Gasthaus "Weißes Roß" im Erzgebirge wird nach dem Lockdown nicht mehr öffnen

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Die Geschichte der Gaststätte reicht Jahrhunderte zurück, seit Generationen ist sie schon in der Hand der Familie Kmell. Doch nun geht es nicht mehr wie gewohnt weiter. Ein Hoffnungsschimmer bleibt aber.

Schönfeld.

Der Tag, an dem die Entscheidung fiel, war für Kerstin und Ralf Kmell ein schwerer. Doch ab einem gewissen Punkt, habe es kein Zurück mehr gegeben, erzählt die Inhaberin der Traditionsgaststätte "Weißes Roß" in Schönfeld. Zwei Lockdowns waren zu viel. Der Gasthof wird nicht mehr öffnen. Die Familie hat die Reißleine gezogen, bevor das Geld komplett weg ist. "Es ist einfach kein Ende in Sicht", sagt Kerstin Kmell. Da sie als Inhaberin kein Kurzarbeitergeld bekommt, musste sie sich einen neuen Job suchen. Sie kehrte in ihren gelernten Beruf in der Textilbranche zurück. Pendelt nun im Schichtsystem von Schönfeld nach Flöha. Irgendwann musste wieder Geld reinkommen. Im Frühjahr nahm die Familie einen Kredit auf, der muss abgezahlt werden. Die November- und Dezemberhilfe floss bisher nur zur Hälfte. Wann der Rest kommt und ob überhaupt, die Kmells wissen es nicht.

Damit geht ein Stück Geschichte vorerst zu Ende. Die an der B 95 gelegene Gaststätte geht auf eine "Schenk" zurück, die laut Chronik 1772 erstmalig erwähnt wurde. Im Volksmund ist es bis heute die "Schenke" geblieben, erzählt Ralf Kmell. Seit etwa 100 Jahren leitete maßgeblich die Familie Reuter, später Kmell die Geschicke des Gasthofes. Die Großmutter von Ralf Kmell sei unter dem Spitznamen "Schenk-Friedel" bekannt gewesen. Ihr richtiger Name war Elfriede Reuter. Gemeinsam mit ihrem Mann führte sie die Schenke und eine kleine Fleischerei, die sich direkt nebenan mit in dem Gebäude befand. Kurt Reuter fiel im Zweiten Weltkrieg, danach übernahm seine Frau allein. Später wechselten die Pächter. Konsum und HO spielten zeitweise auch eine Rolle. Ende der 1970er Jahre kehrte die Familie dann zurück in das Gasthaus. Ellen und Kurt Kmell, die zuvor in vielen namhaften Lokalen der Region gearbeitet hatten, übernahmen das Familiengeschäft wieder. Vor 20 Jahren ging es dann an Kerstin und Ralf Kmell.

Zurück in die Gegenwart: Neue Pächter können sich die Kmells in ihrem Haus, wo sie auch leben, nicht vorstellen. Das würde sie doch zu sehr schmerzen. Daher ist das Ende kein komplettes, erzählen sie. "Das Roß soll erhalten bleiben und weiter unter Kmell laufen", so der 58-Jährige. Das À-la-carte-Geschäft wird zwar eingestellt, doch die Familie will die Gaststube und den Wintergarten für Feierlichkeiten zur Vermietung anbieten. Dann will auch Ralf Kmell seinen geliebten Herd anschmeißen und für Buffets und ähnliches sorgen. "Ich koche weiter."

Also war es das jetzt? So ganz können es die Kmells selbst nicht glauben. Und so ganz darf es das auch wohl noch nicht gewesen sein. Da ist er, der kleine Hoffnungsschimmer. Wenn die Welt sich wieder beginnt zu drehen, wenn die Gaststätten wieder öffnen dürfen, wenn die Zukunft wieder ein bisschen sicherer wirkt, dann will die Familie erneut beraten. Vielleicht entscheiden sie sich dann, die Geschichte des "Weißen Roßes" doch weitergehen zu lassen. "Wir legen uns jetzt noch nicht fest", sagt die 53-Jährige. Das Gewerbe bleibt aber erst einmal angemeldet.

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1414 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 9
    6
    Bertl
    09.02.2021

    @20Online20: Ihre Kommentare sind hier wirklich fehl am Platz. Das zeigt wirklich, dass Sie keine Ahnung von der Gastronomie in diesen Zeiten besitzen. Das einzige, das an Ihren Kommentaren interessant ist, dass Sie eine Vorliebe für "..." haben. Das war es dann aber auch schon.

  • 14
    13
    HEIMAT2021
    09.02.2021

    @GV Mildenau
    Ja ich kenne mich in diesem Bereich aus und kenne auch die Anträge und sage ihnen das viele Gastronomen mir gesagt haben das sie noch nie Geld fuers Nichtstun erhalten haben.Bei korrekter Buchhaltung fließt auch Geld,aber halt vom VJ Umsatz..

  • 30
    8
    GVMildenau
    09.02.2021

    @20Online20: Waren Sie schon mal in diesem “Laden“ essen? Oder wissen sie wie problembehaftet die derzeitige Beantragung dieser “Hilfen“ ist? Vermutlich nicht, sonst wäre ihr Kommentar sicherlich anders ausgefallen. Also bitte erst informieren bevor derartige Behauptungen aufgestellt werden!

  • 26
    53
    HEIMAT2021
    09.02.2021

    Gaststätten bekommen prozentual Umsatzausfaelle Vorjahr. Wenn ein"Laden"schon lange halt nicht mehr der "Brüller" war, dann sieht es halt schlecht aus. Das ist "Marktwirtschaft", nicht nur zu Corona. In der Branche wird sich hier viel regeln. Wer "Essen" geht weiss das, gutes "Essen und Service" ergibt volles Haus und einen gewissen "Speckguertel" zum Aushalten.Andere Branchen bekommen nichts, haben aber auch keine DEHOGA Lobby..

  • 40
    16
    gelöschter Nutzer
    09.02.2021

    Nr.2.....nun.....es hat ja jeder die Möglichkeit im Herbst Zensuren zu verteilen..... ansonsten ist es schimpfen auf hohem Niveau

  • 63
    2
    Tokeah
    09.02.2021

    Das es auch anders geht, zeigt das Beispiel des Landgasthof "Zur Schmiede" im Landkreis Zwickau. Die Besitzerin hatte im ersten Lockdown leider aus wirtschaftlichen Gründen das Haus schliessen müssen. Im vergangenen Dezember 2020 übernahmen neue Leute dem genannten Gasthof per Pacht. Solange wie das mit dem Lockdown noch läuft, bleibt den neuen Pächtern die Pacht erlassen. Der Gasthof läuft auch nur über Abholservic, aber hat sehr grossen Zuspruch.

  • 71
    21
    521672
    09.02.2021

    „Wir haben genug Geld“ titelt ein Exklusivinterview mit dem Bundesfinanzminister einer hiesigen Zeitung von gestern, in dem es auch um die Unterstützung der Wirtschaft geht. Wen meint er mit „Wir“?
    Vermutlich Politiker, die sich auch in der Krise nicht um ihr Salär sorgen müssen.

  • 119
    20
    701726
    09.02.2021

    Die Politik hat auf der ganzen Linie versagt : nur bla bla bla . Wenn für einen Antrag für Hilfe man einen Steuerberater braucht und dieser sich auch erst durch die wöchentlichen Änderungen kundig machen muß , was soll da raus kommen.

  • 68
    108
    lax123
    09.02.2021

    So leid es einem tut - ganz so dramatisch ist die Lage ja nun nicht.

    Der Laden hat die Chance auf Wiedereröffnung.
    "Wir legen uns jetzt noch nicht fest", sagt die 53-Jährige.

    Logisch, dass man sich ein Hintertürchen offen hält.
    In der Zwischenzeit muss man halt einen anderen Job annehmen - immerhin hat sie einen gefunden.

  • 122
    38
    gelöschter Nutzer
    09.02.2021

    Wieder ein Opfer durch Politiker schlecht gemanagte Krise, wo sind denn die Hilfen vom Staat, das tut mir sehr leid für den Gasthof, die Inhaber und für die Region ...

  • 122
    34
    Bautzemann
    09.02.2021

    Dieser Meldung werden noch viele Meldungen dieser Art folgen. Schlimm für Menschen über 50, wenn sie von der Politik im Stich gelassen, sich im fortgeschrittenen Alter noch einmal neu orientieren müssen. Hier wird ein Stück sozialer Begegnung und Kultur vernichtet! Wann hat das ein Ende in Sachsen?

  • 136
    32
    gelöschter Nutzer
    09.02.2021

    Da werden wir dieses Jahr noch weitere solcher Nachrichten hören, dass ist erst der Anfang. Ich schließe mich dem Dank an.

  • 131
    35
    gelöschter Nutzer
    09.02.2021

    Was Jahrhunderte besteht, wird heuer einfach weggeweht! Danke an die Regierung, deren erklärtes Ziel zu sein scheint: Der Mittelstand muss weg!

    Großkonzerne welche in DE, dank "Steuersparmodelle" so gut wie nichts an Steuern zahlen, werden mit Milliarden an Soforthilfe unterstützt. Doch gleichzeitig bekommen Millionen Mittelständer u. Selbständige nur Worthülsen mit warmer Luft, und keinerlei Öffnungsperspektive! Das ist kein Gesundheitsschutz, das ist die Vernichtung der mittelständischen Wirtschaft!

    Dies ist meine Meinung, keine Zensur nötig!

  • 156
    60
    Hinterfragt
    09.02.2021

    Ein großer Dank an Landes.- und Bundesregierung, es werden noch weiter folgen - leider!