IG Bau: Viele Erzgebirger verdienen zu wenig

Annaberg-Buchholz/Schwarzenberg.

40 Stunden Arbeit pro Woche und trotzdem zu wenig Geld im Portemonnaie: Nach Ansicht der Industriegewerkschaft Bau ist Lohn-Drückerei in der hiesigen Region nach wie vor ein Problem. Aktuell arbeiten im Erzgebirgskreis 22 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohnsektor. Insgesamt rund 15.600 Menschen erzielen trotz voller Stundenzahl ein Einkommen unterhalb der amtlichen Niedriglohnschwelle, so die IG Bau. Besagte Schwelle liege im Osten Deutschlands bei 1885 Euro brutto im Monat. Die Zahlen gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag hervor. "Dass selbst eine Vollzeitstelle häufig nicht ausreicht, um finanziell halbwegs abgesichert zu sein, ist alarmierend", sagt Andreas Herrmann, Bezirksvorsitzender der IG Bau Südwestsachsen. Landwirtschaft, Gebäudereinigung und Floristik zählten zu den Branchen, in denen besonders wenig gezahlt werde. Ein Grund dafür sei auch die schwindende Tarifbindung. Herrmann: "Es droht eine immer tiefere Spaltung des Arbeitsmarkts." Diese werde durch die Corona-Pandemie teils verschärft. Denn Beschäftigte im Handwerk könnten nur selten im Homeoffice arbeiten.

Die Unternehmen im Erzgebirgskreis sollten sich laut Herrmann zu Mitbestimmung und Tarifautonomie bekennen. Aber auch die Politik sei gefordert, mehr für die Tarifbindung tun. Zudem brauche es gewerkschaftliches Engagement der Menschen. (kjr)

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