Nach 27 Jahren erklingen Abschiedslieder

Der Volkschor Frisch-Auf Niederwürschnitz hat seinem Publikum ade gesagt. Er löst sich auf. Und hofft dennoch auf ein Weiterbestehen.

Niederwürschnitz.

Ein Querschnitt des Repertoires, vor allem aber Lieder vom Abschied waren beim letzten Konzert des Volkschores Frisch-Auf Niederwürschnitz in der Tenne zu hören. 27 Jahre nach seiner Gründung löst sich das Ensemble zum 31. März auf. Das Ungewöhnliche: Diesem Chor mangelt es weder an Choristen, noch an einem Chorleiter. Aber: Es findet sich niemand für den Vereinsvorsitz.

Vereinschef Heinz Mehlhorn hatte bereits zu seinem 80. Geburtstag angekündigt, diesen Posten aus Altersgründen abzugeben. Als sich kein Nachfolger fand, übernahm er den Vorsitz weiter - aber nur für eine Übergangszeit. Nun allerdings ist wirklich Schluss. "Es stimmt mich traurig, dass die schöne Chorzeit nun vorbei ist und dass sich kein Nachfolger für mich gefunden hat", bedauert der inzwischen 81-Jährige, der den Vorsitz 2009 von Ulrich Pirstadt übernommen hatte.

Das Problem des Chores ist vor allem die Überalterung. Auch die jüngsten Choristen haben die 70 längst überschritten. Chorleiter Harald Strietzel feiert Anfang Mai seinen 84. Geburtstag. Dennoch würde der musikalische Leiter gern weitermachen: "Ich bedaure sehr, dass absolut niemand für den Vorsitz zu finden war. Der Chor ist in allen Stimmen voll besetzt und hat ein hohes Niveau." Zudem gibt es ein Mundharmonika-Quartett und mit Klaus Küttner sogar einen Zither-Solisten.

Strietzel hofft deshalb, dass es auch ohne Vereinsstatus weitergeht und appelliert an Bürgermeister Matthias Anton: "Ich hoffe, dass wir einen Weg finden und dass wenigstens einmal im Monat eine Probe möglich ist." Das allerdings ist schwierig, denn der Probenraum des Ensembles befindet sich im Vereinsheim Tenne. Und für dessen Nutzung gibt es klare Richtlinien. Anton: "Laut Satzung dürfen nur Vereine das Vereinshaus nutzen. Mir wäre es auch lieber, ich könnte sagen: Geht ins Vereinsheim proben. Mit dem Volkschor zerbricht immerhin eine Tradition."

Bisher durften die Choristen nicht nur die Räume nutzen, auch ein Teil der Miete wurde ihnen erlassen. Ohne Vereinsstatus ist beides ein Problem. "Eine Änderung der Satzung halte ich für extrem schwierig", erklärt Anton. "Wenn wir das machen würden, könnte ich ja auch nicht bei einem sagen, ihr dürft rein, und beim Nächsten, ihr dürft es nicht."


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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    Deluxe
    22.03.2020

    Chorgesang, der ausschließlich aus Stimmen jenseits der 70 und gar 80 besteht, hat keine Zukunft. Ob mit oder ohne Vorstandschef. Und musikalisch ist das auch ein fragwürdiger Genuss.

    Es fehlen junge Stimmen. Und somit fehlt jedem Chor die Grundlage für die kommenden Jahre und Jahrzehnte.

    So traurig es ist, das sind die Tatsachen.

  • 0
    1
    Interessierte
    22.03.2020

    Diese Zeiten sind vorbei , so , das will man heute nicht mehr so hören ..
    Das ist genau so , wie der alte Ulbricht das jähjähjäh ´noch nicht` hören konnte .

  • 4
    1
    ralf66
    21.03.2020

    Drei rote bis jetzt, na gut, Hauptsache die gehören nicht zu denen, die kulturell in der Verantwortung stehen!

  • 4
    4
    ralf66
    20.03.2020

    @Mach's gut altes deutsches Volkslied, die Jugend hat ja nur Sinn für das elektronische Gerammel in englischer Sprache.