Herolderin erfüllt sich Kindheitswunsch

Lea Held verbringt ein Jahr in der Ukraine und arbeitet dort mit Kindern und Jugendlichen im Verein Lebendige Hoffnung

Herold/Odessa.

Lea Held kennt die Organisation Lebendige Hoffnung schon von klein auf. Die Herolderin gehört der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde in ihrem Heimatort an. Die hat die Organisation hat schon oft mit Spenden und Hilfsgütern unterstützt. Von der Arbeit dort begeistert, wollte Lea Held schon als Zehnjährige einmal vor Ort mitarbeiten. Der Wunsch wurde während der Schulzeit noch verstärkt. So war es der 19-jährigen ein großes Herzensanliegen, einen einjährigen Freiwilligendienst in der Ukraine zu absolvieren, "um Gott und den Kindern in der Ukraine zu dienen". Seit September des vergangenen Jahres ist die Herolderin in Odessa im Rahmen des Programmes "X-Change" der Diakonie Württemberg in Zusammenarbeit mit "Weltwärts" tätig. Sie arbeitet dort mit Kindern und Jugendlichen mit sozial schwachem Hintergrund im Verein Lebendige Hoffnung. Thomas Lesch hat sich mit Lea Held unterhalten.

Freie Presse: Wie sieht Ihre Arbeit für den Verein Lebendige Hoffnung aus?

Lea Held: "Lebendige Hoffnung" hat in Odessa und Umgebung drei Tageszentren. Dort betreuen wir Kinder und Jugendliche, die aus armen und schwierigen Verhältnissen kommen. In den Zentren bekommen die Kinder Essen, Hausaufgabenbetreuung, Freizeitangebote und nötige Kleidung. Außerdem will man den Kindern einen Ort der Geborgenheit bieten und vermittelt ihnen christliche Werte. Wir leben in den Zentren mit all den Kindern wie in einer Riesenfamilie. Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich. Meine Hauptaufgabe im Freizeitprogramm war der Musikunterricht für Klavier, Gitarre oder Flöte.

Was hat Sie am meisten bei Ihrer Arbeit bewegt? Was waren spannende Erlebnisse und Begegnungen?

Was mich im Rückblick sehr bewegt hat, sind die Entwicklungen von meinen Klavierspielern. Am Anfang konnten viele nicht einmal eine Melodie ohne Handverkrampfen spielen. Jetzt spielen sie von den Noten ab und gemeinsam sogar vierhändig. So manche Leidenschaft und so manches Talent wurden in dieser Zeit entdeckt. Das macht mich sehr glücklich. Bewegt haben mich aber auch die Geschichten, die jedes Kind mit sich bringt. Viele haben schlimme Dinge in ihren Familien erlebt. In unserer Arbeit wollen wir ihnen eine neue Perspektive und Hoffnung geben, ihnen ein anderes Leben zeigen in Liebe, Geborgenheit und Fürsorge. Zu erleben, wie sich die Kinder entwickeln, verändern und aus jedem eine Persönlichkeit wächst - das ist berührend für mich. Sie lebensfroh zu sehen, wie sie kreativ werden und sich entfalten. Es gab sehr viele besondere Ereignisse, aber ein ganz besonderes war für mich das Familiencamp in diesem Sommer. Da waren wir vier Tage mit Kindern und ihren Eltern an einem wunderschönen Ort etwas außerhalb von Odessa. Sie hörten vormittags Predigten und nachmittags gab es jeweils eine Aktion für die ganze Familie. Dieses Camp hat sehr viel bewirkt. Die Kinder waren so glücklich.

Bleiben Freundschaften aus dieser Zeit?

Ja, ich konnte in dem Jahr, das nun bald zu Ende geht, total verschiedene und geniale Menschen kennenlernen. Vor allem zu manchen Arbeitskollegen habe ich eine enge Bindung aufbauen können.

Was war nicht so einfach in dem Auslandsjahr?

Dazu fällt mir spontan die Sprachbarriere ein. Zu Beginn war mein Russisch nicht so gut und ich konnte mich nur schwer unterhalten. Was ich aber am schlimmsten fand, war, dass man einfach fast nichts von dem verstanden hat, was die ganze Zeit um einem herum gesprochen wurde. Ich empfand dies manchmal als echt anstrengend, aber gleichzeitig hat es mich zum Lernen motiviert. Mittlerweile ist die Sprache keine große Schwierigkeit für mich. Weiterhin stößt man immer wieder auf kulturelle Unterschiede, wo es jedoch gilt, nicht zu verurteilen, sondern offen und verständnisvoll in einen Austausch zu kommen.

Welche Unterstützung haben Sie bekommen und von wem?

Finanziell wird mein Freiwilligendienst zum einen von meiner Entsendeorganisation getragen und zum anderen von einem Spenderkreis, den ich mir vorher aufbauen musste. Vor Ort habe ich viel Unterstützung von Menschen von meiner Arbeitsstelle bekommen. Wenn es Fragen gab, stand uns immer jemand zur Seite. Ich habe mich nie allein gelassen gefühlt. Selbst beim Gepäck tragen habe ich von den Jungs Hilfe bekommen, da das hier in der Kultur so typisch ist.

Sie hatten auch Besuch von Ihrer Familie?

Über Ostern sind meine Eltern und mein kleiner Bruder mich besuchen gekommen. Ich war mit ihnen in Odessa und Kiew und habe ihnen mein Leben in der Ukraine gezeigt. Vier Tage waren sie mit mir auf Arbeit und haben den Alltag in den Tageszentren miterlebt.

Ist denn auch Zeit geblieben, das Land näher kennen zu lernen?

In meinem Jahr hatte ich auch Zeit zum Reisen. So war ich mehrmals in der Hauptstadt in Kiew, die geprägt wird von ihren vielen goldenen Kuppeln. Bewegend fand ich den Maidan, auf dem 2014 die großen Proteste stattgefunden haben. Weiterhin haben wir die ehemalige österreichische Stadt Lemberg besucht, die ukrainischen Karpaten, einen Canyon, das Donaudelta und die größte Sandwüste Europas. In der Ukraine gibt es wirklich wunderschöne Orte.

Was nehmen Sie mit von ihrem Auslandsaufenthalt?

Ich konnte zum einen Dinge hinterfragen, die für mich "normal" waren, weil sie in Deutschland eben so gehandhabt werden. Ich konnte mir neue Meinungen bilden und einen neuen Blick auf das Leben entwickeln. Ich bin definitiv dankbarer geworden und habe realisieren können, in welchem guten Umfeld ich aufwachsen durfte. Diese Erlebnisse und Erfahrungen, die ich hier sammeln konnte, haben mich geprägt und bereichern mein Leben persönlich sehr. Ich nehme mir also aus diesem Freiwilligendienst sehr vieles mit: Zum einem neu erlernte Tätigkeiten und neu angeeignetes Wissen, Erfahrungen vor allem in Bezug auf Erziehung und viel persönliches Wachstum.

Für was sind Sie am meisten dankbar?

Das kann ich nicht genau sagen. Ich bin dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, ein Jahr in der Ukraine zu leben und zu dienen. Alle Freundschaften, Erlebnisse, Herausforderungen und Freudenmomente bereichern mich und haben mich weitergebracht. Dieses Jahr war ein riesiges Geschenk.

Wie geht es nach der Rückkehr ins Erzgebirge in Deutschland weiter?

In Deutschland geht es für mich direkt weiter mit einem Studium an der Internationalen Hochschule Liebenzell. Dort werde ich im Studiengang "Theologie und Soziale Arbeit im interkulturellen Kontext" meine gesammelten Erfahrungen aus dem Freiwilligendienst sicher gut einbringen können.

Kontakt und weitere Infos im Internet auf der Seite von Lea Held unter: https://lea-in-odessa.jimdo.com/

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...