FCE zahlt seine Pacht - mit Verspätung

Fußball-Zweitligist FC Erzgebirge Aue hat zwar die erste Rate der neuen, nun höheren Stadionpacht überwiesen. Allerdings floss das Geld später, als es vertraglich mit dem Eigentümer - also dem Landkreis - vereinbart ist.

Aue/Annaberg.

Für etwa 20 Millionen Euro ließ der Landkreis dem FC Erzgebirge Aue ein modernes Stadion bauen. Dafür muss der Verein seit dem 1. Juli dieses Jahres jährlich rund 350.000 Euro Pacht plus Umsatzsteuer an den Landkreis zahlen. Vorher betrug die Pachthöhe noch 50.000 Euro, was der Landesrechnungshof als zu niedrig gerügt hatte. Eine Nachfrage beim Landratsamt, ob denn die Pachtzahlungen pünktlich erfolgt sind, ergab nun: Nein, sind sie nicht.

Für das erste Halbjahr 2018 war die Pacht zum 30. Juni fällig gewesen, die Zahlung durch den FCE erfolgte aber erst am 17. Juli, wie die Pressestelle mitteilt. Also zweieinhalb Wochen zu spät. Die Gründe des verspäteten Zahlungseingangs seien dem Landkreis nicht bekannt. Die neue, nun höhere Pacht, die quartalsweise zu zahlen ist, erreichte den Landkreis gut einen Monat später als vereinbart - nämlich am 7. August statt bis zum 3. Juli.

Doch welche Gründe hat diese Verzögerung? In Bezug auf die erste Jahreshälfte teilte das Landratsamt lediglich mit: "Die Gründe sind dem Landkreis nicht bekannt." Eine erneute Nachfrage, ob nicht nachgefragt wird, wenn das Geld nicht pünktlich kommt, beantwortet die Pressestelle so: "Gründe für einen Zahlungsverzug sind in der Regel zunächst weder relevant noch abzufragen. In angemessener Frist nach dem Fälligkeitstermin wird bei Nichtzahlung von Forderungen seitens des Landkreises - wie von jedem anderen Unternehmen auch - gemahnt (über maschinell veranlasste Mahnläufe). Vorliegend erfolgte zusätzlich vorab eine mündliche Nachfrage beim FCE zum fehlenden Zahlungseingang, in deren Folge die offene Forderung am 17. Juli 2018 beglichen wurde."

Warum auch die erste höhere Rate nicht pünktlich gezahlt wurde, erklärt das Amt so: Die Zahlung sei parallel zum Rücklauf des unterzeichneten Vertragsexemplars erfolgt. Der Landkreis sei davon ausgegangen, dass die Verzögerungen bei der Vertragsrücksendung der Urlaubszeit beziehungsweise Sommerpause geschuldet waren und hätte diesbezüglich natürlich zwischendurch nachgefragt. Auf Deutsch: Der neue Pachtvertrag ging erst sehr spät zur Unterzeichnung an den FCE, sodass es zur Zahlungsverzögerung kam. Konkret: Der Kreisverwaltung zufolge ging der neue Vertrag erst am 25. Juni dieses Jahres an den FCE. Also rund zweieinhalb Jahre, nachdem der Bau am Stadion begann. Das ist am Dienstag im Finanzausschuss in Annaberg deutlich geworden. Dort nämlich hakte Kreisrat Mario Löffler (NPD) zum Thema nach, der zuvor schon eine Anfrage gestellt hatte, ob denn die FCE-Pachtzahlungen pünktlich eingingen. Die Verwaltung erklärte dazu, bevor der neue Pachtvertrag geschlossen werden konnte, haben erst noch die Bauabnahme des Stadions sowie baurechtliche Abstimmungen abgewartet werden müssen.

Löffler betont, er sei kein Gegner des Clubs, kritisiert aber die Zahlungsverspätung: "Gerade die erste neue Pachtrate des FCE wäre symbolisch wichtig gewesen." Er geht noch weiter - vermutlich wäre noch später gezahlt worden, hätte er seine Anfrage nicht gestellt, glaubt er. "Das kann ich aber nicht beweisen."

Der FCE-Geschäftsführer Michael Voigt sagt auf Nachfrage, dass er von diesen Zahlungsverzögerungen nichts weiß. Selbst wenn es diese gegeben habe, so sei das für ihn und für die Presse kein Thema, denn dann seien nun ja keine Positionen mehr offen. Hauptsache, das Geld sei nun bezahlt. Auch gebe es doch gar kein Motiv für den Verein, das Geld absichtlich später zu zahlen. Zinsen erhalte man derzeit schließlich keine. Für Voigt sind die vertraglichen Inhalte zwischen Landratsamt und Verein sowieso vertraulich: "Ich finde verwunderlich, dass das Landratsamt die Daten rausgibt. Für mich ist das eine interne Sache."

Neben den Pachtzahlungen hat der FC Erzgebirge aber auch noch seinen Anteil in Höhe von rund einer Million Euro für den Stadionbau zu zahlen, die sogenannte Stadionmillion. Dazu ist vereinbart, dass zunächst die Einnahmen aus dem Eröffnungsspiel an den Landkreis gehen. Diese Partie - gegen den Erstligisten FC Schalke 04 - fand vor eineinhalb Monaten, am 29. Juli, statt. Der Landkreis teilt mit, dass er davon ausgeht, die Zahlung erfolge zeitnah. FCE-Geschäftsführer Voigt dazu: "Die Summe ist noch unklar, weil unter anderem noch die Rechnung der Sicherheitskräfte abgezogen werden muss." Er rechne damit, dass die Einnahmen innerhalb der nächsten zwei Wochen ans Landratsamt überwiesen werden können. (mit alu)


Kommentar: Vertrag ist Vertrag

Der FCE hat seine Rechnungen beim Landkreis beglichen. Soweit, so gut. Allerdings hat er es nicht in der vertraglich gesetzten Frist getan.

Sicher stehen sehr viele Erzgebirger hinter dem Verein. Viele, bei weitem nicht alle, finden es auch gut, dass der Landkreis ihm mit Steuermitteln ein neues Stadion bauen ließ. Doch bei aller Liebe - auch echte Fans wissen: Verträge sind einzuhalten. Und die sehen vor, dass der FCE zu bestimmten Zeitpunkten Pachtzahlungen zu leisten hat.

Wie kann es sein, dass sich der Verein nicht daran hält und es das Landratsamt auch nicht zu stören scheint? Bürger haben ihre Rechnungen doch auch rechtzeitig zu begleichen. Sonst gibt es Ärger - und schnell Mahngebühren obendrauf.

Weder FCE noch Landratsamt klären die Zahlungsverzögerung schlüssig auf. So riecht es nach Kumpanei mit dem Kumpelverein. Anders als ein Fan darf die Behörde nicht den Eindruck bedingungsloser Unterstützung vermitteln.

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