Familie sucht Jonatans Retter

Es ist kalt und dunkel: Ein 14-Jähriger aus Jahnsdorf stürzt auf einer Feldstraße mit seinem Rad, bricht sich den rechten Arm. Ein Mann findet ihn, bringt ihn mit seinem Transporter bis zur Haustür. Dann fährt er weg. Doch die Familie möchte ihm danken. Nur wie?

Jahnsdorf.

Ein Mann wird gesucht. Sein Name ist unbekannt. Sein Alter ist unbekannt. Seine Herkunft ist unbekannt. "Ich glaube, er hatte einen Bart. Und: Er fuhr einen weißen Transporter - wohl einen Mercedes - mit einem Stollberger Kennzeichen", erinnert sich Jonatan Reimann vage. "Ohne ihn hätte ich es womöglich nur mit großer Not bis nach Hause geschafft", ist sich der 14-Jährige sicher.

Seine Mutter Mandy Reimann sagt es mit anderen Worten: "Wir sind diesem Mann sehr dankbar. Ich bin ja Christin. Vielleicht war er ein Engel?" Jetzt wollen die Reimanns diesen Mann unbedingt finden. "Wir möchten ihm ganz herzlich Danke sagen, es ist uns ein wirkliches Bedürfnis", sagt die Mutter. Ihr Sohn nickt. Ob der Retter sich meldet?


Sicher ist, er war zur rechten Zeit am rechten Ort - und hat eine schnelle Entscheidung getroffen, dem schwer verletzten Jungen zu helfen. Was war geschehen? Jonatan kam an jenem Abend, es war vor reichlich einer Woche, vom Tischtennis mit dem Rad heim. Er nutzte die über die Felder gehende, kleine Umgehungsstraße, die den Süden Jahnsdorfs mit dem Nordosten des Ortes verbindet. In einer Ausbuchtung krachte er am Straßenrand gegen eine Schneestange, stürzte heftig, fiel samt Rad in den kleinen Graben. "Ich wollte aufstehen, doch mein Arm baumelte nur herab und tat höllisch weh. Mir ging es wirklich schlecht." Keine gute Lage, in der sich der Junge da befand: Es war kalt, dunkel. Und bis nach Hause waren es noch knapp zwei Kilometer. "Normalerweise ist Jonatan hart im Nehmen. Aber die Situation war für ihn nicht mehr lustig", so seine Mutter.

Da lag er also - in dem Moment aber sah er zwei Scheinwerfer, es waren die des weißen Transporters mit dem Helfer am Lenkrad. "Er packte das Rad in den Wagen, fuhr mich schnell heim", so Jonatan. Ihm ging es so schlecht, dass er die Weisung seiner Eltern, nicht zu Fremden ins Auto einzusteigen, ignorierte.

Zu Hause hat die Familie gerade beim Abendbrot gesessen - doch als Jonatan schmerzverzerrt in die Stube kam, ging es nur noch fix ins Stollberger Krankenhaus. Dort musste der Junge über Nacht bleiben, gleich am kommenden Tag wurde er operiert. "Bei der Hektik war natürlich keine Zeit, an den Transporter-Fahrer zu denken, der ja gleich weitergefahren ist. Aber nun wäre es schön, er würde sich melden", sagt Mandy Reimann.

Jonatan geht es mittlerweile den Umständen entsprechend gut. Seit Ende der Woche ist er wieder in der Schule, seinen Gips zieren die obligatorischen Unterschriften und Sprüche. In vielleicht einem Monat werden die Drähte aus dem Arm entfernt. Ob er dann schon wieder Trompete spielen kann - mittlerweile ein Höhepunkt zu Weihnachten bei den Reimanns - ist aber noch fraglich. Nun hofft die Familie, der Retter meldet sich. "Ich finde, es wird heutzutage zu wenig gedankt, immer nur gefordert", begründet die Frau ihren Wunsch. Nur: Sollte sich der Helfer wirklich melden, was passiert dann? Ein Dankeschön-Kuchen? Blumen? Eine Umarmung? Mandy Reimann lacht: "Ich weiß es noch nicht. Aber mir wird schon was einfallen."

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