Nach einem Jahr: Lob und Kritik für Kretschmer

Das Sachsengespräch geht am Montag in die zweite Runde. Beim Start vor einem Jahr ging es heiß her. Die Gesprächsteilnehmer von damals blicken unterschiedlich zurück.

Annaberg-Buchholz/Elterlein.

Nur wenn man im Gespräch ist, kann man etwas bewegen. Dieser Überzeugung ist Dietrich Tröger. Der Feuerwehrmann hatte im Februar des vergangenen Jahres mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer diskutiert. Im Kulturhaus Aue hatte der CDU-Politiker den Auftakt für das Sachsengespräch als eine Form des Bürgerdialogs vollzogen, das am kommenden Montag in der Festhalle in Annaberg-Buchholz fortgesetzt wird. Tröger, damals Gemeindewehrleiter von Raschau-Markersbach, saß an Kretschmers Tisch.

Die Feuerwehrleute hatten dem Ministerpräsidenten ein Schreiben mit ihren Forderungen mitgegeben. Darin war unter anderem die Rede von einer besseren Anerkennung des Ehrenamtes, einer Erhöhung der Kapazität an der Landesfeuerwehrschule und einer Feuerwehrrente. Auf das Schreiben habe man einige Zeit später ein Schreiben aus dem Innenministerium zurückbekommen, so Tröger. "Das war's."

Enttäuscht ist auch der heutige Wehrleiter Arndt Weißflog. Er war beim Sachsengespräch in Aue ebenfalls mit dabei. Aus seiner Sicht hat das für die Feuerwehrleute "nicht viel gebracht". Gleichwohl erkennt er an, dass die Kapazitäten der Landesfeuerwehrschule zuletzt um 50Plätze aufgestockt wurden und es nun auch eine Ehrung für 50 Jahre Feuerwehrmitgliedschaft gibt.

Im Gespräch mit Kretschmer spielte auch der Wunsch nach einem neuen Feuerwehrdepot für Raschau-Markersbach eine Rolle. Auf dieses wartet die Feuerwehr bis heute. Weißflog sieht in dieser Frage aber eher den Bürgermeister und den Gemeinderat in der Pflicht.

Angetan von Kretschmers Gesprächsangeboten ist hingegen Gitta Pommer. Ihr Thema vor einem Jahr in Aue war der Öffentliche Personennahverkehr, den sie selbst rege nutzt. Sie hatte kritisiert, dass es in Sachsen fünf verschiedene Verkehrsverbünde mit verschiedenen Tarifen gibt. Daran hat sich zwar nichts geändert, aber die Auerin lobt, dass die Expressbuslinie nach Chemnitz eingeführt wurde. Den Weg nach Annaberg will sie zwar nicht auf sich nehmen. "Aber wäre ich dort, würde ich ihm danken, dass sich doch einiges im Land geändert hat", sagt die 70-Jährige.

Peter Schöffler aus Schneeberg sieht das anders. Für ihn sind die Gespräche Kretschmers "Wahlkampfgetöse". "Da kommen doch auch nur Sprechblasen", sagt er. Ein wichtiges Thema hat sich für Schöffler jetzt sowieso erledigt: die Fusion von Aue und Bad Schlema, gegen die er öffentlich aufgetreten war. "Manche setzen auf Leute wie Kretschmer. Aber die können die Welt auch nicht verändern", meint Schöffler. Er schließt eine Teilnahme am Gespräch in Annaberg für sich aus. "So wichtig ist mir der Kretschmer dann nun auch nicht." Uwe Gahlert aus Elterlein war im vergangenen Jahr ebenfalls dabei. Er kündigt an: "Ich denke, ich werde wieder vor Ort sein." In Aue hatte der AfD-Mann die Flüchtlingspolitik kritisiert. Jetzt sind es andere "heiße Eisen", die er ansprechen will: der Ausstieg aus der Braunkohle, die ohne tragfähige Alternativen sei, und die Gefährdung Zehntausender Jobs in der Automobilindustrie durch eine "abstruse Grenzwertdiskussion". Gahlert sagt: "Außer heiße Luft und warme Worte habe ich bisher von Herrn Kretschmer nichts gehört."

Ministerpräsident Michael Kretschmer und sein Kabinett wollen am 21. Januar in der Festhalle Annaberg-Buchholz mit Bürgern ins Gespräch kommen. Die Veranstaltung Uhr beginnt 19 Uhr. Der Einlass erfolgt ab 18.15 Uhr.

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