In der Schnitzschule fliegen wieder täglich die Späne

Es war etwas ruhiger geworden in der mehr als 90 Jahre alten Einrichtung, seit Ingolf Gleisl die Leitung im Frühjahr abgegeben hat. Nun ist die Schule das Revier von Herbert Volker Krämer.

Annaberg-Buchholz.

13 Jahre war er selbstständig, der Bildhauer und Schnitzer Herbert Volker Krämer aus Cunersdorf. Seit dem 1. November ist er wieder fest angestellt. "Das ist schon eine Umstellung", gesteht er. Doch die Herausforderung nimmt er gern an, hat sie doch - wie auch seine bisherige Arbeit - viel mit Holz zu tun. Denn der 51-Jährige zeichnet seit beginn des Monats für die Schnitzschule "Paul Schneider" im Erzhammer verantwortlich. In der 95 Jahre alten Einrichtung war es in den zurückliegenden Monaten etwas stiller geworden, nachdem der langjährige Leiter Ingolf Gleisl im Frühjahr sein Amt niedergelegt hatte.

"Nun können wir die Schnitzschule wieder täglich öffnen", freut sich Gabriele Lorenz. Sie ist als städtische Kulturmanagerin auch für den Erzhammer mit verantwortlich, in dem die Schnitzschule angesiedelt ist - ebenso wie die Klöppelschule. Arbeitgeber für die jeweiligen Mitarbeiter ist der Verein Kultur und Freizeit im Erzhammer.

1921 war die Schnitzschule gegründet worden - als angegliederter Teil der damaligen gewerblichen Schule in Annaberg. Gründungsmitglied und langjähriger Schnitzlehrer war der spätere Namensgeber Paul Schneider. 1963 wurde die Spezialschule zur Ausbildung der Zirkelleiter ins Leben gerufen. 1972 übernahm Egon Rehm die Leitung der Schule und prägte gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Manfred Frenzel 20 Jahre lang ihre Geschicke. Seit 1997 präsentiert sich die Schnitzschule mit neuem Gesicht in den fertig gestellten Räumen im Erzhammer.

Sie sind nun das Revier des Cunersdorfers, der in seinem Heimatort zugleich als Ortsvorsteher aktiv ist und auch den dortigen Schnitzverein leitet. Bereits im zarten Alter von sechs Jahren hat er bei seinem Großvater die ersten Versuche im Umgang mit dem Holz unternommen. Später lernte er das Einmaleins der Holzgestaltung bei Egon Rehm und Manfred Frenzel. 2003 wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit - als freiberuflicher Holzbildhauer und Schnitzer. Nebenher leitet er Schnitzkurse, wie beispielsweise in Neudorf, und betreut in mehreren Schulen in Annaberg-Buchholz zudem das Ganztagsangebot Schnitzen. Ein Arbeitsfeld, dass laut Gabriele Lorenz auch noch weiter ausgebaut werden soll.

Für ihn ist es ein wichtiges Anliegen, dass die Jungen genauso wie die Älteren das Handwerk pflegen. So wie bei "De Dienstags-Schnitzer" zum Beispiel, zu denen auch drei Frauen gehören. "Schnitzen ist längst keine Männerdomäne mehr", sagt Herbert Volker Krämer. Vielmehr sei auch bei den Mädchen das Interesse daran groß. Auch deshalb will er gern wieder mehr Gemeinschaftsprojekte fördern, hat dabei unter anderem das Märchenfest im Blick, das nächstes Jahr in Annaberg-Buchholz stattfinden soll. Aber auch für das Ortsjubiläum in Cunersdorf hat er schon eine Idee: große Wegweiser für das Fest aus verschiedenen Naturmaterialien. Und dann wartet ja nach dem ganzen Weihnachtstrubel auch schon bald der nächste große Höhepunkt: die Schnitzertage Anfang März - ein Magnet, nicht nur für das Publikum, sondern auch für die Schnitzer selbst.

Die Schnitzschule ist montags, dienstags, mittwochs und freitags jeweils 10 bis 16 Uhr geöffnet, donnerstags sogar bis 18 Uhr.

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