Neue Fichtelberg-Lifte: Nichts dreht sich

In Sachsens größtem Skigebiet drohen zwei neue Sesselbahnen am Naturschutz zu scheitern. Am benachbarten Keilberg in Tschechien wird derweil schon wieder gebaut.

Der nächste Winter steht bevor, doch neue Liftanlagen für den Fichtelberg sind weiterhin nicht in Sicht. Die Baugenehmigungen für eine Achter-Sesselbahn am Haupthang und eine Sechserbahn an der Himmelsleiter hängen nach wie vor im Planfeststellungsverfahren fest. Mittlerweile gibt es sogar Anzeichen dafür, dass das Projekt am Haupthang komplett zu scheitern droht. "Zu hohes Klagepotenzial", so lauten die neuesten Informationen von René Lötzsch, Geschäftsführer der Fichtelberg Schwebebahn GmbH.

Das Unternehmen der Stadt Oberwiesenthal ist Betreiber des größten sächsischen Skigebietes und will mit den beiden Vorhaben in die dringend notwendige Modernisierung investieren. Doch auch in der zweiten Anhörungsrunde, die im Frühjahr endete und die seither ausgewertet wird, gab es wieder viel Kritik. So gingen nach Angaben der für das Planfeststellungsverfahren zuständigen Landesdirektion zur Änderungsplanung für den Sechser-Sessellift 30 Stellungnahmen und Einwendungen ein. Laut Behördensprecher Gunter Gerick bestehen Bedenken "im Hinblick auf die Nachhaltigkeit des Vorhabens sowie bezüglich der Erfassung der vorkommenden Tier- und Pflanzenarten". Ähnlich stelle sich die Argumentation zum Achter-Sessellift dar. Dort gab es noch einmal 24 Stellungnahmen und Einwendungen. Bei diesem Projekt würden zudem Sicherheitsbedenken vorgebracht - unter anderem aufgrund der größeren Auslastung der Pisten am Kleinen Fichtelberg und wegen der Lage des Liftes. Dass die Planungen für dieses Vorhaben aber nicht weiter voran getrieben werden, wird seitens der Behörde nicht bestätigt.

Zu den Gegnern der neuen Lifte gehören der BUND und der Naturschutzverband Sachsen, ein kleiner, aber klagefreudiger Verein aus Oederan. Der hatte in seinen Stellungnahmen unter anderem auf eine angeblich fehlende fachgerechte Erfassung von Moosarten und Fehler bei der Bestimmung von Gefäßpflanzenarten im Biotop verwiesen. Die vorgelegten Bauunterlagen, so schrieb der Verband, seien "nach wie vor mangelhaft und damit nicht genehmigungsfähig." Doch auch aus Oberwiesenthal selbst kam Kritik. So beklagt das Bürgerbündnis Einz, eine neue Fraktion im Stadtrat, das Skigebiet verliere mit den Neubauten weiter an Pistenfläche, die Beförderungskapazität aber werde zugleich erhöht. Das Bürgerbündnis plädiert an der Himmelsleiter für eine Kombibahn mit Kabinen und Sesseln bis hinunter ins Sehmatal.

Völlig anders ist die Situation am benachbarten Keilberg in Tschechien. Das dortige Skigebiet, das im Winter mit Shuttlebussen an den Fichtelberg angebunden ist, wird weiter ausgebaut. Momentan wird ein erst 2005 errichteter Dreier-Sessellift durch eine Vierer-Sesselbahn mit beheizten Sitzen und Wetterschutz-Hauben ersetzt. Die Fahrzeit auf den Gipfel wird sich halbieren, die Beförderungskapazität um 800 Personen pro Stunde steigen. Ende September veröffentlichten die Betreiber des Skiareals Klínovec ein Video, das einen Hubschrauber beim Transport von Liftteilen an den Berg zeigt. "Die neue Sesselbahn soll zum Start der kommenden Wintersaison in Betrieb gehen", sagte Martin Koky, Marketing- und Projektmanager des tschechischen Skigebiets.

Bei Ausstattung und Attraktivität der Skigebiete hat der Keilberg den Fichtelberg schon jetzt weitgehend abgehängt. Erst in der vergangenen Saison war auf tschechischer Seite ein bis dahin separates Gelände mit mehreren Pisten und Liften an das Keilberggebiet angebunden worden. Für das sogenannte Neklid-Areal kündigt Projektmanager Koky bereits die nächste Investition an: 2021/2022 soll dort eine weitere neue Sechser-Sesselbahn stehen - mit zwei zusätzlichen Pisten. Am Keilberg gibt es inzwischen 31,5 Kilometer Pisten und 16 Lifte. Am Fichtelberg sind es gerade einmal 15,5 Pistenkilometer und sechs Lifte - einschließlich Schwebebahn.

Bei der Landesdirektion wird unterdessen frühestens Anfang 2020 mit einem Erörterungstermin zu den Vorhaben am Fichtelberg gerechnet. Wann eine Baugenehmigung erteilt werden kann, sei "derzeit nicht verifizierbar".

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6Kommentare
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  • 9
    1
    575042
    18.10.2019

    Wenn die Argumente der Umweltverbände so fundiert sind, das die Landesdirektion Sachsen keine Genehmigung in Aussicht stellen kann, müssen die Planunterlagen ja grottenschlecht sein. Und die gesetzlichen Regelungen für solche Planungsverfahren wurden im demokratischen Meinungsbildungsprozeß durch die führende Partei und ihre jeweiligen Koaltionspartner in parlamentarischer Abbstimmung mit entsprechender Mehrheit beschlossen. Vielleicht findet der Qualitätsjournalismus der Freien Presse einmal die Zeit, genau diesen Sachverhalt vertiefend für die geschätzte Leserschaft aufzuarbeiten.

  • 13
    3
    Kreisimaus
    18.10.2019

    Vorweg. Bin auch für Umweltschutz. Das ist bei Skigebieten immer schwierig zu verbinden. Aber gerade an Bestandspisten darf es da keine Probleme geben, was die Genehmigung anbelangt. Typisch Erzgebirge :) Die Vision Seilbahn Sehmatal halte ich für verfolgenswert. Höre ich hier zum ersten mal. Auch die Seilbahn zum Keilberg sollte wieder fokussiert werden. Legt doch pro Karte 2 Euro für den Umweltschutz drauf. Die Leute werden das akzeptieren wenn sie die Projekte dann auch sehen und erleben können. Der Tscheche hat es hier verstanden. Sicher besteht dort das Risiko das es übertrieben wird. Auch in Sachen Hotels und Ferienhausausstattung ist der Tscheche längst an Deutschland vorbei. Öffnet eure Augen und gebt Gas. Sachsen kann hier mehr.

  • 7
    5
    CPärchen
    18.10.2019

    Und dann will Herr Söder die Umwelt auch noch ins Grundgesetz schreiben lassen. Die Gesetze sind gegenwärtig schon zu strikt.

    Dann werde ich halt Tourist in CZ und gebe mein Geld dort aus. Dem Kurort und seiner Umgebung scheint es wirtschaftlich ja super zu gehen.

  • 12
    0
    ChWtr
    18.10.2019

    Fichtel- oder Keilberg hin oder her. Ohne Moos nicht los. ;-)

  • 32
    3
    881924
    18.10.2019

    Was soll man dazu noch sagen der Keilberg hat uns leider längst abgehängt obwohl das Potenzial da wäre. Gerade die 2 Pisten auf der Himmelsleiter verkraften viel mehr als einen alten Schlepper.

    Aber was solls erfreuen wir uns eben an den Moosarten.

  • 29
    4
    1371270
    18.10.2019

    Man wundert sich doch nicht mehr, dass in Deutschland nichts voran geht. Kürzlich erst die Meldung, dass die Modernisierung einer vorhandenen (!) Eisenbahnstrecke (Chemnitz-Leipzig) frühestens 2028 fertig sein soll.

    Wenn es im vorletzten Jahrhundert schon die heutigen Vorschriften und Regelungen gegeben hätte, dann behaupte ich, wäre nicht eine einzige der deutschen Fernbahnstrecken gebaut worden, und wir würden jetzt noch mit der Pferdekutsche reisen! Aber vielleicht nicht mal das mehr!



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