schaffe.

Ein Selbstläufer werde allerdings auch diese Aufführung für ihn nicht, obwohl er die Rolle des Jan schon so oft gespielt hat. "Es gibt verschiedene Textfassungen des Werkes", erläutert er. Der gesamte Text werde aber nie gespielt, es gebe immer wieder Streichungen. "Aber die Striche werden immer unterschiedlich gemacht - wie auch die einzelnen Figuren immer wieder anders angelegt sind." Deshalb seien Proben immer wieder wichtig. Auch, um sich auf die Kollegen des jeweiligen Ensembles und die Abläufe der jeweiligen Inszenierung einzustellen. Allerdings wird Marcus Sandmann aus terminlichen Gründen nicht in allen Aufführungen im hiesigen Theater singen. Dann springt der freischaffende Tenor Kim Schrader aus Berlin ein, derzeit als Gast am Theater in Magdeburg.

"Der Bettelstudent" hat am Sonntag im Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz Premiere. Die Aufführung beginnt 19 Uhr.


"Der Bettelstudent" - Millöckers erfolgreichstes Werk

Es ist die Zeit, in der Kurfürst August der Starke auch König von Polen ist. Oberst Ollendorf, sächsischer Gouverneur in Krakau und kein Kind von Traurigkeit, wirbt bei einem Ball auf seine sehr direkte Art um die stolze polnische Komtesse Laura Nowalska. Als er sie dabei auf die Schulter küsst, schlägt sie ihm entrüstet mit dem Fächer ins Gesicht. Diese Blamage nimmt Ollendorf übel! Er sinnt auf Rache und hat auch schon eine Idee.

Wissend, dass Lauras Mutter Gräfin Palmatica, die ihre Tochter bald verheiraten will, ebenso standesbewusst wie arm ist, will er Laura mit einem falschen Fürsten als möglichem Heiratskandidaten bekannt machen. Bei einer Inspektion im Krakauer Gefängnis findet er den geeigneten Kandidaten für diese Rolle: Symon Rymanowicz, ein Bettelstudent, und dessen Freund Jan Janicki, der für die Rolle des Fürstenbegleiters auserkoren wird. Ollendorf verspricht den beiden die Freiheit und einen Batzen Geld, wenn sie das Spiel mitspielen.

Und sie spielen mit.

Bald darauf betritt Symon als angeblich steinreicher Fürst Wybicki auf Brautschau in Begleitung seines angeblich fürstlichen Sekretärs das gesellschaftliche Parkett Krakaus. Laura verliebt sich sofort in Symon, ihre jüngere Schwester Bronislawa in Jan. Die Mama ist entzückt. Schnell wird Verlobung gefeiert und die Hochzeit von Laura und Symon. Aber noch während des Festes wird der Bräutigam als Hochstapler entlarvt.

Aber bevor das Ende unglücklich werden kann, passieren Dinge, die in Ollendorfs Plan nicht vorgesehen sind: Symon und Jan sind auch in ihre Verlobten verliebt. Und mit Jan hat es eine besondere Bewandtnis, von der auch Symon nichts weiß.

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