Erzgebirger mögen es bei Kindernamen kurz

Günther, Thomas oder Barbara heißt heutzutage kaum noch ein Baby. In der Region waren im vorigen Jahr ganz andere Namen gefragt. Eine Wissenschaftlerin erklärt, welche kurz- und langfristigen Entwicklungen es gibt.

Annaberg-Buchholz.

Kennen Sie ein Baby namens Emma oder Ben? Das ist gar nicht so unwahrscheinlich, schließlich führen diese beiden die Hitliste der beliebtesten Vornamen 2018 in Deutschland an. Und Ben ist auch der Favorit in der Hauptstadt des Erzgebirgskreises gewesen: Neun Neugeborene erhielten diesen Namen, außerdem gab es ebensoviele Emils und Pauls. Bei den Mädchennamen wurde Frieda (9) vor Anna, Lena und Mia (je 7) gern gewählt, Emma (5) landete auf Platz 4. Weitere beliebte Vornamen: Moritz (6), Aaron, Anton. Erwin, Finn, Franz, Jonas, Karl und Phil beziehungsweise Ida, Laura oder Marie (alle je 5). Insgesamt gab es in der Kreisstadt laut Standesamt 620 Geburten - viele der Familien kommen aber aus dem Umland, weil die Stadt Klinikstandort ist. So verhält es sich auch in Aue und Zschopau, wo ebenfalls Krankenhäuser mit Geburtskliniken stehen (siehe Kasten). Während in Aue 645 Geburten registriert wurden, waren es im Zschopauer Standesamt 487.

Doch warum nennt heute fast keiner mehr sein Kind Günther, Thomas oder Barbara? "Bei der Namensvergabe ist es wie mit der Mode", sagt Gabriele Rodriguez von der Namenberatungsstelle an der Universität Leipzig. Es gebe immer wieder Trends, die einen Höhepunkt erreichen und dann zurückgehen. Derzeit sind laut der Wissenschaftlerin deutschlandweit kurze Vornamen im Trend, bei Jungen einsilbig, bei Mädchen zweisilbig. Ausgeprägt sei das besonders im Osten und im Norden, während im Süden noch öfter die Vollform gewählt werde, also etwa Benedikt statt Ben oder Maximilian statt Max. Das liegt laut Gabriele Rodriguez etwa in den Traditionen der Heiligenverehrung und der Taufnamen begründet. "Doch auch dort schreitet die Wahl kurzer Namen voran."


Vor einem Jahrhundert war so etwas eine Seltenheit. Es sind stets die Vollnamen in die Register eingetragen worden, berichtet die Forscherin, die auch Gutachten erstellt, wenn es Konflikte zwischen Standesämtern und Eltern bei der Namenswahl gibt. 1920 erstritten dann Eltern vor Gericht, dass sie ihr Kind offiziell als Christa eintragen lassen durften statt als Christiane. Eine Zäsur gab es nach dem Zweiten Weltkrieg, als gewohnte soziale Verbindung zerstört wurden. Die Namensvergabe wurde individueller, orientierte sich zunehmend auch am Englischsprachigen.

Derzeit sind altdeutsche und germanische Namen wie Otto, Wilhelm, Ludwig oder Ida, Frieda und Klara wieder gefragt. "Das hat sprunghaft zugenommen und wird sich verstärken", sagt Gabriele Rodriguez. In unsicheren Zeiten besännen sich viele auf die Familie, auf Bodenständiges. Das schlage sich auch in den Namensvergaben wieder. Neben klassischen Namen, die etwa alle 100 Jahre wiederkommen, gibt es auch kurzfristige Trends, die stark medial geprägt werden. So wollte Anfang der 2000er viele Eltern den Namen Shakira vergeben. Ähnlich sei es derzeit mit Lucifer/Luzifer, was an der gleichnamigen populären amerikanischen Fernsehserie liege.

Und dann sind da noch die ganz extravaganten Fälle. Eine Mutter habe bei ihr angefragt, berichtet Gabriele Rodriguez, ob man ein Kind Wikileaks nennen könne. Die Gutachterin hielt das für keine gute Idee - was die Mutter freudig zur Kenntnis nahm. "Gott sei Dank", habe sie geantwortet. Ihr Mann, offensichtlich ein Fan der Enthüllungsplattform im Internet, habe das vorgehabt.


Beliebte Vornamen 2018

Deutschland Mädchen: 1. Emma 2. Mia 3. Hannah/Hanna 4. Emilia 5. Sophia/Sofia 6. Lina 7. Anna 8. Mila 9. Lea 10. Ella. Jungen: 1. Ben 2. Paul 3. Leon 4. Finn/Fynn 5. Elias 6. Jonas 7. Louis/Luis 8. Noah 9. Felix 10. Lukas/Lucas. (Quelle: Knud Bielefeld, beliebte-Vornamen.de)

Annaberg-Buchholz Mädchen: Frieda (9), Anna (8), Lena und Mia (je 7), Emma, Ida, Laura und Marie (je 5), Ella, Klara, Mila und Pauline (je 4). Jungen: Ben, Emil und Paul (je 9), Moritz (6), Aaron, Anton, Erwin, Finn, Franz, Jonas, Karl, Phil (je 5), Bruno, Erik, Felix, Fritz, Henry, Kurt, Luca, Lukas, Theo, Willy (je 4). (Quelle: Standesamt Annaberg-Buchholz)

Aue Mädchen: Lina und Sophie (je 10), Marie und Emma (je 8). Jungen: Leon (11) Ben und Paul (je 10). (Quelle: Standesamt Aue)

Zschopau Mädchen: Mia (6), Anni (5), Ella, Hanna und Johanna (je 5), Lena, Leni, Lina und Lotte (je 4), Anika (3). Jungen: Emil (9), Finn, Max und Oskar (je 6), Elias und Theo je 5), Ben, Jonas, Lennox und Noah (je 4). (Quelle: Standesamt Zschopau) (urm)

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