Mit gestohlenem Auto in Geschäft gefahren

Der Angeklagte tischt dem Gericht eine abenteuerliche Version auf. Dennoch profitiert der Verurteilte von der Beweislage.

Annaberg-Buchholz/Chemnitz.

Das Landgericht Chemnitz hat einen Annaberger in zweiter Instanz zu einer Strafe von zwei Jahren und drei Monaten Freiheitsentzug verdonnert. Die Richter verwarfen die Berufung, korrigierten aber in zwei Fällen den zuvor vom Amtsgericht Chemnitz erlassenen Urteilsspruch.

Im Dezember des Vorjahres war der Annaberger wegen wiederholtem Diebstahl von Pkw und Betrug, das Fahren ohne Führerschein sowie Schwarztanken zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Für Schlagzeilen sorgte dabei auch der Überfall auf eine Telekom-Filiale in der Bergstadt. Das Heck eines gestohlenen Pkw diente damals dazu, die Schaufensterscheiben einzuschlagen. Beim Angeklagten wurden später Smartphones aus dem Einbruch gefunden.


Gegen das Urteil hatte der Angeklagte im Januar 2017 Rechtsmittel eingelegt. Zur jüngsten Verhandlung wollte er in zwei Fällen das Geschehen anders bewertet und die Haftstrafe reduziert haben. Er räume ein, zweimal Fahrzeuge gefahren, sie aber nicht gestohlen zu haben. "Ich habe regelmäßig im tschechischen Weipert den Service einer Werkstatt genutzt. Für 20, auch 30 Euro am Tag, bekam man ein Auto. Die wollten keinen Führerschein sehen. Verträge gab es nicht." Dass ihm die Verleiher dabei Wagen angedreht hätten, die als gestohlen bei der Polizei gemeldet waren, habe er nicht wissen können.

Und so sei es auch an einem Januartag 2016 gewesen, an dem er wieder einen Kleinwagen geliehen hatte. Dass das Auto schließlich nachts auf der Bundesstraße bei Annaberg auf dem Dach liegend gefunden worden war, dafür sei er nicht verantwortlich. Fachleute des Landeskriminalamtes Dresden hatten aber mittels DNA-Spuren den Erzgebirger aufgespürt. Indes: den Beweis, diesen Wagen gestohlen und mit ihm verunglückt zu sein, konnte die Justiz nicht zweifelsfrei erbringen.

Und auch in einem weiteren Fall blieb die Beweislage offen: In einer Freizeiteinrichtung soll der Annaberger einen Spind aufgehebelt haben, in dem der Schlüssel zu einem Pkw in einer Jacke steckte. Den Wagen dazu fanden Waldarbeiter einen Tag später festgefahren und verlassen in einem Waldstück. Es stellte sich heraus, dass die Aufzeichnungen der Überwachungskamera der Einrichtung genauso wenig verwertbar sind, wie die Mitarbeiterinnen den Unbekannten nicht eindeutig identifizieren konnten. Der Angeklagte betonte, schon in der Einrichtung gewesen zu sein, aber nicht zum Tatzeitpunkt.

Zwar seien die Diebstähle nicht zu beweisen, aber der Vorwurf der Hehlerei bleibt angesichts der Täterbiografie bestehen, so die Kammer. Der Angeklagte habe sich, betäubungsmittelabhängig, bereichern wollen und Verwertbares gesucht, dies gelte auch für die Autos. Die Richter bezweifelten die Argumentation, in Tschechien Leihwagen besorgt zu haben. Autos würden keinesfalls mit deutschen Nummernschildern verliehen, zudem würden Verträge gefertigt, stellten sie fest.

Und unglaubwürdig sei es, einen Wagen auszuleihen und nicht zurückzubringen, weil er kaputt ist und Tage später aber schon wieder einen Wagen vermietet zu bekommen. Um seine Version zu stützen und sich zu entlasten, sollte der Angeklagte Namen nennen. Das erschien ihm angesichts derer Kontakte ins Drogenmilieu aber zu gefährlich. Schließlich reduzierte die Kammer anteilig das Strafmaß. Da aber zwischenzeitlich in einem Verfahren gegen den Mann ein weiteres Urteil wegen Hehlerei gefallen ist, wurde dieses mit einbezogen. Insofern verlängert sich die Haftzeit.

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