Familienunternehmen trotzt Giganten

Die Wende vor 30 Jahren brachte für die Familie Buschmann einen Neustart, der bis heute mehr als nur eine Generation prägt. Dabei lief längst nicht immer alles rund.

Annaberg-Buchholz.

Die Lindenstraße in Annaberg lädt nicht gerade zum Flanieren ein. Nur wenige Geschäfte sind dort zu finden. Im Haus mit der Nummer 20 gibt es aber einen Laden, dessen Entstehungsgeschichte Jahrzehnte zurückreicht - Elektro-Hausgeräte-Geschäft Buschmann. Eröffnet im Juni 1990.

Wie kam es dazu? Im zeitigen Frühjahr 1990 teilte Elektromaschinenbauer Arnd Buschmann seiner Ehefrau Monika seinen Traum mit, auf eigenen Füßen stehen zu wollen, sich selbstständig zu machen. Damals war viel in Bewegung, aber keiner wusste wirklich, was kommen würde. Das Ehepaar Buschmann traf eine Entscheidung und wagte einen Versuch. Sie reisten zur Handwerkskammer nach Bayreuth. Dort mussten sie eine Enttäuschung hinnehmen. Sie wurden weder kompetent beraten, noch in ihrem Ansinnen bestätigt. Das Gegenteil war der Fall, Buschmanns kamen sich belächelt vor. Eine Mitarbeiterin der Kammer sagte den beiden aber auf dem Gang, dass sie sich doch mal mit der Firma Knoll Elektro-Großhandel in Bayreuth in Verbindung setzen sollten. Dort empfing sie dann der Geschäftsführer persönlich, und es fand das Gespräch statt, aus dem Firma Buschmann entstehen sollte.


Ende April erfolgte eine Lieferung mit einem Grundsortiment von Haushaltsgroßgeräten der Firma Bosch - Wert 25.000 DM mit dem Zahlungsziel September 1990. Auch bekamen die Buschmanns ein Skonto von 3 Prozent eingeräumt. Es gab keinen Vertrag, Vertrauen gegen Vertrauen. Nun gab es kein zurück mehr. Schnell musste die Firma gegründet und eine Verkaufsfläche gefunden werden. Die einzige Alternative war die an das Wohnhaus grenzende große Garage, die entrümpelt und hergerichtet werden musste. Im Wohnhaus befand sich das Friseurgeschäft "Elisabeth". Deren Inhaberin gestattete den Neuunternehmern die Nutzung eines Schaufensters zur Ausstellung der Waren. Für die Gewerbeerlaubnis war der Rat des Kreises Annaberg zuständig. Das Prozedere verlief unspektakulär, da damals viele ähnliche Anliegen hatten und dem Rat schon manches egal war.

Großgeräte waren vorhanden. Nun brauchten die Buschmanns noch elektrische Kleingeräte. Dafür reisten sie mit dem Wartburg und Hänger sowie 500 DM in der Tasche zur Firma Severin nach Sundern in Nordrhein-Westfalen. Sie kauften Kaffeemaschinen, Toaster, Eierkocher etc. Es konnte losgehen. Zur Eröffnung im Juni 1990 fand gerade die Kät statt. Zu den ersten Kunden zählten die Schausteller. Der Sprung ins kalte Wasser war gelungen. Schwimmen lernen war für die Existenzgründer schon eine andere Sache. Monika Buschmann als Buchhalterin wurde Geschäftsinhaberin und zuständig für den Verkauf und die Zahlen. Arnd Buschmann übernahm den Einkauf und alle technischen Aufgaben. Beide mussten lernen, wie die freie Marktwirtschaft tickt und wie die Küchengeräte funktionieren, um diese verkaufen und die Großgeräte bei den Kunden anschließen zu können. Die Resonanz war gut. Bis zur Währungsunion im Juli konnte man für Ostmark hochwertige Haushaltsgeräte zum Kurs von zwei zu eins erwerben. 1992 zog der Friseursalon aus, die Buschmanns errichteten in dessen Räumen ihren Verkaufsraum, wie er noch heute besteht. Die Garage wurde zur Werkstatt. Neue Geschäftspartner wie die Firma Miele kamen dazu. Das kleine Unternehmen entwickelte sich zur einzigen autorisierten Vertragswerkstatt für die Markenprodukte von Miele im Umkreis. Das Geschäft boomte bis 1996.

Dann kam eine Flaute, der Grundbedarf an elektrischen Haushaltsgeräten war gedeckt und Großmärkte im Umkreis entstanden. Nun kam Sohn Jörg Buschmann auf den Plan. Er war Radio-und Fernsehtechniker. Eigentlich hatte er 1985 die Meisterschule beginnen wollen, was sein damaliger Chef aber ablehnte. "Ich war nicht systemkonform und wollte schon damals Veränderungen", berichtet er. Er fühlte sich in seiner Persönlichkeit eingeengt. Ähnlich erging es seiner damaligen Freundin, die nach dem Abitur keinen Studienplatz bekam. Das junge Paar heiratete und stellte 1987 gemeinsam einen Ausreise-Antrag, der im September 1989 genehmigt wurde. Sie zogen nach Baden-Württemberg. Beide bekamen gute Jobs, Jörg Buschmann legte 1994 seine Meisterprüfung ab.

Um den Eltern zu helfen, kehrte die junge Familie, zu der mittlerweile zwei Söhne gehörten, im September 1997 in die alte Heimat zurück. Neue Ideen wurden verwirklicht. Das Sortiment wurde um Radio- und Fernseh-Technik erweitert. Auch bot der Fachmann seine Dienste für professionelle Audio- und Videotechnik an. Der Verkauf der Fernseh-Technik entpuppte sich leider als Flop. Wider allen Erwartungen blieben die Kunden aus. Für diese war das Buschmann-Geschäft die Adresse für Haushaltsgeräte. Für Unterhaltungs-Technik hatten sie andere Händler.

Das zweite Standbein lief gut an, Dienstleister für diese spezielle Technik waren rar. Dieses Metier wurde ausgebaut. 2006 übergab Monika Buschmann ihrem Sohn die Leitung des Geschäftes. Die Eltern arbeiten weiter in der Firma. Außer ihnen gibt es noch zwei festangestellte Mitarbeiter. Als Dienstleister für Audio- und Videotechnik hat sich Jörg Buschmann bei Unternehmen und Kommunen einen Namen gemacht. So plante und installierte er etwa die gesamte Medientechnik in der Manufaktur der Träume und bei der Klanginsel im Kurpark von Thermalbad Wiesenbad.

Die Familie Buschmann schaut auf eine bewegte Zeit zurück. "Wir sind unserer Idee treu geblieben, Qualität und keine Massenware zu verkaufen", sagt Monika Buschmann, die sogar dem legendären Rudolf Miele, Enkel des Miele-Gründers, noch die Hand geschüttelt hat. Jörg Buschmann wünscht sich, dass das Unternehmen mit seiner treuen Stammkundschaft weiterläuft, so wie es ist.

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