Im Land der Klitscher, Getzen und Kließ

Die hiesige Küche ist lecker. Auch schon rein sprachlich läuft Kennern das Wasser im Mund zusammen. Die Suche nach dem Erzgebirgischen Wort 2018 soll dies nun beweisen. Start frei für "Assen un Trinken im Arzgebirg".

Annaberg-Buchholz.

Die Schmauserei im Erzgebirge ist alles andere als Einerlei. Eher Neunerlei - sprich erzgebirgisch: Neinerlaa. Das Essen ist wie die Leute hier: Einfach, aber wunderbar (schmackhaft). Eben Baberschmatz vom Feinsten. Vornehmlich aus dem, was die Natur den Erzgebirgern schon früher so hergab: Erdäppel un Kreiter, Millich un Kaas, Äppel un Birn - ohne die viele "Schemie in dr Brie".

Nun darf wortreich serviert werden: fürs Mundartwort des Jahres 2018. Essen und Trinken sind der thematische Speiseplan für die Neuauflage des Wettbewerbs um die Lieblingswörter der Einheimischen und ihrer Tischgäste. Nachdem bei der im Vorjahr von Erzgebirgsverein und "Freie Presse" initiierten Premiere mehr als 1000 Worte quer Beet kredenzt wurden, wird diesmal gezielt nach Wortschätzen rund ums Essen und Trinken gefahndet.

Indes, wie beliebt ist regional bestimmte Kost? Sie mundet Jung und Alt - hat Norman Pörschke beobachtet. Der Koch und Caterer betreibt Poerschis Kantine in Annaberg-Buchholz. "Rachermaad oder Getzen gehen immer." Ihr Name ist der Lößnitzer Firma Arzgebirgischer Assenfahrer Programm: "Unter vier täglichen Hauptgerichten ist wenigstens eines regional bezogen", so Judith Scharnweber, Assistentin der Geschäftsleitung. So manches Rezept der Familie präge den Speiseplan. "Ich etwa bin mit Wickelklößen á la Omi groß geworden."

Zünftig Essen ist für Benjamin Unger aber auch eine Erziehungsfrage. "Ein Geschmackserlebnis muss man zelebrieren lernen, die Sinne dafür prägen. So mancher weiß doch gar nicht, wie typisch eine Region schmeckt", sagt der Spitzenkoch im Hotel Blauer Engel in Aue. "Im Zeitalter der Fertigmischungen kommen Geschmackskriterien zu kurz." Philosophie seines Hauses sei es, den Gästen ein Stück Heimat erlebbar zu machen, sie dafür zu sensibilisieren. "Ich beobachte, dass gerade junge Leute da sehr aufgeschlossen reagieren", so Unger. Von ihm gestaltete Kochkurse würden regelmäßig auf großes Interesse und Nachfrage stoßen.

Dieter Auerswald, der die Schulküche in der Oberschule in Auerbach betreibt, sieht da noch viel Nachholebedarf: "Klar, auch ein Erzgebirgischer Sauerbraten schmeckt unseren Schülern. Indes: Im Tagesgeschäft sind Spaghetti die Nummer eins." Junge Leute für heimische Gerichte zu sensibilisieren, sei gar nicht so einfach. "Da sind die Eltern gefordert, bei ihren Schützlingen geschmacksbildend zu wirken."

In der Kurklinik in Thermalbad Wiesenbad wird das Speisenangebot zwar mehr nach medizinischer Indikation und ernährungsphysiologischen Gesichtspunkten zubereitet. Doch auch Buttermilchgetzen gibt es, so Manuel Böttger, Prokurist der Klinik, die auch einen Kräutergarten betreibt. Was Besonderes stellt somit die Kräutergastronomie dar - ein spezieller Aspekt des Geschmackserlebnisses im Erzgebirge.

Mundartfreunde kommen morgen, 10 bis 16 Uhr im Haus des Gastes Erzhammer in Annaberg-Buchholz bei den "Erzgebirgischen Jugendkulturtagen" voll auf ihre Kosten.


"Ein Stück Heimat"

Gabriele Lorenz, Erzgebirgsvereinschefin, liebt die regionale Küche. Um diese geht's beim Mundart-Wort 2018. Andreas Luksch sprach dazu mit ihr.

Freie Presse: Sie lebten lange Zeit in Frankreich. Woher kommt da der Appetit auf erzgebirgische Küche?

Gabriele Lorenz: Das ist ein Stück Heimat. Schließlich bin ich hier geboren. Und was meine Omi gebacken und gebrutzelt hat, kann nirgendwo auf der Welt besser schmecken.

Ob viel Neues über Getzen, Kließ und Supp zu erfahren ist?

Lassen wir uns doch mal überraschen. Allein die Partnergaststätten am Wettbewerb werden da wohl einiges aus dem Topf zaubern: Altbekanntes, aber auch Neues.

Und im neuen Wettbewerb geht es ja nicht allein um "Assen und Trinken im Arzgebirg", sondern auch um das Drumherum.

Stimmt, auch die erzgebirgischen Namen für Zutaten, die Arbeitsgeräte in der Küche, Gedichte, Geschichten, Bücher, ja selbst um Postkarten mit Küchengrüßen aus dem Erzgebirge. Natürlich auch um Tischsitten und Gebräuche. Was ich von ersten Recherchen hörte, war jedenfalls ziemlich spannend. Aber letztlich geht's vor allem um erzgebirgische Wörter.

Wird es wieder eine Abschlussveranstaltung geben?

Natürlich. Der Riesenerfolg vom Vorjahr, als wir im Erzhammer wegen des Andrangs einen zweiten Saal öffnen mussten, hat uns richtig Mut gemacht. Alle Freunde der erzgebirgischen Mundart sollten sich schon jetzt den 4. November vormerken. Ich verspreche: Da wird gemeinsam mit unseren Partnern einiges an Überraschungen serviert.

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