Flottes Gälner Mundwerk voller erzgebirgischer Wort-Zutaten

Mundart-Moderator Robby Schubert an junge Leute: Losst eich nich vo dann Lehrern 'n Schnobel vrbiegn

Annaberg-Buchholz.

Der junge Mann ist ein Kracher: Wenn er den Mund aufmacht, kommt meist was Witziges raus. Aus dem Stegreif. Auf den Punkt. Zum Lachen. Das können zwar so einige - aber nicht viele in feinstem Erzgebirgisch. Er ist sozusagen ein Mund-Art-Werker: Robby Schubert aus Gelenau. (Der gebürtige Erzgebirger) Andreas Luksch sprach mit ihm - Erzgebirgisch.

Freie Presse: Assen Se werklich Ratsch net su garn?


Robby Schubert: Ehja, dos war su ä gestilltes Pressefoto! Ratsch is da wos feines. Schie mit wing Salz drauf. Äfach herrlich. Aber schie scharf musser sei.

Un iech dacht schu: Der is fei "kabsch" - su wie's Mundart-Siegerwort dies Gahr. Wär Ihne a anersch Wort lieber gewasn?

Iech hatt' ja "Flack" eigereicht. Oder ah "Getzn", dos find iech ah ä schienes Wort. "Getzn", essu herrlich, wie dos schu klingt un su ä schiener Sammel- oder Buttermilchgetzn, dos klingt nich när schie, nee dos schmeckt noch viel besser. Un vorollem is dos ah ä besonnersch arzgebirgischer Ausdruck. Vrsuchn Se när mohl "Getzn" ze iebersetzn!? Un wos iech mich ah gefrogt hob: is ne Naabelsupp ah wos zenn assn?

Als "Mund-Werker" blubbert Ihnen fei ollerhand (Arzgebirg- sches) aus dr Gusch raus. Do muss fei a wieder wos nei. Wos is de Ihr Lieblings-Baberschmatz?

Ach iech bi do nich essu kabsch. Wos miech nich frisst, frass iech! Un iech bi ah nich essu wählerisch. Iech ass ah gerne mohl ne "Buddesammel" wie mir in Gäln sogn dähtn. Ah ze nen ordnlichn "Backs" sah iech nich nee.

Un Heiligobnd - wos kimmt de do su bei Schuberts ofn Tisch?

Oh do hobn Se nen sensiblen Punkt getroffn. Heiligobnd gibs "Neinerlaa"! Do gibs gar nischt drah ze rittln. Un im Sechse werd gegassn: mitn Glocknlaitn! Da mir nich naabn dr Kerch wuhne, hattn mir frieher egal is Radscho ah, aber seit paar Gahrn laiten dort ah kenne Glockn mehr, die warn ah sparn missn.

Kochen Se dos salber?

Kenne Se dos Heiligobnd-Lied vo dr Johanne Amalie vo Elterlää? Do hääßts doch ah: "Mer hobn aah Neinerlaa gekocht, aah Wurscht un Sauerkraut; mei Mutter hot sich ogeplogt, die alte gute Haut!" Un genau essu isses ah bei uns drhemm.

Un wann sei Se salber ofn Geschmack gekumme zu reime?

Daar sieße Geschmack daar arzgebirgischen Sprooch, daar war schu in dr Muttermilich drinne. Dann hob iech alsu nich gefunne, daar wur mir neigetrichtert (mit einem Schmunzeln!).

Loss'n Se doch mol e paar vun Ihre Lieblingszeilen hern ...

Wos wolln Se dä härn? S schennste wos mr iebern Stolz dr Arzgebirger sogn kah, dos hoht dr Gläss Horscht aus Tholm gemacht: Su lang noch Lieder klinge, bei uns drubn in Gebirg, su lang noch Menschen singe, trotz Arbet un Gewürg, se lang zenn Gruß ä jeder, winscht jeden ä Glück Auf, bleib iech dir trei mei Arzgebirg, iech gabn Handschlog drauf.

Un wos tischn Se salber su of?

`Nen Kaschper zenn Friehstick, wos zenn Noochdenkn zenn Mittsch- assn un zenn Obndbrut wing Leichtigkäät.

Viele Leit rotn ihrn Kinnern: Spracht Huchdeitsch, sunst habt Ihr ka Chance. Is de dos gut?

Guckn se siech mohl de Bayern ah. Ihr glaabt doch nich, doss die sich ne Schnobel vrbiegn lossn. Worum soll mr dä seine Muttersprooch vrgassn? Waagn dr Karierre? Oder gar waagn dr Schul? Ihr Kinner losst eich nich vo dann Lehrern 'n Schnobel vrbiegn. Huchdeitsch zr rachtn Zeit, wie in nr Priefung is zwar ah wichtsch, aber worum soll mr nich ah emohl wing raafln.


Zur Person

Robby Schubert, 24, aufgewachsen und noch immer wohnhaft "in der Metropole des Erzgebirges: Ebegäln!". Aktuell studiert er fleißig fern "Soziale Arbeit". Moderator ist er geworden, "weil ich nicht auf den Mund gefallen bin". Sein erzgebirgischer Lieblingsbegriff ist "Glück auf!". Derzeit arbeitet er an seinem zweiten Gedichtbuch. Eine seiner Lieblings-Strophen aus eigener Feder:

Wenn de Weihnachtszeit kimmt rah,

un an de gruße Ficht miss'n Lamp'ln nah,

un de Ledde hillt diech nich mehr aus,

do klingel schnell 'n Dokte raus. (alu)


"Kabsch" kochte 2018 alle andere Mundart-Favoriten ab

Mundart mundet -erst recht, wenn's ums "Assen un Trinken" geht. "Freie Presse" und Erzgebirgsverein feierten mit der Suche nach dem Erzgebirgischen Wort nach dem furiosen Auftakt 2017 einen weiteren Erfolg.

Nur "kabsch" - Siegerwort 2018 - wollte so gar nicht zum Publikum der Festveranstaltung passen. Das erwies sich alles andere als mäklig, füllte zwei Säle im Annaberger Erzhammer.

Klare Botschaft an "Freie Presse" und Erzgebirgsverein: 2019 muss es eine Neuauflage des erzgebirgischen Mundartwettbewerbes geben.

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