Flüchtlinge nähen Puppen für ihr neues Heimatdorf

In knapp zwei Wochen feiert Walthersdorf seinen 650. Geburtstag. Dass der Ort dann hübsch geschmückt sein wird, liegt auch an Menschen aus Afghanistan, Indien, Somalia und Eritrea.

Walthersdorf.

Nähmaschinen rattern, Stoffe werden vermessen und zurecht geschnitten, Watte portioniert. Was hier entsteht, könnte deutscher kaum sein. Immerhin handelt sich um Puppen, die bei Festen wie der bevorstehenden 650-Jahrfeier von Walthersdorf die Vorgärten der Einwohner schmücken. Doch genäht wurden diese nicht von Deutschen, sondern von Flüchtlingen aus Afghanistan, Indien, Somalia und Eritrea. Sie alle leben in der Gemeinschaftsunterkunft im ehemaligen Gasthof "Krone" in Walthersdorf. Doch wenn in ihrem neuen Heimatdorf gefeiert wird, dann wollen auch sie einen Beitrag leisten. Und das tun sie auf diese ganz besondere Weise.

Im November vergangenen Jahres hat das Familienzentrum Crottendorf gleich gegenüber der Unterkunft eine Nähstube ins Leben gerufen. Damals habe es den Wunsch von einigen Frauen gegeben, wieder zu nähen, erzählt Gabi Fritzsch, Leiterin der Einrichtung. Nähmaschinen wurden beschafft, Stoffe organisiert. Seit Februar dieses Jahres arbeiten die Männer und Frauen nun schon an den Puppen für die 650-Jahrfeier. 80 Stück sind entstanden, die meisten haben schon ihre Abnehmer gefunden. Erhältlich sind sie im Geschäft "Colorart & Klöppeln" von Heike Schenk. Wer noch eine ergattern möchte, sollte sich beeilen. Viele gebe es nicht mehr.

Derzeit werden die letzten ausgestopft. Dass die Arbeiten so gut laufen, liegt auch an Nazari Sohrab. Der Afghane lebt erst seit wenigen Monaten in Deutschland. In seiner Heimat betrieb er mit seiner Frau eine Näherei. Nun ist er in Walthersdorf der Nähstubenchef und leitet die vier Männer und acht Frauen an. "Ein Glücksfall", sagt Gabi Fritzsch. Immerhin wird täglich genäht, ehrenamtliche Helfer unterstützen das Projekt. Über geringfügige Beschäftigung und Maßnahmen für die Flüchtlingsintegration erhalten die Näher sogar ein wenig Geld.

Doch wissen die Menschen aus Eritrea, Indien und Co überhaupt genau, was sie da eigentlich nähen? "So richtig werden sie es wohl erst verstehen, wenn das Fest losgeht und die Puppen vor den Häusern stehen", sagt die Leiterin des Crottendorfer Familienzentrums und lacht.

Gefeiert wird in Walthersdorf vom 9. bis 11. Juni. Einer der Höhepunkte ist unter anderem der Sparrguschenwaag. Der führt rings um Walthersdorf herum und macht Besucher mithilfe kleiner Informationstafeln auf historische Begebenheiten, Gebäude und Besonderheiten des Ortes aufmerksam. Um den Begriff Sparrguschenwaag den fleißigen Nähern zu erläutern, braucht es aber sicher einige Übersetzungskünste.

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